"Moralisch verwerflich" Öldynastie Rockefeller trennt sich von Exxon

Es ist fast schon ein historischer Schritt: Die Rockefeller-Familie trennt sich von Firmenanteilen, die ihr Geschäft mit fossilen Brennstoffen machen - und damit auch vom Ölriesen Exxon. Die Begründung dazu ist deutlich.

David Rockefeller: Ein "überfälliger" Schritt
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David Rockefeller: Ein "überfälliger" Schritt


Es hatte sich schon länger abgezeichnet, jetzt macht die Familie ernst: Der Rockefeller Family Fund wird seine Anteile an dem Ölkonzern Exxon abstoßen. "Wir können nicht mit einem Unternehmen in Verbindung gebracht werden, das dem öffentlichen Interesse anscheinend Verachtung entgegenbringt", hieß es in einem Statement der Wohltätigkeitsorganisation. Auch von Beteiligungen im Bereich Kohle und kanadischem Ölsand werde man sich so schnell wie möglich trennen.

Grund für den Schritt sei die existenzielle Bedrohung, der sich die Menschheit und das natürliche Ökosystem durch den Klimawandel ausgesetzt sähen. "Es macht keinen Sinn - weder finanziell noch ethisch - weiter in diese Unternehmen zu investieren, während die globale Gemeinschaft die Abkehr von fossilen Brennstoffen vorantreibt."

Die Stiftung wendet sich damit von den Ursprüngen des sagenhaften Reichtums der Rockefeller-Familie ab. Vor mehr als einem Jahrhundert machte John D. Rockefeller Sr. mit Standard Oil, einem Exxon-Vorläufer, ein Vermögen. Doch mittlerweile sieht der Family Fund Exxon kritisch. Das Verhalten bei Klimathemen scheine "moralisch verwerflich" zu sein, hieß es in der Mitteilung.

Im November leitete die New Yorker Staatsanwaltschaft gegen Exxon Ermittlungen ein. Dabei ging es um die Frage, ob der Konzern die Öffentlichkeit und Aktionäre über die Risiken des Klimawandels getäuscht hat. Exxon erklärte damals, auf Geschäftsrisiken über Jahre hinweg unter anderem in Quartalsberichten hingewiesen zu haben.

Die Höhe des Exxon-Anteils oder der Beteiligungen im Bereich fossile Brennstoffe führte der Family Fund nicht aus. Exxon-Aktien tendierten wie der Markt insgesamt etwas schwächer. Ölkonzerne sind seit Monaten wegen des Ölpreisverfalls unter Druck.

Das Statement schließt mit einem Aufruf: "Es ist überfällig, dass alle Menschen ihre Kräfte bündeln und diesen neuen Weg bestreiten, der den Zusammenhang zwischen der Zukunft der Menschheit und der Gesundheit unseres Ökosystems anerkennt."

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vks/Reuters

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Andreas1979 23.03.2016
1. Das ist keine Abkehr von Kohle und Öl
sondern die Erkenntnis, dort zur Zeit kein Geld verdienen zu können. Wer was anderes glaubt der scheint mir Naiv zu sein. Doch die Aussagen die hier verfasst werden sind richtig, dass gebe ich gerne zu.
lpino 23.03.2016
2. David Rockefeller
David Rockefeller hat das Jahrhundert seiner Lebensspanne genützt, ein Humanist zu werden. Ich teile seine Ansicht, dass die Welt ein Ort sein soll, in dem Menschen in einer lebenswerten Weise miteinander existieren können sollen. Ein solcher Zustand ist natürlich unterschiedlich zu dem, wie wir derzeit leben. Dies zu erreichen macht eine Änderung erforderlich, die sich nicht von selbst ereignen wird.
Medianet 23.03.2016
3. aber ja
Exxon hat nur ca 16 Milliarden nach Steuern 2015 Gewinn gemacht...das läuft nicht gut !!! da muss man sofort abstossen...
noalk 23.03.2016
4. wie scheinheilig ist das denn
Tut mir leid, aber ich kann dieser Begründung keinen Glauben schenken. Die sehen einfach nur der fossilen Energiewirtschaft die Felle davonschwimmen und sind die ersten Ratten, die das s(t)inkende Schiff verlassen. Widerlich!
deglaboy 23.03.2016
5. Donnerwetter, wer hätte das gedacht!
Dieses Statement kann mehr bewegen als 100 grüne Parteiprogramme.
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