Strikter Sparkurs Rolls-Royce fährt hohe Verluste ein

Probleme in der Triebwerksparte haben dem Traditionskonzern zugesetzt: Rolls-Royce steckt tief in den roten Zahlen. Auch die Unklarheit beim Brexit macht den Briten zu schaffen. 

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Der britische Triebwerksbauer Rolls-Royce hat in der ersten Jahreshälfte hohe Verluste gemacht. Unterm Strich stand bei Rolls-Royce ein Fehlbetrag von 962 Millionen Pfund für die ersten sechs Monate des Jahres. Im Jahr zuvor hatte sich das Minus bereits auf fast 1,2 Milliarden Pfund belaufen.

Der Rückgang im Vergleich zu 2017 war einzig einem eingefahrenen dreistelligen Millionengewinn durch den Verkauf der Einspritzsystem-Tochter L'Orange zu verdanken. Das Unternehmen hat immer wieder mit technischen Problemen bei Motoren für den Boeing-Jet 787 Dreamliner zu kämpfen.

Teil des Sparprogramms: Tausende Stellenstreichungen

Zudem legte der Konzern zuletzt mehr als eine halbe Milliarde Pfund für erwartete Mehrkosten in den kommenden Jahren zu Seite, was sich in den Zahlen niederschlug. Im weiteren Jahresverlauf will das Unternehmen dann die ersten Früchte seines verschärften Sparprogramms ernten.

Teil des Sparprogramms ist auch der Wegfall von weiteren 4600 Arbeitsplätzen bis Mitte 2022. Ein Drittel dieser Jobs soll bereits in diesem Jahr gestrichen werden. Mit den Kürzungen will der Konzern seine Strukturen erheblich vereinfachen. Bisher gliederte sich Rolls-Royce in eine große Unternehmenszentrale und mehrere Sparten, deren Aufgaben sich überschnitten. Künftig sollen sich die drei Unternehmensbereiche stärker selbst steuern.

Der Triebwerksbauer war 2015 in eine tiefe Krise geschlittert. Der daraufhin berufene Konzernchef Warren East hat bereits einen großen Stellenabbau eingeleitet. Mit den neuen Kürzungen summiert sich der Jobabbau unter seiner Regie auf rund 10.600 Stellen. Der unter anderem mit General Electric, Pratt & Whitney und MTU konkurrierende Konzern hatte zuletzt rund 50.000 Mitarbeiter.

Harter Brexit könnte Konzernstrategie im Weg stehen

Dank des Konzernumbaus hofft das Management nun darauf, dass am Ende des Jahres möglichst viel Gewinn abgeschöpft werden kann. Bereinigt um Sondereffekte stellt Rolls-Royce für das Gesamtjahr 2018 einen bereinigten operativen Gewinn von 350 bis 550 Millionen Pfund in Aussicht. Zumindest den Umsatz konnten die Briten nun bereits im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahres um 12 Prozent auf knapp 7,5 Milliarden Pfund (rund 8,4 Mrd Euro) steigern.

Den Plänen des Konzerns könnte allerdings ein harter Brexit im Weg stehen. Konzernchef East zeigte sich jüngst frustriert über die mangelnde Klarheit beim geplanten Ausstieg Großbritanniens aus der EU. Er denke bereits darüber nach, Ende 2018 einen Bauteile-Vorrat anzulegen, sagte er vergangenen Monat. "Wir können uns auf gar nichts verlassen."

ans/dpa



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