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Milliardengeschäft: Glencore verkauft peruanische Kupfermine an China

Kupferprojekt Las Bambas in Peru: Sechs-Milliarden-Dollar-Deal Zur Großansicht
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Kupferprojekt Las Bambas in Peru: Sechs-Milliarden-Dollar-Deal

China sichert sich den Rohstoffnachschub weltweit: Ein Konsortium aus drei chinesischen Unternehmen kauft dem Rohstoffgiganten Glencore Xstrata ein riesiges Kupferprojekt in Peru ab - für einen überraschend hohen Preis.

Baar - Chinas Hunger auf Rohstoffe bleibt trotz derzeit trüber Wirtschaftsaussichten groß. Für rund sechs Milliarden Dollar kauft ein Konsortium von drei chinesischen Unternehmen dem internationalen Rohstoffkonzern Glencore Xstrata eine der künftig weltweit größten Kupferminen in Peru ab, wie beide Seiten mitteilten. Analysten sprachen von einem überraschend guten Geschäft für Glencore angesichts der derzeit sinkenden Rohstoffpreise.

Gleichzeitig kündigte der Konzern an, den kanadischen Öl- und Gasförderer Caracal Energy für mehr als 1,3 Milliarden Dollar zu übernehmen, das Unternehmen ist ausschließlich im Tschad aktiv. Mit dem Verkauf erfüllt der in der Schweiz ansässige Konzern eine im Zuge der Übernahme des Bergbaukonzerns Xstrata durch Glencore gestellte Bedingung des chinesischen Kartellamts. Bei dem Zusammenschluss hatten wegen der großen globalen Bedeutung Wettbewerbshüter rund um die Welt ein Mitspracherecht.

Der vereinbarte Preis für die Kupfermine "Las Bambas" liegt bei 5,85 Milliarden Dollar. Zudem zahlt das vom staatlichen Rohstoffhändler China Minmetals angeführte Konsortium die in diesem Jahr bis zur endgültigen Übernahme der Mine anfallenden Erschließungskosten. Im ersten Quartal beliefen sich diese auf 400 Millionen Dollar. Las Bambas gilt als eine der künftig größten Abbaustellen für Kupfer. Im kommenden Jahr soll die Förderung beginnen und auf rund 400.000 Tonnen pro Jahr anwachsen.

Zahlreiche Bergbaukonzerne wie BHP Billiton und Rio Tinto trennen sich derzeit von Randgeschäften, um sich auf einige wenige, besonders profitable Abbauprojekte zu konzentrieren. Viele Analysten gingen zuletzt davon aus, dass der von der stetig wachsenden Nachfrage aus China ausgelöste Rohstoffboom zu Ende geht.

Die Übernahme in Peru werteten Experten nun als Zeichen dafür, dass sich China von Schwankungen am Markt nicht vom Kurs abbringen lässt, seine Rohstoffversorgung durch die Übernahme von Minen in aller Welt langfristig zu sichern.

Glencore will mit dem Verkaufserlös zunächst seine Schulden senken. Zudem soll nach Unternehmensangaben im Gegenzug verstärkt in andere Projekte investiert werden. Analysten denken dabei vor allem an Abbaustellen in Afrika.

nck/dpa/Reuters

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Die Flucht in die Zukunft.
rolandjulius 14.04.2014
Die gelbe Weltmacht rüstet sich, und schüttelt die angehäuften Doller ab. Eine Frage am Rande: Welche Vorteile enstehen hierbei für den Peruaner?
2. Der große Plan
willi2007 14.04.2014
Für mich ist der Schritt ein weiterer Beleg dafür, dass die Verantwortlichen in der chinesischen Politik das haben, was den Politikern in Deutschland und Europa zu fehlen scheint, nämlich ein großer Zukunftsplan um nicht zu sagen eine Vision. Mit dem weltweiten Aufkauf von Rohstoff-lagerstätten sichern die Chinesen ihrer Bevölkerung letztendlich auf künftige Arbeitsplätze und damit auch wachsenden Wohlstand. Die deutsche Politik hat darauf nur Hartz IV und wachsende Armut und Altersarmut als Antwort. Politische Weitsicht beschränkt sich in Deutschland darauf, dass den Ärmsten der Armen die Kosten der Energiewende aufgebürdet wird, während sich die Reichen die Hände reiben. Aber was für eine Energiewende? Selbst bei diesem Thema versagt die deutsche Politik amateurhaftr. Hätte sie soetwas wie einen Plan oder eine Vision, dann wäre überschüssiger Strom aus Photovoltaik oder Windkraft schon längst in Wasserstoff oder noch besser in Methan umgewandelt und in den Erdaslagern zwischengelagert werden. Die Technik steht schon lange zur Verfügung, was fehlt ist ein großer Plan und eine Vision. Hier ist China ganz klar mehr als einen Schritt voraus. Und der Vorsprung wird immer größer. Ich sehe die Zeit kommen, da werden die Deutschen den Chinesen aus der Hand fressen (müssen).
3. Nationale Rohstoffe
hobbyleser 14.04.2014
..sollten national verwertet werden. Ein globales Anti-Trust-Abkommen würde helfen. An solchen Beispielen sieht man schlussendlich auch, dass es "die Privatwirtschaft" in dem Sinne nicht gibt. Es sind am Ende immer geopolitische Interessen…
4. Die Bevölkerung bezahlt den noch höheren Preis,
vantast64 14.04.2014
denn die Ausbeuter werden den hohen Einsatz zurückholen wollen, und dafür werden die Bürger nach Strich und Faden mit Krankheit und zerstörter Umwelt draufzahlen, denn der Staat wird sie nicht vor der Gier der Konzerne schützen, er liegt mit den Konzernen im Bett.
5. China
pbiermann 14.04.2014
macht sich weiter unabhängig und nimmt Einfluss auf die weltweite Preisgestaltung verschiedener Rohwaren. Hierzu gehört auch die Mehrheitsbeteiligung an Nidera und das Einsteigen bei Nobel durch COFCO. Dieses garantiert direkten Zugriff auf Getreide und Ölsaaten und deren Nachprodukte in Südamerika und anderswo. Hierzu gehören auch enorme Lagerstätten in den Ursprungsländern. Man kann davon ausgehen, dass hier eine weltweite Preisgestaltung zukünftig ohne China nur schwer möglich sein wird. China entwickelt sich bei Rohwaren zu einem global player, hervorgerufen durch den enormen Eigenbedarf. Dieses wäre überigens mal einen besonderen SPIEGEL-Bericht wert, da diese chinesischen Schritte direkt die westlichen grossen Handelsunternehmen zu einem gewissen Umdenken zwingen wird.
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