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US-Dynastie Rockefeller: Vom Öl zum Öko

Von , New York

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AP/ Star Max/ IPx

Patriarch David Rockefeller

Sie machten ihr Vermögen mit Öl: Die Rockefeller-Familie ist eine der letzten großen US-Industriedynastien. Doch jetzt wollen sie von fossilen Brennstoffen nichts mehr wissen. Was steckt dahinter?

Es begann in den Flats. So heißt das Marschland in Cleveland, wo John D. Rockefeller 1863 seine erste Raffinerie erbaute, einen Moloch aus Öltanks, Schornsteinen und Gleisanlagen. Die Firma, die er später Standard Oil nannte, wucherte zu einem gigantischen Monopol, das Rockefeller zu Amerikas reichstem Mann und erstem Milliardär machte - und zum Patriarchen einer bis heute sagenumwobenen US-Dynastie.

Standard Oil existiert schon lange nicht mehr, aus ihm entstand der Ölmulti ExxonMobil. Und John D. Rockefellers Öl-Vermögen, über Generationen hinweg angeschwollen, wird heute von mehreren Stiftungen verwaltet - darunter dem Rockefeller Family Fund, gegründet von seinem letzten noch lebenden Enkel David Rockefeller, der voriges Jahr 100 wurde.

Öl und die Rockefellers, das war immer ein Synonym. Bis jetzt: Diese Woche kündigte die Familienstiftung an, ihre Firmenanteile an Exxon und anderen Öl- und Kohlekonzernen abzustoßen. Der Schritt überraschte Insider zwar nicht und betrifft auch einen inzwischen nur noch winzigen Bruchteil der Rockefeller-Milliarden. Doch das Bild ist frappierend: Der legendärste Öl-Clan der Welt sagt sich vom Öl los.

Was steckt dahinter? Und warum jetzt? Öl und Kohle seien passé, schreibt die Stiftung unter Verweis auf den Klimawandel: "Es macht finanziell oder ethisch wenig Sinn, weiter in diese Unternehmen zu investieren, während die globale Gemeinschaft die Abkehr von fossilen Brennstoffen vorantreibt." Diese müssten vielmehr "in der Erde bleiben, sollte es überhaupt Hoffnung geben, dass menschliche und natürliche Ökosysteme die kommenden Jahrzehnte überleben".

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Die Öko-Wende war lange vorbereitet, doch das Timing ist bezeichnend: Tags zuvor hatten führende Klimaforscher gewarnt, dass sich die Atmosphäre noch viel schneller erwärme als befürchtet - der Wandel werde sich innerhalb von "Jahrzehnten" vollziehen, nicht Jahrhunderten.

Für die Rockefellers geht es aber noch um etwas anderes, viel Persönlicheres - ihr längst vergiftetes Verhältnis zu Exxon, dem kontroversen, angefeindeten Nachkommen des Ur-Familienbetriebs: Den will die Stiftung nun loswerden wie einen lästigen Erbschleicher.

Das Verhalten Exxons - das 2015 fast 269 Milliarden Dollar umsetzte - sei "moralisch verwerflich", heißt es in dem offenen Brief. Seit den Achtzigerjahren habe der weltgrößte Ölkonzern Anleger und Aktionäre hinsichtlich der Klimagefahren in die Irre geführt: "Wir können nicht mit einem Unternehmen in Verbindung gebracht werden, das dem öffentlichen Interesse so offene Verachtung entgegenbringt."

ExxonMobil-Raffinerie in Texas Zur Großansicht
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ExxonMobil-Raffinerie in Texas

Dieser Vorwurf sitzt - und hat einen sehr konkreten Hintergrund. Die Stiftung gehört zu den Geldgebern der Öko-Website InsideClimate News. Die gewann für ihre kritische Berichterstattung über die Ölbranche 2013 den Pulitzerpreis - und beschuldigte Exxon voriges Jahr, die Gefahren fossiler Brennstoffe schon lange heimlich gekannt zu haben. New Yorks Justizminister Eric Schneiderman leitete daraufhin Ermittlungen gegen Exxon ein.

Exxon weist das zurück: Man habe den Klimawandel - den man mittlerweile auch akzeptiere - keineswegs "vor den Experten" erkannt.

Doch der Sinneswandel der Rockefellers war nicht mehr aufzuhalten. Schon Ende 2014 hatte sich der Rockefeller Brothers Fund, eine weitere Stiftung des Clans, von seinen fossilen Anlagen getrennt. Im Februar dieses Jahres dann überschrieb David Rockefellers Tochter Neva Goodwin, eine Ökonomin an der Tufts University in Massachusetts, ihre Exxon-Aktien im Wert von 400.000 Dollar an mehrere Umweltgruppen.

Die jüngste Maßnahme ist freilich eher symbolisch: Nach Angaben von Stiftungsdirektor Lee Wasserman stecken nur sechs Prozent des 130-Millionen-Dollar-Portfolios in Öl-, Gas- und Kohle-Aktien - nicht mal acht Millionen Dollar. Diese Investitionen würden nun stattdessen in ökologisch "nachhaltige und verantwortliche" Fonds fließen.

Die Message aber ist unüberhörbar - und offenbart sich allein an der verbiesterten Reaktion von Exxon. Die Berichte von InsideClimate News seien "bewusst irreführend" gewesen, erklärte Konzernsprecher Alan Jeffers. Die Ankündigung der Rockefeller-Stiftung sei deshalb kein Wunder: "Die finanzieren ja bereits eine Verschwörung gegen uns."

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Lane Hartwell
Marc Pitzke ist US-Korrespondent für SPIEGEL ONLINE in New York.

E-Mail: Marc_Pitzke@spiegel.de

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1. Das Rockefeller-Vermögen ist da
Theodoro911 25.03.2016
aber die Rockefellers scheinen auzusterben. Eileen R. Jahrgang 1952 ist die Jüngste die in dem Stammbaum aufgelistet ist. Ob die alten Damen und Herren ihr Geld noch selbst verwalten halte ich für zweifelhaft. An der Kohle wärmen sich längst andere die Finger.
2.
jakopp.auckstayn 25.03.2016
Und jetzt erwarten die Rockefellers den großen Applaus?Das diese radikale Ausbeutung von Bodenschätzen und unser verschwenderischer Umgang damit den Klimawandel vorantreiben,ist bereits lange bekannt.Die Rockefellers haben sich eine goldene Nase über die Jahrzehnte verdient.Aus dem Text geht hervor,das sie seit den 80ern von Exxon getäuscht und belogen wurden,was die Klimagefahren betrifft.Das sind locker 30 Jahre,wo man sich die Lügen um die Ohren hauen lässt aber schön Dividende abzockt.Ihr tut mir so leid,ihr Rockefellers.
3. Was für Journalisten !
Maximilian53 25.03.2016
Die Familie R. hat mir der Familie Rothschild die Vermögensverwaltungen fusioniert und noch ein paar andere finanzunappetitlische Dinge veranstaltet,diese Augenwischerei ist Balsam für die günen deutschen Journalistenseelen,die Sauereien laufen weiter ,in noch größeren Stil,Blackrock u.a.habe Rockefellergeld im Übermaß und beschädigen unsere Welt weiterhin im großen Stil.
4. Wer sagt das?
j.w.pepper 25.03.2016
Zitat von jakopp.auckstaynUnd jetzt erwarten die Rockefellers den großen Applaus?Das diese radikale Ausbeutung von Bodenschätzen und unser verschwenderischer Umgang damit den Klimawandel vorantreiben,ist bereits lange bekannt.Die Rockefellers haben sich eine goldene Nase über die Jahrzehnte verdient.Aus dem Text geht hervor,das sie seit den 80ern von Exxon getäuscht und belogen wurden,was die Klimagefahren betrifft.Das sind locker 30 Jahre,wo man sich die Lügen um die Ohren hauen lässt aber schön Dividende abzockt.Ihr tut mir so leid,ihr Rockefellers.
Mag sein, dass die Rockefellers über die Jahrzehnte hinweg nicht gerade die Speerspitze der Umweltbewegung waren. Aber warum soll man sich beschweren, wenn die bösen Kapitalisten sich bei ihren Investitionsentscheidungen mal der öffentlichen Meinung beugen und aus angeblich schädlichen Technologien aussteigen? Better late than never, oder? Irgendwie scheint es für Ökostalinisten das Schlimmste zu sein, wenn ihre Aktivitäten zu entsprechenden Reaktionen der Gegenseite führen. Mist, kein Gegner mehr zur Rechtfertigung der eigenen Existenz.
5. Maximilian53
Bellerophon1 25.03.2016
Meine Güte jetzt kommen wieder die Verschwörungstheoretiker.... Blackrock verwaltet genauso z.B. Für hunderte von Rentenfonds das Geld. Und klar, wenn dann Blackrock Gewinn macht und dein Rentenfond dir eine höhere Rente verspricht, dann ist natürlich alles gut. Wenn du genug Geld hast, kannst übrigens auch du in Blackrock investieren. Ansonsten besitzt Blackrock (bzw. die Leute die eben ihr Geld von Blackrock verwalten lassen) in erster Linie mal Unternehmensanteile (z.B. An eig. allen Dax Unternehmen), inwiefern man damit die Welt kaputt macht, wissen auch nur solche Idioten wie du. Man kann ja gegen die Marktmacht von Blackrock durchaus was haben, aber zu behaupten, dass ein Großteil der verwalteten Gelder von Rockefeller und Rothschild kommen, ist einfach nur unfassbarer Schwachsinn! Aber naja. Bei Leuten wie dir ist es eh nicht möglich mit normalen Argumenten zu punkten...
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