Von Florian Diekmann und David Böcking
Hamburg - Die Schuldenkrise in Spanien hat nichts von ihrem Schrecken eingebüßt, im Gegenteil: Mit der Insolvenz des hoch verschuldeten Immobilienentwicklers Reyal Urbis droht dem Land die zweitgrößte Firmenpleite seiner Geschichte - nach dem Immobilienkonzern Martinsa-Fadesa, der zu Beginn der Krise im Juli 2008 mit einem Schuldenstand von 7,2 Milliarden Euro zahlungsunfähig war. Auch Reyal Urbis hat einen Berg an Verbindlichkeiten aufgehäuft: 3,6 Milliarden Euro waren es Ende September vergangenen Jahres.
Der Niedergang des großen Immobilienkonzerns ist nicht nur ein Problem Spaniens. Auch bei deutschen Banken steht Reyal Urbis offenbar in der Kreide. Zudem könnte im schlimmsten Fall der deutsche Steuerzahler an den Risiken beteiligt werden.
Die Liste der wichtigsten Gläubiger von Reyal Urbis gleicht der Wirtschaftszeitung "El Economista" zufolge einem Who's who der spanischen Bankenbranche: Zu den Gläubigern zählen der bereits verstaatlichte Sparkassenkonzern Bankia mit 460 Millionen Euro - die Nachrichtenagentur Reuters beziffert die Kredite bei Bankia gar mit 785 Millionen Euro. Es folgen Santander (550 Millionen), die Royal Bank of Scotland (300 Millionen), die Banco Popular (220 Millionen), BBVA (120 Millionen) und Sabadell (75 Millionen). Hinzu kommen zahlreiche weitere Banken mit kleineren Beträgen und ein Geierfonds, dem Barclays Schulden über 450 Millionen verkaufte.
Damit nicht genug: Nach Informationen der spanischen Nachrichtenagentur Efe schuldet Reyal Urbis zudem dem spanischen Fiskus 400 Millionen Euro und der staatlichen Förderbank Instituto de Crédito Oficial (ICO) weitere 220 Millionen Euro.
Der hohe Schuldenstand allein erklärt die mögliche Pleite von Reyal Urbis noch nicht - dennoch kommt sie alles andere als überraschend. Dafür sind mehrere Entwicklungen verantwortlich:
Endgültig steht die Pleite für die Immobilienfirma allerdings noch nicht fest. Noch bis Samstag ist Zeit, um eine Einigung mit den Gläubigern zu erreichen. Der Chef von Reyal Urbis, Rafael Santamaría Trigo, gab sich demonstrativ zuversichtlich. "Wir haben den freiwilligen Konkurs gewählt, um das Fortbestehen der Firma zu garantieren und die Interessen der Kunden, Lieferanten, Gläubiger, Aktionäre und Angestellten der Firma zu wahren", sagte Trigo laut einer Pressemitteilung. "Wir sind sicher, dass wir eine endgültige Lösung finden werden, um aus dem Konkurs zu kommen und unsere Aktivitäten normal fortzusetzen." Ein Vorbild könnte dabei die Insolvenz von Martinsa-Fadesa sein - der Konzern konnte sich damals mit den Gläubigern auf eine Rückzahlung seiner Schulden binnen zehn Jahren einigen.
Die mögliche Pleite von Reyal Urbis könnte auch Auswirkungen auf Deutschland haben - zum einen, weil die Commerzbank über ihre Hypothekentochter ebenfalls in kleinerem Umfang betroffen ist, ebenso wie die Abwicklungsanstalt FMS der in der Finanzkrise kollabierten Hypo Real Estate. Das meldet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Verhandlungskreise. Bedeutender jedoch sind die Kredite der Immobilienfirma bei der bereits verstaatlichen Bankia. Damit trifft die Pleite die gerade erst eingerichtete staatliche Bad Bank - die wiederum durch den Euro-Rettungsschirm ESM finanziert wird.
Über den ESM ist wiederum der deutsche Steuerzahler an den Risiken auf dem spanischen Immobilienmarkt beteiligt - und die sind enorm. Zwar haben die Euro-Partner Spanien im vergangenen Sommer bis zu hundert Milliarden Euro an Hilfen für den angeschlagenen Bankensektor zugesichert. Aber in diesem Januar veröffentlichte die spanische Zentralbank erschreckende Zahlen: Demnach könnten die Banken des Landes auf Krediten in Höhe von 191,6 Milliarden Euro sitzenbleiben.
mit Material von Reuters
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