Josef Ackermanns Abschied Der Buhmann verlässt die Bühne

Es ist der Abgang eines Ungeliebten. Mit der Hauptversammlung am Donnerstag verlässt Josef Ackermann die Deutsche Bank. Seine Bilanz nach zehn Jahren an der Spitze fällt gemischt aus. Doch schon jetzt steht fest: Wir werden ihn vermissen.

Josef Ackermann: Im Ganzen hat der Schweizer einen guten Job gemacht
dapd

Josef Ackermann: Im Ganzen hat der Schweizer einen guten Job gemacht

Eine Analyse von Wolfgang Kaden


Eine Abschiedsfeier wird es nicht geben. Er wolle bei seinem Dienstende keine "Ackermann-Show", ließ der scheidende Chef der Deutschen Bank verlauten.

So wird die Hauptversammlung am Donnerstag der letzte große Auftritt des Josef Ackermann. Ein reichlich bescheidener Abschied eines Bankers, der die deutsche Finanzszene zehn Jahre lang unangefochten beherrscht hat. In einer Zeit, in der die durchschnittliche Verweildauer von Chefs großer Unternehmen hierzulande auf 6,1 Jahre gesunken ist, ist das eine ziemlich lange Schaffensperiode.

Schon jetzt lässt sich die Prophezeiung wagen: Wir werden Ackermann vermissen. Noch lange werden wir das Victory-Zeichen in Erinnerung behalten, mit dem er vor dem Prozess wegen der Millionen-Abfindung für den Mannesmann-Chef Klaus Esser aufwartete. Oder die ständige Wiederholung des als maßlos empfundenen, ständig wiederholten Renditeziels von 25 Prozent. Oder die vielen Prozesse aus Ackermanns Hinterlassenschaft, in denen die Bank wegen bewusster Falschberatung auf Schadensersatz verklagt wurde.

Das Misstrauen, das ihm in Deutschland entgegenschlug, hat der Schweizer Ackermann nie richtig verstanden. Was sicherlich in seiner Herkunft wurzelt. Für die meisten Schweizer sind die einheimischen Großbanken UBS und Credit Suisse über jeden Zweifel erhabene Symbole helvetischer Wirtschaftskraft - zumindest waren sie es bis zur Finanzkrise. Dass hingegen die Deutschen mit der Deutschen Bank und ihren jeweiligen Chefs seit jeher fremdeln, musste Ackermann erst lernen.

Er meint bis heute, er hätte Besseres in diesem Land verdient gehabt. Und mit dieser Selbsteinschätzung hat er ja auch nicht ganz unrecht. Immerhin hat er die Deutsche Bank ohne direkte Staatshilfe durch die Finanzkrise 2008/09 gebracht. Vor allem aber: Er hat die Bank zu einer der Großen im Investmentbanking gemacht. Den Abstand zu den übrigen deutschen Banken hat er auf eine unüberwindbare Distanz ausgebaut.

Als Ackermann 2002 antrat, folgten der Deutschen Bank noch auf Sichtweite die Dresdner Bank und die WestLB. Inzwischen ist die Dresdner in der Commerzbank aufgegangen, die ihrerseits mit einer staatlichen Kapitaleinlage gerettet werden musste. Die WestLB hat sich aufgelöst. Die frühere süddeutsche Konkurrenz, die HypoVereinsbank, wurde von der italienischen UniCredit geschluckt.

Die einzige deutsche Bank von Weltgeltung - nach der Bilanzsumme auch Europas größtes Geldhaus - ist eben die Deutsche. Sie agiert heute auf Augenhöhe mit den globalen Top-Adressen, mit Häusern wie JP Morgan Chase oder Goldman Sachs.

Mittler zwischen der Finanzwelt und der Politik

Die Anerkennung, die ihm die Deutschen so hartnäckig versagten, erhielt Ackermann unter seinesgleichen. Von 2003 bis zu diesem Jahr haben ihn die Kollegen regelmäßig zum Vorsitzenden des Institute of International Finance gewählt, dem inoffiziellen Weltverband der Banken.

In Deutschland, aber auch außerhalb des Landes hat er den Mittler zwischen der Finanzwelt und der Politik gespielt - eine Rolle, die ihn ständig dem Verdacht aussetzte, nur die Interessen der Banken durchzusetzen. Doch was bis heute kaum jemand weiß: Er hat diese Aufgabe eher zögerlich übernommen.

Als er anfing, da riet ihm sein Freund Roland Berger, der Berater-Doyen: "Äußere dich nicht zu deutschen Themen". Ackermann hielt sich zunächst an Bergers Empfehlung. Doch dann, nach nur vier Wochen, erschien im Hausblatt der Banker, der "Börsenzeitung", ein Kommentar mit der Frage: Wo ist eigentlich Josef Ackermann? Da wusste der Schweizer, dass er Bergers gut gemeinten Rat nicht befolgen konnte.

Manch einer in der Deutschen Bank hat sich gewünscht, der Chef würde sich mehr ums Geschäft kümmern, als auf nationalen und internationalen Bühnen aufzutreten. Und tatsächlich weist auch die unternehmerische Bilanz Ackermanns nicht nur Erfolge auf.

Während er das Investmentbanking massiv ausbaute, geriet das Geschäft mit den Privat- und Firmenkunden ins Hintertreffen. Doch diese Sparte, das zeigte sich gerade in der Finanzkrise, liefert anders als das schwankungsanfällige Investmentbanking stabile Gewinne.

Kein schöner Abgang

Um das zu ändern, übernahm Ackermann 2009 die Postbank - ein Deal, den er noch 2004 verschmäht hatte. Ziel ist es, dass die Erträge zukünftig hälftig aus dem Investmentbanking und dem konventionellen Geschäft mit Privat- und Firmenkunden kommen. Jahrelang hingegen hatten die Investmentbanker 80 Prozent und mehr der Gewinne abgeliefert, im vergangenen Quartal waren es noch zwei Drittel.

Gänzlich gescheitert ist Ackermann bei dem wichtigsten Ziel, das er sich bei Dienstantritt gesetzt hatte: den Kurs der Aktie und damit den Börsenwert der Bank nach oben zu treiben. Bei Ackermanns Start wies das Geldhaus eine Marktkapitalisierung von 46 Milliarden Euro auf. Heute sind es nur noch 27 Milliarden Euro.

Und zum Schluss seiner Amtszeit dann reihte sich ein Misserfolg an den nächsten.

  • Es fing damit an, dass er den spröden Bundesbank-Chef Axel Weber zu seinem Nachfolger machen wollte, obwohl der ehemalige Uni-Professor keinerlei Bankerfahrung besitzt. Der Plan scheiterte an dem Widerstand, der sich im Vorstand und im Aufsichtsrat formierte.
  • Dann rief Ackermann sich selbst als neuen, zukünftigen Aufsichtsratsvorsitzenden aus, obwohl das Aktienrecht diesen problematischen Ämtertausch inzwischen erschwert. Nach einigen Monaten musste Ackermann erkennen, dass er die 25 Prozent an Stimmen auf der Hauptversammlung, die er zur Umgehung der Vorschrift benötigt hätte, nicht erreichen würde. Es folgte ein peinlicher Rückzieher.
  • Schließlich noch die Sache mit den Kirch-Erben. Der ehemalige Filmhändler Leo Kirch hatte die Deutsche Bank auf milliardenschweren Schadensersatz verklagt, weil ihn der Ackermann-Vorgänger Rolf Breuer mit öffentlich geäußerten Zweifeln an seiner Kreditwürdigkeit angeblich in den Ruin getrieben hatte. Seit Jahren wird prozessiert. Ackermann wollte nun vor seinem Abschied den Streit beenden und handelte mit den Erben einen Vergleich aus. 800 Millionen Euro sollte die Bank zahlen. Eine Menge Geld in einem Konflikt, der noch längst nicht entschieden war. Das fand auch der Vorstand - und lehnte den Handel rundweg ab. Eine Blamage für den Noch-Chef.

Kein schöner Abgang für Josef Ackermann. Wäre er ein Jahr früher ausgeschieden, hätte er sich manchen Ärger und manche Image-Blessur erspart.

Dennoch - aufs Ganze der zehn Dienstjahre betrachtet, hat der Schweizer mit dem optimistischen Dauerlächeln und dem angenehmen Tonfall seiner deutschen Wahlheimat einen guten Dienst erwiesen. Für die Bank wie fürs Land. Deutschland, eine der stärksten Exportnationen der Welt, braucht mehr als nur mittelständische Geschäftsbanken, Sparkassen und Volksbanken. Es benötigt eine Großbank, die in der Weltliga der Hochfinanz mitspielt und auf allen Kontinenten präsent ist.

Dass die Deutsche Bank dieser Herausforderung heute gerecht wird, ist nicht zuletzt das Verdienst des Josef Ackermann.

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insgesamt 104 Beiträge
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Seite 1
wolfgangotto 29.05.2012
1. Hat ganz gut kassiert und...
Hat ganz gut kassiert und bei der Nachfolge kann einem angst und bange werden.
Gebetsmühle 29.05.2012
2.
Zitat von sysopDPAEs ist der Abgang eines Ungeliebten. Mit der Hauptversammlung am Donnerstag verlässt Josef Ackermann die Deutsche Bank. Seine Bilanz nach zehn Jahren an der Spitze fällt gemischt aus. Doch schon jetzt steht fest: Wir werden ihn vermissen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,834945,00.html
vom steuerzahler gerettet, aber nie ein dankeschön abgegeben. katastrofale bilanz, sag ich mal.
eigene_meinung 29.05.2012
3. überbezahlte, gefährliche, Nieten in Nadelstreifen
Ackermann war schlimm, der Nachfolger (Jain) wird noch schlimmer werden. Schlecht für die Kunden, schlecht für die Bank, schlecht für "die Wirtschaft".
Umbriel 29.05.2012
4. Inder sind Fatalisten
Zitat von eigene_meinungAckermann war schlimm, der Nachfolger (Jain) wird noch schlimmer werden. Schlecht für die Kunden, schlecht für die Bank, schlecht für "die Wirtschaft".
Bei aller Kenntnis wird Herr Jain irgendwann vor Gretchenfragen stehen, bei denen es sehr wohl eine Rolle spielt, ob man nun Inder oder Deutscher ist.
Vanagas 29.05.2012
5. . . . und Merkel gibt dann noch . . .
Zitat von sysopDPAEs ist der Abgang eines Ungeliebten. Mit der Hauptversammlung am Donnerstag verlässt Josef Ackermann die Deutsche Bank. Seine Bilanz nach zehn Jahren an der Spitze fällt gemischt aus. Doch schon jetzt steht fest: Wir werden ihn vermissen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,834945,00.html
. . . am Donnerstag im Kanzleramt auf Steuerzahlerkosten eine prächtige Abschiedssause . Ich freue mich wenn dieser Mann sich vom Acker macht ! Eigentlich würde ich keinen der derzeitigen Politkster - und Banksterkaste vermissen . Warum auch ? Haben diese Schaden vom deutschen Volk abgewendet ? Außer natürlich den Clowns der FDP , wegen Ihrer bühnenreifen Komödien , würde ich niemanden vermissen .
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