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Rückgaberecht: Online-Händler klagen über zurückgeschickte Klobürsten

Verschmutzte Kleider, eingedrückte Lippenstifte, getragene Ohrringe: Viele Käufer missbrauchen offenbar das Widerrufsrecht beim Online-Shopping. Laut einer DIHK-Umfrage wird jeder siebte Artikel zurückgeschickt, oft in katastrophalem Zustand. Die Kosten tragen die ehrlichen Kunden.

Frau beim Online-Shoppen (Symbolbild): Häufigster Missbrauch bei Hygieneartikeln Zur Großansicht
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Frau beim Online-Shoppen (Symbolbild): Häufigster Missbrauch bei Hygieneartikeln

Hamburg - Die Versuchung ist groß: Einmal in einem teuren Abendkleid glänzen - und keinen Cent dafür zahlen. Offenbar können viele Verbraucher dieser Verlockung nicht widerstehen. Darüber klagen zumindest Internet-Händler in einer Umfrage. Ihr Vorwurf: Zahlreiche Nutzer missbrauchen das 14-tägige Rückgaberecht beim Online-Shoppen. Und richten damit einen enormen Schaden an.

So werde jeder siebte im Internet gekaufte Artikel zurückgeschickt, ergab die Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) und des Gütesiegelanbieters Trusted Shops unter 400 Firmen, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Eine große Mehrheit (80 Prozent) von ihnen berichtet über Missbrauchsfälle. Ein Drittel der befragten Unternehmen gibt an, dass zurückgesendete Ware 30 Prozent und mehr ihres Wertes verliert. In vielen Fällen sei ein Wiederverkauf überhaupt nicht mehr möglich.

Am häufigsten finde der Missbrauche bei Hygieneartikeln statt, etwa bei Lippenstiften, Piercings und Kontaktlinsen. So berichtet etwa ein Händler von "Badartikeln wie WC-Bürste oder Seifenspendern, die nach der Benutzung nicht mehr verkauft werden können". Und weiter: "Da diese Artikel bei uns aus einer hochwertigen Produktlinie stammen, ist dies sehr ärgerlich und der hygienische Aspekt einfach nur ekelig." Aber auch Taufkleider, Abendgarderobe oder Urlaubsartikel wie Zelte würden häufig gebraucht zurückgeschickt.

Manche Händler greifen daher zu einer rigorosen Methode - und nehmen die Produkte ganz aus dem Sortiment. Das Nachsehen haben alle ehrlichen Kunden. In anderen Fällen setzen die Händler ihre Preise herauf. Immerhin 35 Prozent der Befragten geben dies als Konsequenz an.

Europäischer Gerichtshof hält bisherige Regelung für rechtswidrig

Dabei sollte das 14-tägige kostenfreie Rückgaberecht Verbraucher schützen. In vielen Fällen ist das auch der Fall. Doch DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben betont die Probleme der Unternehmen: "Das Widerrufsrecht bei Internetgeschäften belastet Onlineshop-Betreiber erheblich."

Der Wirtschaftsverband fürchtet sogar, dass es noch schlimmer wird. Denn bislang konnten Händler zumindest in besonders gravierenden Fällen vom Kunden Ersatz für die Ware verlangen. Die geltende Regelung in Deutschland hält der Europäische Gerichtshof jedoch für rechtswidrig. Im schlimmsten Fall könnte dadurch künftig auch noch der Anspruch des Händlers auf Wertersatz entfallen, fürchtet der DIHK.

Nach Verbandsangaben arbeitet das Bundesjustizministerium momentan an einem Kompromiss. Ziel soll es demnach sein, den Wertersatz nicht abzuschaffen, aber zu überarbeiten.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 222 Beiträge
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1. Warum haben wir wohl eine Justizministerin ?
herbert 20.08.2010
Zitat von sysopVerschmutzte Kleider, eingedrückte Lippenstifte, getragene Ohrringe: Viele Käufer missbrauchen offenbar das Widerrufsrecht beim Online-Shopping. Laut einer DIHK-Umfrage wird jeder siebte Artikel zurückgeschickt, oft in katastrophalem Zustand. Die Kosten tragen die ehrlichen Kunden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,712884,00.html
Die hat sich um diese Missstände mit zu kümmern und Gesetze so umzubauen, dass es nicht passiert. Seitdem wir Politiker dritter KLasse haben, läuft da nichts mehr !
2. Auf Thema antworten
El Ackabar, 20.08.2010
Abgesehen davon, dass wie immer die Politiker(tm) (ersatzweise: die Amerikaner) daran schuld sind, hätte ich gerne genauere Zahlen oder präzisere Aussagen: Dass 80% der Befragten von Mißbrauchsfällen berichten - gut. "Laut einer DIHK-Umfrage wird jeder siebte Artikel zurückgeschickt, oft in katastrophalem Zustand." Auch gut. "Jeder siebte Artikel zurückgeschickt" heißt aber nicht, dass jeder davon ein Missbrauchsfall ist. Wie oft ist denn nun "oft in katastrophalem Zustand"?
3. Übertriebene Regelungen im Internet / Antwort für Herbert
Bonde 20.08.2010
Leutheusser-Schnarrenberger will EU-Regelung gegen Web-Abzocker SPIEGEL ONLINE - 08.07.2010 Sabine Leutheusser-Schnarrenberger lässt nicht locker: Die Bundesjustizministerin drängt auf eine europäische Regelung gegen die Pest der Online-Abofallen und ähnliche bisher unzureichend reglementierte Graubereiche im Abzockraum des Webs. Zur Not sei Deutschland zum Alleingang bereit. Dieses Zitat als Antwort auf die übliche Politik-ist-Schuld Rede. Deutschland ist eben nicht allein, sondern Bestandteil der EU. Das macht Manches Schwieriger. Die Verbraucherrechte im Internet nehmen mittlerweile recht skurrile Züge an. Wenn ich das auf ein normales Ladengeschäft anwende, sieht das so aus: An jedem Regal hängen die AGB's, ich werde bei jedem Artikel darauf hingewiesen (notfalls per elektronischem System, dass ich auch Kosten für die Heimfahrt berechnen muss. Taxi Betrag x, Fahrkarte usw. An der Kasse werde ich darüber belehrt, ob ich die Artikel zurück geben darf oder (Macht sich gut während des Weihnachtsgeschäfts). Meine gekauften Waren probiere ich zu Hause aus. Ich benutze die teure Creme und verbrauche sie, ich höre die CD's und kopiere sie evtl., ich lese die Bücher, anschließend fahre ich in die Stadt gebe alles zurück, erhalte den kompletten Kaufpreis und mein Fahrgeld. Steht z.B.an einem Anhänger aus dem Bastelladen "gold" darf ich den Ladenbesitzer abmahnen, denn es ist ja kein Gold, sondern nur goldfarben. Hängen die AGB's nicht so aus, dass ich sie wirklich von allen Ecken des Geschäftes aus sehen kann - Abmahnung. Ich bin an der Kasse nicht über die Rückgabe aufgeklärt worden - Abmahnung. Die Verkäuferin konnte mir nicht auf 5% genau sagen wie die Zusammensetzung des Produktes ist - genau usw. Im Internet ist das normal.
4. unsinn
esopherah 20.08.2010
ist doch bullshit, die online händler sind meist winige nicht vertrauenswürdige psydogeschäfte. Ich glaub nicht, dass die händler das recht auf unversehrte ware irgenwo abgesprochen bekommen haben. Sie haben jetzt nur das selbe problem wie die kunden, die mussten kaputten lieferungen auch immer hinterherrennen, warum also nun der aufschrei? Damit das gesetz geändert wird und diese läden wieder wie früher betrügen können? Es gab nen grund für das gesetz, schon vergessen liebe online abzocker ?
5. ++
saul7 20.08.2010
Zitat von sysopVerschmutzte Kleider, eingedrückte Lippenstifte, getragene Ohrringe: Viele Käufer missbrauchen offenbar das Widerrufsrecht beim Online-Shopping. Laut einer DIHK-Umfrage wird jeder siebte Artikel zurückgeschickt, oft in katastrophalem Zustand. Die Kosten tragen die ehrlichen Kunden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,712884,00.html
Ich hoffe doch sehr, dass die Käufer so viel Anstand besitzen und die Klobürtsen nicht gebraucht an die Händler zurückschicken. ;-))Kein sehr soziales Verhalten....
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