Verteilungskampf auf dem Drogeriemarkt: Rossmann schreibt Schlecker ab

Während Schlecker nach Investoren sucht, rechnet Rossmann nicht damit, dass sich der insolvente Konkurrent wieder erholt. Das Selbstbewusstsein des neuen Branchenzweiten zeigt, wie stark der deutsche Drogeriemarkt in Bewegung gekommen ist - und wie unsicher die Zukunft für Schlecker aussieht.

Firmenchef Dirk Roßmann: Glaubt nicht an die Rückkehr von Schlecker Zur Großansicht
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Firmenchef Dirk Roßmann: Glaubt nicht an die Rückkehr von Schlecker

Burgwedel/Ehingen - Von Krise ist bei Rossmann keine Spur: Während bei Schlecker die Kunden wegblieben und das Familienunternehmen in die Insolvenz schlitterte, boomt das Geschäft beim Konkurrenten Rossmann aus dem niedersächsischen Burgwedel. Nach mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz und einem Wachstum von mehr als zehn Prozent im vergangenen Jahr strebt Rossmann 2012 sogar ein Plus von zwölf Prozent an. Über seinen Gewinn machte das Unternehmen keine Angaben.

Der Grund für die optimistische Prognose sei auch die Pleite des Konkurrenten, sagte Inhaber Dirk Roßmann. Seine Kette ist nach der Schließung von mehr als 2000 Schlecker-Filialen jetzt die Nummer zwei am deutschen Drogeriemarkt nach dem Konkurrenten dm.

"Wir hauen uns die Preise um die Ohren"

Für Schlecker sieht Roßmann weitgehend schwarz: "Wir haben uns in den letzten zwölf Jahren komplett neu erfunden", sagte Roßmann, bei Schlecker habe es dagegen kaum Veränderungen gegeben. "Wenn einer nicht richtig investiert hat in den vergangenen Jahren, wird er es schwer haben." Der Markt im deutschen Drogeriegeschäft sei zu hart umkämpft. "Wir hauen uns hier die Preise um die Ohren wie in keinem anderen Ort der Welt", so der Firmenchef weiter. Mittlerweile gebe es in so gut wie jedem kleinen Ort Discounter wie Lidl und Aldi oder Supermärkten wie Edeka, die ebenfalls Drogerieartikel führten und sehr günstig seien.

Rossmann will weiter expandieren: Im laufenden Jahr will das Unternehmen 160 Millionen Euro in die Eröffnung von 230 neuen Läden investieren, darunter 110 neue Geschäfte in Deutschland. Das Personal für die zahlreichen Neueröffnungen will der 65-jährige Unternehmer auch aus dem Pool der ehemaligen Schlecker-Beschäftigten gewinnen. Gerade in den Ballungsräumen gebe es sehr gute Chancen.

Investor will nur Teile von Schlecker

Vom Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz kamen unterdessen neue Informationen über die Investoren-Suche. Der "Südwest-Presse" sagte Geiwitz, dass nicht alle der drei Top-Kandidaten für die angestrebte Rettung an einer Paketlösung interessiert seien. "Einer will alles, der andere nur Teile des Ganzen", wird Geiwitz in der Zeitung zitiert.

Bisher war die Rede von drei gleichwertigen Bewerbern in der engeren Auswahl, die in ihren Konzepten sehr unterschiedlich seien. Die Prüfung der Angebote werde dauern, geklärt werden müsse auch, ob der neue Eigentümer alle Filialen übernehmen wolle, hieß es in dem Bericht. "Aber wir sind im Plan", sagte Geiwitz, der bis Ende Mai zu einem Abschluss kommen will.

Zu den drei Bewerbern in der engeren Wahl gehört der osteuropäische Finanzinvestor Penta. Er hatte bereits signalisiert, nicht unbedingt die ganze Gruppe übernehmen zu wollen. Der Insolvenzverwalter hatte mitgeteilt, er prüfe grundsätzlich jede Option, favorisiere aber eine Gesamtlösung.

Nach einem drastischem Filialenabbau und Tausenden Kündigungen sind nur noch rund 13.500 Mitarbeiter bei der insolventen Drogeriekette in Deutschland beschäftigt.

nck/dpa/dapd/afp

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1. Sagt mal Leute...
Layer_8 12.04.2012
Zitat von sysopDPAWährend Schlecker nach Investoren sucht, rechnet Rossmann nicht damit, dass sich der insolvente Konkurrent wieder erholt. Das Selbstbewusstsein des neuen Branchenzweiten zeigt, wie stark der deutsche Drogeriemarkt in Bewegung gekommen ist - und wie unsicher die Zukunft für Schlecker aussieht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,827191,00.html
...wozu braucht Mensch überhaupt ne Drogerie? Ich hab meines Wissens nach noch nie in einer Drogerie eingekauft. Was ist denn eigendlich eine "Drogerie"? Hier in Berlin gibts so'n Laden alle 200 Meter. Man hatte hier zu Schlecker-Bestzeiten gefühlt einen Schlecker pro 10 Einwohner. Muss irgendwas mystisches an diesen Läden anhaften
2. der Vergleich ist schon interessant
grana 12.04.2012
Zitat von sysopDPAWährend Schlecker nach Investoren sucht, rechnet Rossmann nicht damit, dass sich der insolvente Konkurrent wieder erholt. Das Selbstbewusstsein des neuen Branchenzweiten zeigt, wie stark der deutsche Drogeriemarkt in Bewegung gekommen ist - und wie unsicher die Zukunft für Schlecker aussieht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,827191,00.html
Gehe ich zu Rossmann, bezahle ich weniger als bei Schlecker, dafür sind die Regale bei Rossmann gut gefüllt und die Läden sehen freundlich und modern aus und an der Kasse sitzen tatsächlich Mitarbeiter, was ich bei Schlecker selten erlebt habe.
3. Aus für Schlecker
arabella1 12.04.2012
Zitat von granaGehe ich zu Rossmann, bezahle ich weniger als bei Schlecker, dafür sind die Regale bei Rossmann gut gefüllt und die Läden sehen freundlich und modern aus und an der Kasse sitzen tatsächlich Mitarbeiter, was ich bei Schlecker selten erlebt habe.
Mir tun die Mitarbeiterinnen die bleiben "durften" mehr leid als die Entlassenen!Lieber ein Ende mit Schrecken,als ein Schrecken ohne Ende! Schlecker überlebt den Mai nicht.Die jetzt entlassen Mitarbeiterinnen sind größtenteil bis dahin wieder vermittelt u. der nachfolgende Rest von 13.500 guckt in die Röhre!Wie heißt es doch so schön?Den letzten beißen die Hunde!Im Grunde braucht man gar keine Drogerie,am allerwenigsten aber SCHLECKER!
4. schon mal was vom kleinen Unterschied gehört?
Willi Wacker 12.04.2012
Zitat von Layer_8...wozu braucht Mensch überhaupt ne Drogerie? Ich hab meines Wissens nach noch nie in einer Drogerie eingekauft. Was ist denn eigendlich eine "Drogerie"? Hier in Berlin gibts so'n Laden alle 200 Meter. Man hatte hier zu Schlecker-Bestzeiten gefühlt einen Schlecker pro 10 Einwohner. Muss irgendwas mystisches an diesen Läden anhaften
gehen Sie doch einfach mal in eine Drogerie, irgendeine, irgendwo. DA brauchen Sie jedenfalls eher eine Männerquote.
5.
glen13 12.04.2012
Zitat von sysopDPAWährend Schlecker nach Investoren sucht, rechnet Rossmann nicht damit, dass sich der insolvente Konkurrent wieder erholt. Das Selbstbewusstsein des neuen Branchenzweiten zeigt, wie stark der deutsche Drogeriemarkt in Bewegung gekommen ist - und wie unsicher die Zukunft für Schlecker aussieht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,827191,00.html
Ja, da hat der gute Herr Rossmann gut lachen. Denn im Gegensatz zu Schlecker als Familienbetrieb hat er schon längst 40 % seiner Firma an den Hongkonger Geschäftsmann Li Ka-shing verkauft (Unternehmensgruppe Hutchison Whampoa) Roßmann sagte mal zu dieser Beteiligung: „Die vergewaltigen mich mit ihrem Geld und möchten, dass ich noch aggressiver bin.“ Da kann man natürlich der Superunternehmer werden.
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