Rohstoffrausch US-Konzern Chevron übernimmt Schiefergas-Firma

Es ist ein milliardenschwerer Zukauf: Der US-Ölkonzern Chevron übernimmt die Firma Atlas Energy. Das Unternehmen ist Spezialist für die Förderung von Erdgas aus unkonventionellen Quellen. In den USA hat das Verfahren einen Rohstoffboom ausgelöst, doch unter Umweltschützern ist es umstritten.

AP

San Ramon - Der US-Ölkonzern Chevron Chart zeigen baut seine Gas-Förderung aus unkonventionellen Quellen aus. Für insgesamt 4,3 Milliarden Dollar übernimmt das Unternehmen den US-Schiefergasspezialisten Atlas Energy, wie die Gesellschaft am Dienstag im kalifornischen San Ramon mitteilte. Atlas Energy verfügt über große Gasressourcen vor allem im US-Bundesstaat Pennsylvania.

Das Atlas-Management unterstützt Chevron bei der Übernahme. Den Aktionären zahlt der Konzern insgesamt 3,2 Milliarden Dollar in bar aus, zudem übernimmt er die Atlas-Schulden von 1,1 Milliarden Dollar. Die Atlas-Aktionäre müssen noch ebenso zustimmen wie die Kartellbehörden. Chevron hatte sich zuletzt bereits Zugriff auf Schiefergasprojekte in Polen, Rumänien und Kanada gesichert.

Die Förderung von Gas aus bislang nur schwer erreichbaren Quellen erlebt in immer mehr Ländern einen Boom. Bei der unkonventionellen Gasförderung bohren die Konzerne mehrere Kilometer tief ins Gestein und dann horizontal in mehrere Richtungen weiter. Außerdem wird eine Methode namens fracing eingesetzt. Dabei wird eine Mischung aus Wasser, Sand und Chemikalien ins Bohrloch gepresst. So werden künstlich Risse im Gestein erzeugt, durch die das Gas später abgesaugt werden kann (Details: siehe Infobox links).

Die spektakulärste Übernahme zur Erschließung unkonventioneller Gasquellen leistete sich bislang der Branchenriese Exxon Mobil Chart zeigen: Im Frühjahr kaufte der Konzern den Atlas-Konkurrenten XTO - für 41 Milliarden Dollar.

Das Aufbrechen des Gesteins und das horizontale Bohren eröffnen der Industrie Zugriff auf einen gewaltigen Rohstoffschatz. Die Internationale Energieagentur schätzt, dass durch unkonventionelle Fördermethoden weltweit Reservoirs mit 921 Billionen Kubikmeter Gas zugänglich werden - das ist fünfmal so viel Gas, wie in klassischen Vorkommen liegt. In den USA stieg die Förderung durch die neue Methode binnen Jahren so stark an, dass das Land inzwischen praktisch unabhängig von Importen ist.

Auch in Deutschland werden riesige Vorkommen vermutet. Allerdings ist noch nicht klar, ob diese sich kostengünstig genug fördern lassen. Konzerne wie Exxon, BNK Petroleum 3Legs Resources und Reals Energy haben dennoch in mehreren Bundesländern ein Wettrennen um die besten neuen Gasvorkommen gestartet - unter anderem in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg. In Niedersachsen hat Exxon bereits die Fracing-Methode angewandt und teils toxische Chemikalien in den Boden gepresst.

Während die Konzerne schon flächendeckend forschen, hat sich die Bundesregierung bislang nicht mit den Umweltrisiken der Förderung beschäftigt - obwohl es in den USA immer wieder zu Zwischenfällen kam. So entdeckten US-Behörden Gasrückstände im Grundwasser und wiesen unweit von Gaskompressoren Luftverschmutzungen nach.

ssu/dpa

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ex_t_kunde 09.11.2010
1. Endlichkeit der Ressourcen
Offiziell lassen die Chefs der Ölkonzerne immer wieder verlauten dass auf absehbare Zeit noch genügend Öl- und Gasvorkommen vorrätig seien. Und manch naiver und leichtgläubiger Zeitgenosse plappert es nach... Aber gleichzeitig werden immer mehr schwer, also teuer (!) und gefährlich zu erschliessende Vorkommen wie hier das Schiefergas ("unkonventionelle Gasvorkommen") angebohrt. Na, warum wohl? Merkt jemand was? Weil die alten Vorkommen vielleicht doch langsam zu Neige gehen? Weil aus den alten Gas- und Ölvorkommen (die Gasvorräte werden generell etwas 20 Jahre länger zur Verfügung stehen als die schon jetzt auf dem Plateau (Peak Oil) angekommenen Ölvorräte) nur noch zu 80% Wasser statt Öl sprudelt? Na ja, mancher merkts erst wenn die Preise an der Tankstelle und vom Energieversorger wieder steigern und schimpft dann stumpf auf die Regierung.
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