Kryptowährungen Was hinter dem Bitcoin-Rivalen Ripple steckt

Ein Kursplus von 36.000 Prozent in zwölf Monaten: Die Kryptowährung Ripple feierte im Windschatten von Bitcoin eine gigantische Kursrallye. Nun stürzt der Kurs jäh ab. Ist der Boom schon vorbei?

Ripple-Gründer Chris Larsen
imago/ZUMA Press

Ripple-Gründer Chris Larsen

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Vergangene Woche sorgte das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" für eine Menge Aufmerksamkeit, als es verkündete, dass nun ein gewisser Chris Larsen zu den reichsten Menschen der Welt gehöre. Mit einem Vermögen von rund 37 Milliarden US-Dollar sei er nur etwas weniger vermögend als Investorenlegende Ray Dalio. Aber wie kommt ein in der Wirtschaftswelt völlig Unbekannter aus dem Nichts zu so einem Vermögen? Der Mann aus San Francisco war bis dato noch nie auf der renommierten Reichenliste des US-Magazins aufgetaucht.

Wie viele andere Menschen in den vergangenen Monaten ist Larsen offenbar mit einer Kryptowährung unfassbar reich geworden. Er ist Mitgründer des US-Start-ups Ripple Labs, dessen Währung XRP in den vergangenen Wochen einen noch steileren Kursanstieg verzeichnete als der Bitcoin. XRP, inoffiziell auch Ripple genannt, legte 2017 um 36.000 Prozent zu, hat sich allein im Dezember verfünfzehnfacht und stieg zwischenzeitlich zur zweitgrößten Kryptowährung hinter dem Bitcoin auf. Larsen, der inzwischen im Verwaltungsrat der Firma sitzt, hält laut "Forbes" mehr als fünf Milliarden XRP.

Doch dann folgte an diesem Montag der jähe Absturz: Der XRP-Kurs brach laut der Handelsplattform Coinmarketcap um rund ein Drittel ein - offenbar nur, weil die Plattform entschied, koreanische Ripple-Kurse nicht mehr länger in ihre Berechnungen einzubeziehen. Der Chef-Krypto-Entwickler von Ripple Labs versuchte auf Twitter die Anleger zu beruhigen und schrieb: "Lasst euch nicht in die Irre führen."

Bei den Angaben der Forbes-Reichenliste handelt es sich also eher um Fantasiezahlen, als um echtes Vermögen, weil die Kurse extrem stark schwanken. Sollten sich die Ripple-Erfinder beim jetzigen Kursstand dazu entschließen, all ihre Coins zu verkaufen, würde der Kurs vermutlich völlig in sich zusammenfallen. Anleger könnten es als Signal deuten, ebenfalls zu verkaufen. Und unklar ist auch, ob sich überhaupt Käufer für all die Ripple-Coins finden würden.

Ripple ist keine echte Kryptowährung

Die rasante Berg- und Talfahrt des Ripple ist das bisher beste Beispiel dafür, wie sich die wilde Spekulationsblase rund um den Bitcoin auch auf andere Kryptowährungen ausbreitet. Weltweit stecken Investoren Geld in virtuelle Währungen wie Litecoin, Stellar und Iota, weil sie auf Kursanstiege und Profit hoffen. Noch vor einem Jahr waren die meisten dieser Währungen nichts wert, jetzt machen sie ihre Gründer zu Milliardären. "Das ist mehr als verrückt", sagte ein Hedgefonds-Manager der "New York Times". "Diese Rekordrallye treibt nichts an, als die blinde Angst, etwas zu verpassen."

Aber warum steigt und fällt ausgerechnet der Kurs von Ripple so stark? Warum pumpten Investoren vor allem in diese Währung Milliarden hinein?

Ripple ist anders als der Bitcoin keine echte Kryptowährung. Denn im Unterschied zu virtuellen Währungen wie Bitcoin, die ohne Zentralbanken und Staaten auskommen, arbeitet Ripple eng mit großen Banken zusammen. Mit der Technologie können - grob vereinfacht erklärt - Banken schneller und günstiger Geld zwischen Ländern hin- und herschicken. Wenn zum Beispiel Dollar in Yen getauscht werden, wechselt Ripple den Dollar-Betrag in die hauseigene Kryptowährung XRP und dann von XRP in Yen. Bislang nutzen Banken für internationale Zahlungstransfers immer noch separate Konten in den jeweiligen Ländern, in denen sie aktiv sind. Das ist aufwendig und kostet viel Geld.

Ripple dient also dazu, ein Zahlungsnetzwerk zu unterstützen, ist aber nicht als eigene Währung gedacht, mit der man in Zukunft im Alltag bezahlen soll. Im Gegensatz zum Bitcoin ist Ripple damit kein Frontalangriff auf das traditionelle Finanzsystem, sondern eher eine Ergänzung.

Ein weiterer großer Unterschied: Anders als der Bitcoin, der in aufwendigen Rechenprozessen dezentral von seinen Nutzern geschürft wird, wurden alle Ripple vom Erfinder-Unternehmen mit einem Schlag geschaffen. 100 Milliarden Ripple wurden am Anfang ausgegeben, wovon heute knapp 40 Milliarden im Umlauf sind. Den Rest hält Ripple Labs.

Investoren kauften in den vergangenen Wochen wie verrückt Ripple, weil sie daran glauben, dass sich die Technologie im internationalen Zahlungsverkehr durchsetzt. Nach Angaben von Ripple haben inzwischen mehr als 100 Banken eine Kooperation vereinbart, um die Software zu nutzen. Darunter sind der Kreditkartenanbieter American Express und die spanische Bank Santander.

Nach Ansicht von Ripple-Chef Brad Garlinghouse ist der extreme Kursanstieg gerechtfertigt. In einem Interview mit Bloomberg TV sagte er: "Im Markt ist zwar eine Menge Hype, aber es gibt eine reale Grundlage dafür. Wir lösen ein reales Problem und greifen einen Multi-Billionen-Dollar-Markt an." Denn noch immer sei der internationale Zahlungsverkehr für Firmen und Privatleute extrem kompliziert und teuer. "Wir leben im Zeitalter des Internets und können unser eigenes Geld nicht in Echtzeit zwischen Ländern hin- und herschicken. Das ist verrückt." Sein Unternehmen sei angetreten, um das zu ändern.

Ripple-Chef Brad Garlinghouse
Bloomberg via Getty Images

Ripple-Chef Brad Garlinghouse

Doch selbst wenn sich die Ripple-Technologie durchsetzt, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass auch weiterhin der Kurs der Währung XRP steigen wird. Denn noch ist völlig unklar, ob auch künftig beim Versenden von Geld XRP als Umtausch-Währung eingesetzt wird. Laut "New York Times" haben einige Banken Interesse an der Technologie, nicht aber an der Digitalwährung an sich. Der Ripple-Coin ist für den Umtausch nicht zwingend nötig und könnte eines Tages ersetzt werden oder ganz wegfallen. Der Kurs der Digitalwährung XRP könnte also in sich zusammenfallen, selbst wenn sich das Unternehmen mit seiner Technologie durchsetzt.

Doch all diese Risiken und Unwägbarkeiten scheinen Krypto-Anleger derzeit ohnehin nicht zu interessieren. Das zeigen unzählige Videos auf YouTube, die Namen tragen wie "Explodiert Ripple?!" und "Millionär dank Ripple?". Die Jagd nach dem schnellen Geld ist ungebremst.



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hansistyle2 08.01.2018
1. sammle coins wie super mario....
der boom is noch lange nicht vorbei, er hat ja noch nicht einmal angefangen auch wenn ''echte'' crypto befürworter den ripple kritisch beäugen, potential ist vorhanden...potential um zu wachsen und sich ggf zu etablieren, wobei ich langfristig eher auf Iota (aus berlin) setzen würde...worüber ihr erstaunlich wenig berichtet muss ich sagen.
Das Pferd 08.01.2018
2.
zumindest basiert Ripple nicht auf "proof of work". Damit ist es mir als Unbeteiligten relativ egal, wer damit reich wird. Und wenn andere damit arm werden wenn die Blae platzt- sie mögen bitte nicht jammern. Ist nicht meine Baustelle. Bei "geschürften" Währungen ist es halt anders. Das sehe ich extreme Energieverschwendung für ein Luxusprojekt. Da ist es wie bei Flugmangos: das geht mich was an, auch wenn ich die Dinger selbst nicht kaufe.
thomasp1965 08.01.2018
3. Tja
wer nicht versteht, daß die Kryptowährungen solange nichts dahintersteht keinen Wert haben, tut mir einfach nur leid. Lemminge, banta pudu (Banta Futter). Die dahinterstehenden Technologieen - verteilte Transaktionen - Blockchain, Peer2Peer etc. sind interessant und haben wertvolle Anwendungsfälle und sicher eine Zukunft. Solange ich ein Derivat von Bitcoin auf den Markt werfen kann für fast 0 Euro, werden diese keinen Wert darstellen. Man kann damit spekulieren, aber die Spekulation ist eine Spekulation darauf, daß jemand dümmer ist, als man selbst - man selbst rechtzeitig den Absprung schafft. Die Verknappung von XY - Bitcoin or whatever - ist eine Fiktion, da ich unendlich viele Währungen für quasi 0-Invest schaffen kann. Aber es wird noch längere Zeit genug Dumme geben, die sich von etwas Cleveren überzeugen lassen ihr Geld da hinein zu stecken. Sorry. Für mich als IT'ler einfach nur noch erbärmlich, was hier aufgeführt wird und bezogen auf die Kosten - CO2 Emissionen und Klimawandel - verwerflich.
DiegoMarlasca 09.01.2018
4.
Nicht zu vergessen die extrem niedrigen Transfergebühren und die sehrschnellen Transaktionen im Vergleich zu Bitcoin. 30% Schwankung sind normal. Zum Schluss waren es dann ca 15% im Vergleich zu 9% Verlust bei Bitcoin und ETC. Beklagen kann ich mich nicht: Trotz des Kursabsturzes habe ich bisher immer noch einen Gewinn von über 150% in ca. 2 Wochen gemacht. Welcher Fonds ETC gibt mir Ähnliches?
thechamelion3 09.01.2018
5.
Warum soll den ein Transfer über eine Zwischenwährung Ripple besser sein als ein dirketer Transfer? Am Ende bleibt es bei der alten Sache: US Bank $ -> Ripple -> € EU Bank Bedeutet in Wahrheit: Zentralbankschulden bzw. Guthaben. Der Unterschied zu heute verwendeten Systemen von zentralen Datenbanken dürfte wenig anders fuktionieren. Beschäftigt sich denn niemand mehr im Detail mit den Dingen?
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