Rüstung Rheinmetall buhlt um Aufträge in der Türkei

Der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall wittert ein gutes Geschäft in der Türkei. Er will sich an Ausschreibungen des Militärs beteiligen, die Linke spricht von einem "ungeheuerlichen Vorgang".

Kampfpanzer Leopard II
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Kampfpanzer Leopard II


Spannungen zwischen der Türkei und Deutschland? Für den Rüstungskonzern Rheinmetall offenbar kein Thema. Das deutsche Unternehmen will sein Geschäft in der Türkei ausbauen. Über ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem türkischen Lkw- und Bushersteller BMC und der Holding Etika Strategi aus Malaysia wolle sich Rheinmetall Chart zeigen an künftigen Ausschreibungen in dem Land beteiligen, sagte ein Sprecher.

Im vergangenen Jahr hatte die "Welt" bereits berichtet, dass der Konzern Rad- und Kettenpanzer in der Türkei bauen will. Am Mittwoch hieß es im Magazin "Stern", die Pläne dazu seien weit fortgeschritten. Die Branche rechnet künftig etwa mit einer Ausschreibung zum Bau des geplanten türkischen Kampfpanzers "Altay".

Die nun bekannt gewordene Strategie des Düsseldorfer Unternehmens kommt in einer schwierigen Zeit. In den vergangenen Tagen hatten abgesagte Auftritte türkischer Minister in Deutschland für Streit zwischen den Regierungen in Ankara und Berlin gesorgt. Der türkische Präsident Erdogan bezeichnete die Absagen als Nazi-Praktiken. Die Bundesregierung wies diese Vorwürfe als "absurd" zurück.

Rheinmetall verteidigte die Pläne zum Ausbau des Rüstungsgeschäfts. "Die Türkei ist nach wie vor ein wichtiger Handelspartner Deutschlands, ein voll integrierter Nato-Partner und nach wie vor ein Beitrittskandidat für die Europäische Union", sagte der Sprecher.

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen sagte dem "Stern", der geplante Einstieg von Rheinmetall in die Produktion von Panzern in der Türkei sei "ein ungeheuerlicher Vorgang".

Rheinmetall hält einen Anteil von 40 Prozent an dem Joint Venture mit dem türkischen Unternehmen BMC und einem weiteren Partner.

man/dpa



insgesamt 82 Beiträge
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winston82 08.03.2017
1. Kriegsursachen bekämpfen? Fehlanzeige.
"Deutsche Waffen, deutsches Geld, morden mit in aller Welt." Und dann wundert man sich warum einem die eigenen Raketen um die Ohren fliegen oder wiedermal ein paar Flüchtlinge vor der Tür stehen. Aber soweit wird ja nicht gedacht.
ptb29 08.03.2017
2. Das ist schon in Ordnung
Natürlich würde die demokratische Türkei die Panzer nur gegen Terroristen einsetzen. Außerdem sichert das Arbeitsplätze. Und das Rheinmetall so skrupellos ist, hat Karl Marx schon vorausgesagt.
jschm 08.03.2017
3. Pecunia non olet
wie die Römer zu sagen pflegten. Heute würde man eher sagen "ist doch nur Business". Türkei ist NATO Mitglied, also kein Problem. Das ist eben das Problem, wenn man mit Moralvorstellungen Realpolitik betreiben will, geht irgendwann nach hinten los.
dreamrohr2 08.03.2017
4.
also DAS ist scheinbar der Grund aller Zurückhaltung in der deutschen Politik in der Angelegenheit "Türkische Wahlpropaganda". Habe ich es schon bereits vor einigen Tagen vermutet und darauf hingewiesen. Es ist verheerend, wie die Wirtschaft ihre Interessen auf Kosten der Allgemeinheit verfolgt, egal was in der Welt passiert! Zum anderen, ist die perfide Art dieser Wirtschftssparte, gerade in einem Land wieder Waffen liefern zu wollen, wo eine eindeutige Gefahr von Diktatur herrscht.
micromiller 08.03.2017
5. Die Golfdiktaturen
werden allesamt beliefert und die Herrscher als Freunde mit militärischen Ehren empfangen. Die Linken sollten da einmal kräftig aufschreien und auch unseren noch Präsidenten fragen welche Werteskala bei derartigen Veranstaltungen zugrunde liegt.
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