Rohstoffspekulation Merkel und Sarkozy sagen Weizen-Zockern den Kampf an

Weizen ist ein Grundnahrungsmittel - und lukratives Geschäft für Spekulanten, zum Schaden der Ärmsten. Diesem Treiben wollen Deutschland und Frankreich nun ein Ende bereiten und die Preisschwankungen für Rohstoffe begrenzen.

Händler an der Rohstoffbörse in Chicago: Lebensmittel als Spekulationsobjekt
REUTERS

Händler an der Rohstoffbörse in Chicago: Lebensmittel als Spekulationsobjekt


Brüssel - Deutschland und Frankreich wollen die Spekulation mit Rohstoffen eindämmen. Auf dem EU-Asien-Gipfel in Brüssel sagte Kanzlerin Angela Merkel dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy Unterstützung für eine entsprechende Initiative während seiner G-20-Präsidentschaft zu.

"Wir haben sehr volatile Rohstoffpreise, und insofern unterstütze ich voll und ganz, dass wir uns diesem Thema widmen", sagte Merkel am Rande des Brüsseler Treffens. Sarkozy hat den Kampf gegen Rohstoff-Zocker zu einer Priorität für den G-20-Vorsitz gemacht. Dies sei ein genauso wichtiges Thema wie eine stabile Währungsordnung in der Welt mit realen Wechselkursen, sagte Merkel. Frankreich übernimmt im November den Vorsitz der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer.

Im Visier der beiden Regierungschefs sind nicht nur Energierohstoffe wie Öl, sondern vor allem Lebensmittel. Im Sommer dieses Jahres war etwa der Preis für Weizen um bis zu 50 Prozent gestiegen - Hintergrund waren die hitzebedingten Ernteschäden in Russland. Auch Mais, Reis und Soja sind begehrte Spekulationsobjekte an den internationalen Rohstoffbörsen - die Leidtragenden sind die Ärmsten der Welt, die Grundnahrungsmittel nicht mehr bezahlen können.

Rückendeckung gab Merkel Sarkozy auch bei dessen Vorstoß für eine "neue Währungsordnung". Im Zentrum steht ein Streit mit China: Die EU und die USA werfen der Regierung in Peking vor, den heimischen Yuan künstlich billigzuhalten und damit chinesische Exportprodukte zu begünstigen.

Der Vorsitzende der Euro-Länder, der luxemburgische Regierungschef Jean-Claude Juncker, rief China zum Einlenken auf: "Eine Aufwertung der chinesischen Währung gegenüber dem Euro wäre willkommen", sagte er nach einem Treffen mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao, an dem auch der EZB-Chef Jean-Claude Trichet und EU-Währungskommissar Olli Rehn teilnahmen.

fdi/AFP/dapd



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