Gestoppter Russland-Deal Rheinmetall will Entschädigung vom Bund

Der gestoppte Waffen-Deal mit Russland setzt den Rüstungskonzern Rheinmetall unter Druck. Das Unternehmen kappte seine Gewinnprognose, die Aktie rutschte ab. Die Firma will für den entgangenen Auftrag eine Entschädigung vom Bund.

Rheinmetall-Zentrale in Düsseldorf: Ärger über gestopptes Geschäft
DPA

Rheinmetall-Zentrale in Düsseldorf: Ärger über gestopptes Geschäft


Düsseldorf - Rheinmetall will das Eingreifen von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) bei einem Geschäft mit Russland nicht einfach hinnehmen. Der Rüstungskonzern will für den gestoppten Auftrag eine Entschädigung vom Staat bekommen. Auch eine Klage hält das Unternehmen sich offen. Man spreche mit der Bundesregierung "über den Umfang der Ersatzansprüche, die aufgrund einer zurückgenommenen Ausfuhrgenehmigung bestehen können", teilte das Unternehmen mit.

Es rechnet wegen des Exportstopps für ein Gefechtszentrum mit bis zu 20 Millionen Euro weniger Gewinn im Rüstungsgeschäft. "Wir arbeiten intensiv daran, auch unter Ausnutzung aller uns zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel, die finanzielle Belastung so gering wie möglich zu halten", teilte Rheinmetall mit.

Das Unternehmen steht unter Druck. Der Rüstungskonzern musste seine Jahresprognose senken, die Aktie sackte daraufhin ab. Rheinmetall Chart zeigen nannte als einen Grund für die Gewinnwarnung die gestoppte Ausfuhrgenehmigung für das Gefechtsübungszentrum nach Russland. Beim Umsatz rechnet der Vorstand laut einer Mitteilung nur noch mit 4,6 bis 4,7 Milliarden Euro - nach zuvor 4,8 bis 4,9 Milliarden. Den Gewinn vor Zinsen und Steuern sieht das Unternehmen nach Sonderkosten nur noch bei 190 bis 210 Millionen Euro - zuvor waren 30 Millionen mehr geplant.

Neben dem gestoppten Rüstungsexport belastet auch die Ausgliederung einer Sparte des Aluminiumgeschäfts, das künftig als Gemeinschaftsunternehmen bilanziert wird. Nach der Gewinnwarnung rutschte die Rheinmetall-Aktie um bis zu acht Prozent ab. Damit hat sie binnen eines Monats gut 20 Prozent eingebüßt. Börsianer hatten dies meist mit dem Russland-Engagement des Rüstungs- und Autozuliefererkonzerns begründet.

Tagesgeschäft von Rheinmetall läuft zufriedenstellend

Die Bundesregierung hatte Anfang der Woche die Lieferung eines Gefechtszentrums von Rheinmetall an Russland endgültig gestoppt. Eine Erfüllung des Auftrags sei deswegen "aus heutiger Sicht nicht mehr möglich", teilte das Unternehmen mit. Das Volumen des Geschäfts liegt Berichten zufolge bei rund hundert Millionen Euro.

Die russische Regierung als Auftraggeber hat ihrerseits bereits eine Schadensersatzklage angedroht. In dem modernen Übungszentrum für rund 30.000 Panzer- und Infanteriesoldaten pro Jahr sollten Kämpfe mit Lasertechnik simuliert werden, was Geld und Material spart. Rheinmetall gilt als eines der führenden Unternehmen für die Technik und betreibt ein ähnliches Zentrum schon seit 2001 für die Bundeswehr.

Das eigentliche Tagesgeschäft lief für Rheinmetall im zweiten Quartal solide. Sowohl die Rüstungs- als auch die Zuliefersparte für die Autoindustrie verbesserten sich bei Umsatz und Gewinn. Weil im Gegensatz zum Vorjahr kaum noch Kosten für den Konzernumbau mit mehr als 1100 Stellenstreichungen anfielen, stieg der Konzernüberschuss auf sieben Millionen Euro. Vor einem Jahr hatte Rheinmetall 17 Millionen Verlust verbucht.

mmq/dpa/Reuters

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 105 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kuddemuddel 07.08.2014
1. Energiekostenzuschuss
Ich mache bei der Bundesregierung einen Energiekostenzuschuss in Höhe der zu erwartenden Gaspreiserhöhungen geltend, die sich konkret auf die Sanktionen gegen Russland zurückführen lassen. Ich heize mit Gas und sehe nicht ein, dass ich für die Hegemonialinteressen bestimmter Staaten hier noch mehr bezahle.
bernd.mobil 07.08.2014
2. Da hat die Firma recht
So siehts dann demnächst öfters aus wenn das Abkommen mit den USA kommt. Man verklagt dann einfach das Land
ossian 07.08.2014
3. na da uns ja gesagt wurde das das Gas
mit dem Lieferstop aus Russland sogar im Preis fallen wird (wenn es wieder zur kalten Jahreszeit hingeht) brauche ich mri da keine Sorgen machen ....? oder doch. Und wenn ja dann wird sicher diese Bundesregierung bei einem Gaspreisschock die kleinen Leute unterstützen und die verm. weit höheren Kosten dafür erstatten.
Zaphod 07.08.2014
4. Kriegsgewinnler
Eine ungewöhnliche Situation für einen Rüstungskonzern: üblicherweise laufen die Geschäfte besonders gut, wenn es Konflikte gibt. Nun gehört Rheinmetall eben zu den Verlierern des aktuellen Wirtschaftskrieges. Das ist zunächst einmal das Pech des Konzerns, warum sollte er eine Entschädigung bekommen? Jeder muss Opfer bringen, wenn es der guten Sache dient, auch ein Rüstungskonzern, der oft genug von Kriegen profitiert hat.
sl2014 07.08.2014
5.
Zitat von sysopDPADer gestoppte Waffen-Deal mit Russland setzt den Rüstungskonzern Rheinmetall unter Druck. Das Unternehmen kappte seine Gewinnprognose, die Aktie rutschte ab. Die Firma will für den entgangenen Auftrag eine Entschädigung vom Bund. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/rheinmetall-gibt-nach-gestopptem-deal-mit-russland-gewinnwarnung-a-984885.html
Eine sehr kurzsichtige Betrachtungsweise von Rheinmetall. Die Bundesregierung tut alles, dass die Geschäfte in Zukunft wieder besser laufen. Bei den europäischen NATO-Staaten und der Ukraine besteht grosser Bedarf.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.