Rohstoff-Boom "Ich erkenne Blasen, das hier ist definitiv keine"

Gold, Weizen, Kupfer - weltweit steigen die Rohstoffpreise. Ist das der Beginn eines neuen Super-Zyklus? Oder entsteht eine gefährliche Blase? Die Zeitschrift "Das Investment" hat zwei Experten zum Doppelinterview gebeten: Star-Investor Jim Rogers und Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg.

Händler an der Rohstoffbörse in Chicago: "Wo soll denn die Nahrung herkommen?"
REUTERS

Händler an der Rohstoffbörse in Chicago: "Wo soll denn die Nahrung herkommen?"


Frage: Die Rohstoffpreise steigen. Ist das eine neue Preisblase?

Rogers: Eine Blase? Viele Rohstoffe liegen 40 Prozent unter ihren Allzeithochs. Von zigtausend Fonds weltweit beschäftigen sich heute nur ein paar Hundert mit Commodities. Bei einer Blase steigen die Preise fast täglich raketenartig. Sie sind tägliches Gesprächsthema, allgegenwärtig. Glauben Sie mir, ich erkenne Blasen, wenn ich sie sehe. Und das hier ist definitiv keine.

Frage: In Europa gibt es sogar Automaten, an denen man Goldbarren ziehen kann. Reicht das nicht für eine Blase?

Rogers: Ich schlage vor, Sie schreiben was mit dem Titel 'Die Goldblase'.

Frage: Wie lange hält der Aufwärtstrend bei den Rohstoffpreisen noch an?

Rogers: Noch weitere zehn Jahre, denke ich. Es wird zwischendurch aber auch Korrekturen geben.

Frage: Viele Menschen halten Rohstoff-Investments für unethisch.

Investor Rogers: "Wir haben definitiv keine Blase"
AP

Investor Rogers: "Wir haben definitiv keine Blase"

Rogers: Unethisch? Ich sag Ihnen mal was. In Indien bringen sich Farmer um, weil sie nicht von ihren Einnahmen leben können. Weltweit schuften Bauern zwölf Stunden und mehr am Tag in der heißen Sonne, nur damit Sie in Hamburg Ihr billiges Bier trinken können. Das ist unethisch.

Frage: Laut einiger Studien wird der Hunger weltweit durch höhere Preise zunehmen.

Rogers: Wir haben auf der Welt bald gar kein Essen mehr zu gar keinem Preis, wenn die Preise jetzt nicht steigen. Es sind Leute wie Sie, die Familien in Afrika, Asien und Lateinamerika hungern lassen. Sie benutzen andere für die Drecksarbeit. Die leben dafür in Armut und sterben, nur damit Sie es leicht haben. Wo soll denn die Nahrung herkommen, wenn die Preise nicht steigen?

Frage: Im vergangenen Jahr sind allein bis Ende November 350 Milliarden Dollar in die Rohstoffmärkte geflossen. Wie viel verkraftet der Markt?

Rogers: Das Geld fließt in die Terminmärkte, die Ware wird aber nur bei einem Bruchteil der Geschäfte wirklich gehandelt. Finanzinvestoren lassen sich die Ware nicht liefern. Es wird also durch ihr Geld gar nichts vom Markt genommen.

Frage: Es gibt vermehrt Zertifikate, die mit Metallen physisch besichert werden. Das nimmt eine Menge Material vom Markt.

Rogers: Das kann schon passieren, wenn die Güter tatsächlich in Hallen gelagert werden.

Frage: Werden sie. Schädigt so etwas nicht die Industrie?

Rogers: Nein. Die Industrie schädigt andere, und zwar seit 25 Jahren. Außerdem gibt es eine Reihe von Nahrungsmitteln und Metallen, die nicht an den Futures-Märkten gehandelt werden und deren Preise trotzdem gestiegen sind.



insgesamt 47 Beiträge
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davidjey 20.02.2011
1. Was hat der arme Bauer davon??
Was Rogers sagt, ist wirklich erstaunlich eindimensional: Was hat der indische Bauer von den spekulativ bedingt steigenden Lebensmittelpreisen? NICHTS davon kommt beim Bauern an! Insofern ist es schon fast dekadent, so zu argumentieren. Mit den steigenden Preisen machen sich westliche Investoren die Taschen voll - der Drittweltbauer brutzelt weiter für einenHungerlohn in der Sonne...
localpatriot 20.02.2011
2. 3 Milliarden Menschen wollen Strom und Wasser in der Wohnung
Zitat von davidjeyWas Rogers sagt, ist wirklich erstaunlich eindimensional: Was hat der indische Bauer von den spekulativ bedingt steigenden Lebensmittelpreisen? NICHTS davon kommt beim Bauern an! Insofern ist es schon fast dekadent, so zu argumentieren. Mit den steigenden Preisen machen sich westliche Investoren die Taschen voll - der Drittweltbauer brutzelt weiter für einenHungerlohn in der Sonne...
Ganz klar ist das keine Blase - drei Milliarden haben den Schluessel zum internationalen Erfolg und Reichtum gefunden und die holen jetzt ganz rapide auf. Also - zweimalsoviele Menschen wie heute die auf das Niveau des Westens aufsteigen werden. Ein paar Schlagloecher auf dem Weg bestimmt. Blase auf keinen Fall.
matt_us, 20.02.2011
3. Was sollen solche Missinformationen?
Das glaubt kein Mensch was die uns die "Experten" hier erzaehlen wollen. Natuerlich versuchen Oligopole den Handel mit Rochstoffen zu beherrschen, verursachen die Blasenbildung (wahrscheinlich durch Absprachen) und treiben somit von Kakao bis Erdoel alles in die Hoehe was sich handeln laesst. Die gewinnen, wir, die dummen Verbraucher, die von ihren Regierungen nicht von so was geschuetzt werden, verlieren. Zusaetzlich kommt natuerlich noch die Spekulation auf den Futuresmaerkten mit dazu, die kuenstlich die Preise anziehen laesst, zusaetzlich um 15-30% (laut Studie des United Nations Council for Trade and Development). Wir koennen nicht nur zahlen, damit Rohstoffhaendler und Spekulanten Riesengewinne machen koennen. Zusaetzlich muessen uns allerdings noch anhoeren dass es keine Blasen gibt, und dass der Futures Markt nicht mit erhoehten Preisen zu tun hat. Fuer wie doof halten uns die Herren Jim Rogers und Eugen Weinberg, bitte? Die haben ein Interesse daran, dass Spekulation auf den Rohstoffmaerkten nicht eingeschraenkt werden, denn dann koennen Finanzinvestoren uns weiter das Geld aus der Tasche ziehen. Darum geht es hier!
KMag 20.02.2011
4. alles wie gehabt. ALLES !
Zitat von sysopGold, Weizen, Kupfer - weltweit steigen die Rohstoffpreise. Ist das der Beginn eines neuen Super-Zyklus? Oder entsteht eine gefährliche Blase? Die Zeitschrift "Das Investment" hat zwei Experten zum Doppelinterview gebeten: Star-Investor Jim Rogers und Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,746418,00.html
Oh ja, das ist bekannt. Die Herrn Experten Glaskugelgucker erkennen Blasen. Und auf den ersten Blick. So wie die Experten die usamerikanische Immobilienblase erkannt haben. Weil die Ex-und-hopp-perten Blasen sofort erkennen, wird ja die Commerzbank mit 18000 Millionen Euro Staatshilfe am leben gehalten. Die werden gebraucht, um blasenfrei gezapfte Bonuszahlungen "im unteren dreistelligen Millionenbereich" auszuschütten. Gleich mal ein Glas Champagner aufmachen und einen Toast auf die Experten ausbringen.
matt_us, 20.02.2011
5. Vorsicht, man will Sie auf den Leim gehen lassen
Zitat von localpatriotGanz klar ist das keine Blase - drei Milliarden haben den Schluessel zum internationalen Erfolg und Reichtum gefunden und die holen jetzt ganz rapide auf. Also - zweimalsoviele Menschen wie heute die auf das Niveau des Westens aufsteigen werden. Ein paar Schlagloecher auf dem Weg bestimmt. Blase auf keinen Fall.
Herr Lokalpatriot, sie fallen auf diese Argumente rein. Das hat alles mit einem Versuch zu tun die Maerkte zu beherrschen, und mit SPekulation Geld in den Finanzmaerkten zu verdienen. Die Nachfrage nach allem steigt schon seit Jahren, trotzdem fielen viele Rohstoffpreise, oder stiegen nur langsam an. Erst seit es verschaerft zu Spekulationen kommt, indem Hedgefunds und Investment Banken hier mitspielen, gibt es Riesenblasen. Denen gehoert das Geschaeft mal extrem eingeschraenkt, oder nicht? Damit die nicht profitieren koennen, und so unerlaubt die Preise nach oben treiben. Sie muessen dafuer bezahlen, beim Baecker oder an der Tankstelle, nur damit die Finanzinvestoren mehr Geld scheffeln koennen. Treten Sie mal fuer ein Verbot von Spekulation mit ein!
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