"Glühende Landschaften" Landesagrarminister Habeck rechnet mit heftigen Einbußen durch Dürre

Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Habeck befürchtet massive Ernteausfälle durch die Hitzewelle. Der Grünen-Chef spricht von einem Seuchenjahr - und schlägt eine radikale Lösung vor.

Ernte in Mecklenburg-Vorpommern
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Ernte in Mecklenburg-Vorpommern


Felder brennen ab, Getreide auf ihren Feldern können sie nur noch häckseln: Landwirte in Deutschland klagen seit Wochen über die anhaltende Dürre. Nun hat auch der schleswig-holsteinische Agrarminister Robert Habeck von einem "echten Seuchenjahr für die Landwirtschaft" gesprochen. Die Bauern, "denen es ja auch schon zuvor ökonomisch nicht gut ging", müssten mit "dramatischen Einbußen rechnen", sagte der Grünen-Parteichef der Zeitung "Die Welt". "Wir haben glühende Landschaften."

Die Tierhaltung in ihrer sehr intensiven Form stoße an ihre ökologischen Grenzen. "Im Winter kann die Gülle nicht ausgebracht werden, im Sommer mangelt es an Futter. Wir müssen den Tierbestand reduzieren." Der Klimawandel erzwinge es, "dass wir für die Bauern Einkommensmodelle entwickeln, die jenseits des bisherigen Systems von 'Wachse oder weiche', also 'Produziere immer mehr, hab mehr Tiere oder gib auf' funktionieren."

"Obergrenze der Viehhaltung"

Als Gegenmodell brachte Habeck eine Umsteuerung zu einer flächengebundenen Landwirtschaft ins Spiel: "Ein Betrieb sollte nur so viele Tiere haben, wie er mit dem Ertrag seiner Flächen grundsätzlich ernähren kann." Bauern, die weniger Kühe haben, würden dann eine höhere Prämie bekommen. So könne das "industrielle Wachstum mit zu vielen Tieren auf engem Raum und zu viel Güllebedarf samt entsprechenden Nitraten im Grundwasser" gestoppt werden.

Sollte dies nicht geschehen, fordert der Grünen-Vorsitzende eine radikalere Lösung: eine "Obergrenze der Viehhaltung". "Das hieße, dass man beispielsweise nicht über zwei Großvieheinheiten - das sind zwei Kühe - pro Hektar gehen darf." Die Agrarsubventionen würde Habeck dabei nicht erhöhen, sondern bei etwa 350 Milliarden Euro EU-weit pro Förderperiode bleiben.

Robert Habeck
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Robert Habeck

Die Rekordtrockenheit führt laut Deutschem Wetterdienst (DWD) derzeit vor allem in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Hessen und im Norden Bayerns und Baden-Württembergs zu angespannten Situationen. Auch der Nordosten hatte mit Trockenheit zu kämpfen, dort hat es aber zumindest in der vergangenen Woche geregnet. Eine DWD-Karte zeigt die trockensten Regionen Deutschlands.

apr/dpa

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hassowa 23.07.2018
1. Interessante Headline
Ich wusste gar nicht, dass Grün*innen auch rechnen können...
hans_von_hier 23.07.2018
2. Wieder im Regulierungswahn?
Das reguliert sich doch selbst. Weniger Ertrag wird durch steigende Nachfrage und demnach höheren Preisen ausgeglichen. Wenn der Futterzukauf im Vergleich zum Viehertrag zu teuer wird, wird die Anzahl des Vieh welches man durch Zukauf füttert reduziert. Wozu braucht man da den Habeck, außer um die Lebensmittelpreise künstlich in die Höhe zu treiben?
herbert_humboldt 23.07.2018
3. Der Mann hat Potential
Endlich wieder Leute, die Ideen haben. Die größten Feinde und Skeptiker einer nachhaltigen Erneuerung im Agrarsektor werden allerdings die Landwirte selbst sein, da sie seit Jahrzehnten von der Agrarlobby als Bauernopfer und Abnehmer von Betriebsmitteln instrumentalisiert wurden und bei jeder Veränderung Verrat am Bauernstand wittern. Da ist noch viel Aufklärung nötig. Wenn die Landwirte jedoch ihre eigentliche Macht in einen konstruktiven Prozess hin zu mehr Nachhaltigkeit und Resilienz mit einbringen, sehen der DBV, der Industrieverband Agrar usw ziemlich schnell alt aus, da sie den Landwirten eigentlich nichts zu bieten haben. Von daher freue ich mich als Landwirt sehr über Politiker/innen, die den Ernst der Lage begriffen haben und ein echtes Interesse an den vielfältigen Chancen der deutschen Landwirtschaft haben.
thomasb1312 23.07.2018
4. Die Verbotspartei mal wieder
Soso, die Trockenheit in manchen Gegenden liegt also an der Massentierhaltung.- Schuld sind also wir, weil wir zu viele Steaks essen. Selten so gelacht. Hier werden mal wieder Wetterkapriolen ideologisch ausgenutzt weil es gerade in den Kram passt. Veggie-Day durch die Hintertür.
tipsylaird 23.07.2018
5. Subsistenzwirtschaft
Habecks Vorschlag ist nicht nur radikal, er ist sogar radikal bescheuert. Unser gesamter Wohlstand basiert auf dem Prinzip von Arbeitsteilung und Spezialisierung. Bauern nur so viel Vieh zu gestatten, wie sie vom eigenen Land ernähren können, läuft im Endeffekt darauf hinaus, dass wir nur noch Pullover tragen dürfen, die wir mit von eigenen Schafen selbst geschorenen Wolle handgewebt und mit natürlichen Farben aus Eigenproduktion gefärbt haben. Es ist sicher richtig, Maßnahmen zu fördern, die die Planzenproduktion gegenüber der Tierhaltung lukrativer machen, aber die Spezialisierung in Frage zu stellen kann niemals eine intelligente Lösung sein.
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