New York - Sie gelten als Auslöser der weltweiten Finanzkrise: undurchsichtige Pakete mit Hypothekenpapieren, die Institute untereinander weiterreichten. Als die Risiken dieser Anlagen zutage kamen, stießen die Banken ihre Anteile panisch ab. Doch nun gibt es offenbar wieder Interesse an den einstigen Giftpapieren. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg bereitet die Deutsche Bank eine Offerte für ein milliardenschweres Paket an Hypothekenpapieren (CDO) vor. Demnach will sie diese von der US-Notenbank Fed kaufen.
Das Institut wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Wie Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise berichtete, interessieren sich auch die britische Bank Barclays
und Credit Suisse
für die Papiere. Auch die US-Investmentbank Goldman Sachs
habe sich erkundigt, ob ihre Kunden investieren wollten. Diese Institute wollten die Pläne ebenfalls nicht kommentieren.
Auf der vergangenen Bilanzpressekonferenz hatte der scheidende Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann erklärt, das Institut habe sich von riskanten Geschäftsaktivitäten verabschiedet - unter anderem dadurch, dass die Bank keinen Eigenhandel mehr betreibt, also nicht mehr auf eigene Rechnung spekuliert. Allerdings bietet die Bank interessierten Kunden weiterhin den Handel mit Finanzinstrumenten an.
Fed verhökert Pakete wieder an Banken
Zu dem Paket mit Hypothekenpapieren gehören laut Bloomberg zwei Finanzprodukte mit einem Nennwert von 7,49 Milliarden Dollar. Diese sollten Kredite für Gewerbeimmobilien absichern, die die Deutsche Bank
2007 und 2008 ausgegeben hatte.
Die US-Notenbank Fed hatte auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 die Hypothekenpapiere im Zuge der Rettungsaktion für den einst weltgrößten Versicherer AIG übernommen. Der Konzern hatte sich mit den Kreditversicherungen verzockt. Angesichts der Beruhigung auf den Immobilien- und Kapitalmärkten beginnt die US-Zentralbank nun mit dem Verkauf der Papiere. Im Februar hatte die Fed bereits ein Paket an Credit Suisse und Goldman Sachs losgeschlagen und damit dem US-Steuerzahler einen Gewinn von 2,8 Milliarden Dollar beschert.
In der vergangenen Woche kündigten die Notenbanker an, Teile eines weiteren Derivate-Portfolios mit dem Namen Maiden Lane III zu verkaufen. Darin sind insgesamt Papiere mit einem Nennwert von 47,7 Milliarden Dollar gebündelt. Diese waren Ende 2011 laut Fed 17,8 Milliarden Dollar wert. Fraglich ist, ob die Zentralbank das Paket komplett verkauft oder in einzelnen Teilen.
Ende März notierten an Wolkenkratzer, Hotels und Einkaufszentren gekoppelte Hypothekenpapiere auf dem höchsten Stand seit vier Jahren. Angesichts niedriger Zinsen suchen viele Investoren wieder nach lukrativeren Anlageformen.
US-Großbanken starten mit hohen Gewinnen ins Jahr
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte kürzlich gewarnt, sichere Finanzanlagen könnten zur Mangelware werden. Papiere mit höchster Sicherheitsgüte hätten aber eine Schlüsselrolle für die globalen Finanzmärkte. Sie stünden für Wertbeständigkeit, würden als Sicherheit für Rückkauf- und Derivategeschäfte genutzt und stellten auch ein zentrales Element zur Erfüllung aufsichtsrechtlicher Regeln dar.
In den USA dürfte die Risikofreude der Banken allerdings wieder steigen. Denn die Institute dort können wieder gute Zahlen vorweisen. So meldete die US-Großbank JP Morgan
am Freitag, ihr Geschäft habe sich im ersten Quartal dank des Aufschwungs an den Börsen und der Wirtschaftserholung in den USA stark verbessert. Zwischen Januar und März verdiente der Konzern 5,4 Milliarden Dollar, eine Steigerung um 44 Prozent im Vergleich zum Schlussquartal 2011.
Die viertgrößte US-Bank Wells Fargo
startete sogar mit einem Rekordgewinn ins Jahr. Dank guter Hypotheken-Geschäfte und geringerer Rückstellungen für faule Kredite verdiente das 160 Jahre alte Institut aus San Francisco im ersten Quartal 4,3 Milliarden Dollar.
mmq/dpa-AFX/Reuters
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