London - Die Aufarbeitung des Libor-Skandals beginnt: Erstmals hat die verstaatlichte Royal Bank of Scotland
(RBS) Entlassungen infolge der Zinsmanipulationen bestätigt. Die Untersuchungen hätten ein Fehlverhalten einiger Banker aufgedeckt, teilte die RBS mit, ohne Details zu nennen.
Der Skandal zeige, wie Fehler Einzelner und mangelnde Kontrollsysteme dem Ruf der Banken schaden könnten, sagte Bankchef Stephen Hester. Er hatte erst vor wenigen Tagen zugegeben, dass die RBS in den Libor-Skandal verwickelt ist. Am Freitag forderte Hester, dass die Branche nun entschieden durchgreifen müsse, damit sich so etwas nicht mehr wiederhole. "Das ist ein wirklich wichtiges Reputationsthema."
Weltweit stehen zahlreiche Banken im Verdacht, wichtige Referenzsätze wie den Libor und den Euribor zu ihren Gunsten manipuliert zu haben. Die Zinsen beruhen auf den Refinanzierungskosten der Banken, die diese einmal täglich melden. Die Ermittler gehen Hinweisen nach, dass die Institute von 2005 bis 2009 die Sätze nach unten gedrückt haben, um ihre wahren Refinanzierungskosten zu verschleiern und Handelsgewinne einzustreichen.
Die RBS gehört seit ihrer Rettung in der Finanzkrise zu 82 Prozent dem britischen Staat. Ihre Händler stehen laut britischen Regulierungskreisen ebenso wie Mitarbeiter des Rivalen Barclays
im besonderen Fokus der Ermittler. Finanzkreisen zufolge hat die Bank wegen des Skandals nun vier Händler entlassen.
Barclays ist bislang als einziges Geldhaus in dem Skandal zu einer Strafe verurteilt worden, die 290 Millionen Pfund beträgt. Die RBS erklärte, man könne noch keine Schätzung über eine mögliche Strafe abgeben. Die Deutsche Bank
wird ebenfalls untersucht, sie hat bislang mindestens zwei Händler suspendiert.
Hester musste am Freitag erneut schlechte Zahlen verkünden: RBS häufte im ersten Halbjahr 2012 Vorsteuerverluste in Höhe von 1,5 Milliarden Pfund an. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahres hatte der Verlust noch rund halb so hoch gelegen. Die Verluste fielen auch deshalb höher aus, weil die RBS insgesamt 300 Millionen Pfund für Straf- und Entschädigungszahlungen zurücklegen musste - unter anderem für zu Unrecht an Kunden verkaufte Kreditausfallversicherungen und für die Folgen eines Zusammenbruchs des Computersystems.
Trotz des negativen Ergebnisses legten RBS-Aktien um fast fünf Prozent zu. Analysten erklärten dies damit, dass das Management grundsätzlich an der Sanierung der Bank festhalte. "Angesichts all der Ablenkungen ist es tröstlich für Investoren, dass RBS sich überhaupt in die richtige Richtung bewegt", sagte Richard Hunter vom Finanzdienstleister Hargreaves Lansdown Stockbrokers.
dab/Reuters/dpa
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte | RSS |
| alles zum Thema Royal Bank of Scotland | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH