Rom: Generaldirektor der Vatikanbank und sein Vize erklären Rücktritt

IOR in Rom: Vatikanbank muss sich wegen Geldwäschevorwürfen verantworten Zur Großansicht
DPA

IOR in Rom: Vatikanbank muss sich wegen Geldwäschevorwürfen verantworten

Korruptionsvorwürfe belasten die Vatikanbank IOR. Jetzt sind deren Generaldirektor Paolo Cipriani und sein Vize Massimo Tulli zurückgetreten. Ihre Amtsgeschäfte übernimmt übergangsweise der Deutsche Ernst von Freyberg.

Rom/Hamburg - Im Zuge von Korruptionsermittlungen haben zwei Topmanager der Vatikanbank IOR ihre Posten geräumt: Deren Generaldirektor Paolo Cipriani und sein Stellvertreter Massimo Tulli haben ihren Rücktritt erklärt, wie der Vatikan am späten Montagabend mitteilte.

Cipriani und Tulli hätten entschieden, dass ihr Rücktritt das Beste für die Interessen der Bank und des Vatikans sei, heißt es in der Mitteilung. Die Rücktrittsgesuche seien vom Aufsichtsgremium der Bank und von der Kommission der Kardinäle angenommen worden. Ihre Amtsgeschäfte soll vorerst der Deutsche Ernst von Freyberg übernehmen, der im Februar zum Chef der Bank berufen worden war, um das skandalbelastete Geldinstitut in neue Bahnen zu lenken.

Die Vatikanbank IOR (Instituto per le Opere di Religione, zu deutsch: "Institut für religiöse Werke") hat mehr als 110 Mitarbeiter, etwa 19.000 Kunden und eine Bilanzsumme von fünf Milliarden Euro. Sie wies zuletzt einen Nettogewinn von 86,6 Millionen Euro aus.

In der vergangenen Woche wurde der italienische Prälat Nunzio Scarano festgenommen, gegen den der Vorwurf der Beteiligung an Geldwäsche besteht. Bei einem Verhör in Anwesenheit der Richterin Barbara Callari wies der 61-jährige Geistliche am Montag die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück. Neben Scarano wurden ein früherer Mitarbeiter des italienischen Geheimdienstes sowie ein Finanzdienstleister festgenommen.

Die Vatikanbank steht wegen des Verdachts der Geldwäsche bereits seit Jahren im Fokus der italienischen Justiz. Im September 2010 wurden Ermittlungen gegen den damaligen Präsidenten Ettore Gotti Tedeschi und den damaligen Generaldirektor Paolo Cipriani wegen Verstoßes gegen das Geldwäschegesetz eingeleitet. Gotti Tedeschi wurde im Mai 2012 als Präsident der Vatikanbank IOR abgelöst. Im Juli 2012 forderte der Europarat die Bank, die unter anderem die Spenden der katholischen Kirche verwaltet, zu mehr Einsatz im Kampf gegen Geldwäsche auf.

bos/AFP/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Rücktritt reicht nicht -
Pfaffenwinkel 01.07.2013
der Papst sollte die Vatikanbank schließen. Das wäre das richtige Zeichen.
2. Wenn das Geld
nhorwath 01.07.2013
den Heiligenschein erhellt. Hätte der Vatikan seinen Snowden, wir wären genau so entetzt, wie scheinheilige Christen-Bänker sich aus den Taschen von Gutgläubigen bedienen. Man wünscht sich immer öfter es käme wieder einmal ein Tempelreiniger.
3.
tjivi 02.07.2013
Wo ist der Aufschrei der gläubigen Katholiken? Mich würde mal interessieren, in welche Taschen das Geld der Spender fließt. Kommt überhaupt etwas bei den Bedürftigen an? Wäre ich Katholikin, wäre dies der letzte Anstoß, die Kirche zu verlassen. Was hat das noch mit Glauben zu tun? Der vatikan hat seine Glaubwüedigkeit endgültig verspielt.
4. so viel Bewegung...
aueronline.eu 02.07.2013
war noch nie in die Verbrechen des Vatikan samt seiner Bank gekommen. Was ist dieser Papst eine Ausnahme, eine lichtgestalt, eine illumination. Und das sagt hier ein Heide. Ich bin froh, dass so etwas doch möglich ist. Noch vor einem Monat tippte ich auf sudden death... A er mit einem ex Papa im Hintergrund kann er mehr erreichen, zumal mit ihm viele Geheimnisse nicht auszulöschen wären. Well done, papa!
5. hilfe!
ambulans 02.07.2013
und wer hilft mir jetzt bei meinem anlage-notstand?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Vatikan
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 5 Kommentare
  • Zur Startseite

Fläche: 0,44 km²

Bevölkerung: 793

Staatsoberhaupt:
Papst Franziskus

Präsident der päpstlichen Kommission und des Governatorats für den Staat der Vatikanstadt: Giuseppe Bertello

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Vatikan-Reiseseite