Staatsanteile Privatisierung von Royal Bank of Scotland startet mit hohem Verlust

Vor sieben Jahren rettete die britische Regierung die Royal Bank of Scotland, nun beginnt der Staat mit dem Verkauf seiner Anteile. Dabei fiel gleich ein Milliardenverlust an. Die Opposition ist erzürnt.

Reinigungskraft in einer RBS-Niederlassung: Der Ausverkauf hat begonnen
REUTERS

Reinigungskraft in einer RBS-Niederlassung: Der Ausverkauf hat begonnen


Die Privatisierung der Royal Bank of Scotland (RBS) ist angelaufen. Der Staatsanteil wurde in einem ersten Schritt auf 72,9 Prozent gesenkt. Die Regierung verkaufte 5,4 Prozent. Der Staat hatte das Institut 2008 während der Finanzkrise verstaatlicht und die Bank mit 45,8 Milliarden Pfund gestützt.

Der Verkauf des ersten Aktienpaketes sorgt für politischen Streit, denn die Transaktion ist mit einem herben Verlust verbunden. Für das Paket von 5,4 Prozent der RBS-Aktien erhielt der Staat 2,1 Milliarden britische Pfund (rund drei Milliarden Euro) von institutionellen Anlegern. Im Vergleich zum Ankauf 2008 bedeutet dies einen Verlust von etwa einer Milliarde Pfund. Beim Kauf hatte der Aktienkurs bei 502 Pence gelegen. Nun lag der Preis je Aktie bei 330 Pence. Sollten alle Staatsaktien zu diesem Preis verkauft werden, würde der Verlust für die Steuerzahler bei sieben Milliarden Pfund liegen.

Finanzminister George Osborne verteidigte am Dienstag den Verkauf eines ersten Aktienpakets. Obwohl die Transaktion mit einem Verlust verbunden sei, sei der Zeitpunkt richtig. "Auch wenn es am einfachsten wäre, sich vor schwierigen Entscheidungen zu drücken und die RBS in Staatshand zu lassen, ist es doch das Richtige für die Wirtschaft und die Steuerzahler, mit dem Verkauf unserer Anteile zu beginnen", rechtfertigte Osborne den Schritt. Er will die Einnahmen zum Abbau von Staatsschulden verwenden.

Osborne hatte nach dem Wahlsieg der Konservativen im Mai angekündigt, die Privatisierung so bald wie möglich anzugehen. In den kommenden fünf Jahren sollten mindestens drei Viertel der Beteiligung veräußert werden.

Die oppositionelle Labour-Partei kritisierte, im Februar habe der Aktienkurs der RBS mit 400 Pence deutlich höher gelegen, ein Verkauf damals hätte deutlich mehr eingebracht.

RBS hat den Ruf einer Skandalbank

Die RBS wurde nicht nur in der Finanzkrise schwer getroffen. Die Bank ist auch in eine Reihe von Skandalen verwickelt, die sie heute teuer zu stehen kommen und für die Milliardenbeträge fällig wurden. Unter anderem musste die RBS geprellten Kunden Milliarden-Entschädigungen für illegale Kreditausfallversicherungen und 612 Millionen Dollar für Verfehlungen im Libor-Skandal zahlen.

Zudem droht in den USA eine Strafe wegen des Verkaufs von Ramschhypotheken, die die Bank Milliarden kosten könnte. Das Geldhaus hat dafür 2,1 Milliarden Pfund zurückgelegt. Experten schätzen allerdings, dass der Fall die RBS sogar bis zu neun Milliarden Pfund kosten könnte.

Die britische Regierung muss derzeit nicht nur die Privatisierung der RBS organisieren, sondern will auch die ebenfalls gerettete Großbank Lloyds Chart zeigen wieder in die Hände von Privatinvestoren zurückgeben. Bei Lloyds konnte die Regierung den Anteil inzwischen gewinnbringend von über 40 auf unter 14 Prozent senken, auch dank der Erholung des Instituts.

mmq/Reuters/dpa-AFX

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rreniar 04.08.2015
1. Verluste...
Es ist ziemlich unsinnig den Aktienkurs vor der Übernahme mit dem Aktienkurs beim jetzigen Verkauf zu vergleichen. Die Bank wurde ja nicht vom Staat über die Börse zum damaligen Börsenkurs gekauft, sondern es wurde eine massive mehrfache Kapitalerhöhung vorgenommen bei denen der britische Staat faktisch der einzige Bezieher der neu ausgegebenen Aktien war. So hat man die Bank wie bei uns etwa die HRE übernommen. Da es also heute mehr Aktien gibt, liegt deren Kurs auch niedriger. Den Verlust für den Staat hat man damals schon gemacht. Nur jetzt, wo der Buchverlust endgültig realisiert wird, stellen sich die damaligen Lügen, dass man mit der Bankenrettung noch Geld verdienen könne, als Betrug am Steuerzahler heraus. Ist den Briten aber scheinbar egal. Cameron wurde ja wieder gewählt. Scheinbar gibt's inzwischen wichtigere Probleme - oder es hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass man von der Opposition genauso betrogen worden wäre...
1besserwisser1 04.08.2015
2.
Was beschwert sich Labour? Unter Gordon Brown wurde das mit der RBS doch verzapft. Die Aktien damals für 500 Pence zu kaufen und so insgesamt 54 billions Pfund zu verschleudern, war doch die eigentliche Ursache für den Verlust jetzt. Osborne kann sich aber durchaus den Vorwurf gefallen lassen, die Gewinne der Bank nicht verbessert zu haben um so den Aktienkurs zu erhöhen.
Whow 04.08.2015
3. Das ist der richtige Weg
, die unbequemen Schotten zu sanktionieren. Ihre königliche Hoheit, ohne Titel, Cameron muss ja die britische Flagge zeigen. Was will er mit der Bank of Ireland machen. Die erscheint relativ unabhängig. Schottland könnte den bescheidenen Ölhahn abdrehen, Irland nicht.
leser008 04.08.2015
4. Die üblichen Betrügereien
Zitat von rreniarEs ist ziemlich unsinnig den Aktienkurs vor der Übernahme mit dem Aktienkurs beim jetzigen Verkauf zu vergleichen. Die Bank wurde ja nicht vom Staat über die Börse zum damaligen Börsenkurs gekauft, sondern es wurde eine massive mehrfache Kapitalerhöhung vorgenommen bei denen der britische Staat faktisch der einzige Bezieher der neu ausgegebenen Aktien war. So hat man die Bank wie bei uns etwa die HRE übernommen. Da es also heute mehr Aktien gibt, liegt deren Kurs auch niedriger. Den Verlust für den Staat hat man damals schon gemacht. Nur jetzt, wo der Buchverlust endgültig realisiert wird, stellen sich die damaligen Lügen, dass man mit der Bankenrettung noch Geld verdienen könne, als Betrug am Steuerzahler heraus. Ist den Briten aber scheinbar egal. Cameron wurde ja wieder gewählt. Scheinbar gibt's inzwischen wichtigere Probleme - oder es hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass man von der Opposition genauso betrogen worden wäre...
Das ist ja alles sehr schlau, unimässig und vernebelnd, was sie da schreiben. Tatsache ist aber, dass ich als Staat nicht Aktien zu ca 300 verkaufe, wenn sie kurz vorher bei ca 400 lagen. Da halte ich, da das Potential für 400 plus offenbar da ist. Da laufen wohl wieder die üblichen Machenschaften auf Steuerzahlers Kosten.
viceman260 05.08.2015
5. es ist schon erstaunlich,
kein privatmann würde so etwas mit seinem depot machen. aber die "eliten" der g7 länder machen alle das gleiche, sie setzen sich für den eigennutz ein und schröpfen die gesellschaft. wer hat wohl.die " billigen aktien " bekommen?
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