Roland-Berger-Projekt Europäische Rating-Agentur muss Start verschieben

Eine europäische Rating-Agentur soll die Vormachtstellung der drei US-Branchenriesen brechen - aber richtig in Gang kommt das Projekt offenbar nicht: Einem Zeitungsbericht zufolge muss der Starttermin verschoben werden. Es fehlen Geldgeber.


Frankfurt am Main - Im Frühling sollte die europäische Rating-Agentur loslegen - eigentlich. Nun wird das Projekt frühestens im Herbst starten. Die von der Unternehmensberatung Roland Berger geplante Agentur habe noch nicht genügend Geldgeber gefunden, berichtet die "Börsen-Zeitung". Sie beruft sich dabei auf Aussagen des Initiators Markus Krall auf einem Treffen der Finanzbranche in Frankfurt.

Dem Roland-Berger-Partner Krall sei es nicht gelungen, die anvisierten 300 Millionen Euro Startkapital wie geplant bis zum Ende des ersten Quartals einzuwerben, berichtet die Zeitung weiter.

Die geplante Gründung einer neuen Rating-Agentur wird in der Finanzwelt aufmerksam verfolgt - vor allem weil sie als Gegengewicht zu den US-Branchenriesen Standard & Poor's, Moody's und Fitch fungieren soll. Für Kritiker sind sie Hauptverantwortliche der gegenwärtigen Finanzturbulenzen. Die geplante neue Rating-Agentur soll von Frankfurt aus operieren und unabhängig von Banken und Regierungen sein.

yes/dpa-AFX



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vhe 16.03.2012
1. Ok, ...
und weil die neue Ratingagentur in Europa ist, werden die Ratings dann irgendwie weniger daneben liegen? Oder haette Griechenland dann ein besseres Rating?
MrStoneStupid 16.03.2012
2. Also wenn man bedenkt, ...
... wie teuer die US-Ratings den EU-Staaten kamen/kommen, dann hätte die EU die europäische Rating-Agentur komplett finanzieren müssen und soll wenigstens jetzt das noch fehlende Geld investieren. (imho)
tramann 16.03.2012
3. Wohlgefälligere Ratings für die Eurozonenstaaten
Schön, dass dieses doch recht durchsichtige Vorhaben der Gründung einer vermeintlich "unabhängigen" europäischen Ratingagentur aufgrund von Schwierigkeiten bei deren Finanzierung zu scheitern droht. Vielleicht sollte diese europäische Ratingagentur zur Sicherstellung ihrer Finanzierung einfach wie die anglo-amerikanischen Konkurrenten auch von den gerateten Schuldnern entsprechende Gebühren für die Bonitätseinstufung (Rating) verlangen. Dann würde auch der eigentlich beabsichtigte Zweck erreicht, künftig für wohlgefälligere Ratings für ökonomisch etwas schwachbrüstige Eurozonenstaaten zu sorgen. Mehr als fraglich ist allerdings, ob in diesem Fall diesen Ratings von den Marktteilnehmern, insbesondere den institutionellen Anlegern (Versicherungen, Pensionsfonds etc.) das notwendige Vertrauen entgegen gebracht würde. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass mit der chinesischen Ratingagentur "Dagong" bereits seit Längerem eine von den Anglo-Amerikanern unabhängige Ratingagenur am Markt besteht. Das Problem aus Sicht der Regierungen der Eurozonenstaaten ist nur, dass deren Ratings für die Länder der Eurozone mit Ausnahme Deutschlands durchweg noch schlechter ausfallen als die von S & P und Moody's (Fitch steht hingegen unter größeren europäischen, insbesondere französischen Einfluss). So hatte "Dagong" erst zuletzt am 08.12.2011 das Rating von Frankreich um 2 Stufen ("notches") von AA- auf nur noch A+ zurückgenommen. Bei S & P und Moody's liegt das Rating für Frankreich hingegen jeweils eine Stufe höher. Man sieht, selbst von den unabhängigen Chinesen ist für die Eurozone keine Unterstützung zu erwarten.
DerKritische 16.03.2012
4.
Zitat von sysopDPAEine europäische Rating-Agentur soll die Vormachtstellung der drei US-Branchenriesen brechen - aber richtig in Gang kommt das Projekt offenbar nicht: Einem Zeitungsbericht zufolge muss der Starttermin verschoben werden. Es fehlen Geldgeber. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,821749,00.html
Das hat uns noch gefehlt, eine EU-Ratingagentur, in der Baroso, Junker, Merkel und Sarkozy quasi im Vorstand sitzen.
Gerdtrader50 17.03.2012
5. Unternehmersberater ratlos ?
Zitat von sysopDPAEine europäische Rating-Agentur soll die Vormachtstellung der drei US-Branchenriesen brechen - aber richtig in Gang kommt das Projekt offenbar nicht: Einem Zeitungsbericht zufolge muss der Starttermin verschoben werden. Es fehlen Geldgeber. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,821749,00.html
Jetzt müssen anscheinend auch noch die grössten Unternehmensberater der Republik beraten werden ? Wie kommt der kleine Unternehmer an Geld, wenn er ein Renommée wie Berger hat ? Er nehme sich eine ordentliche Investmentbank, die ihn fachlich richtig zur Platzierung einer AG an der Börse berät, sodass sie schnellstmöglich börsenfähig wird, man berechne die ungefähren Umsatz, welcher zu erwarten ist und beziffere somit rechnerisch den Firmenwert, errechne den Wert der Aktie und streue soviel unters Volk, wie benötigt wird. Nicht vergessen, den Investoren eine ordentliche Rendite zu versprechen, das heisst, das Papier müsste ein Dividentenpapier werden. Dann müsste es eigentlich auch mit dem benötigten Kapital klappen. Ist es denn so schwer ?
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