Rücktritt von Obermann: Gehen, wenn man am schönsten aussieht

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René Obermann verlässt die Spitze der Telekom, bevor er seine vielen Versprechen eingelöst hat. Diese Kärrnerarbeit überlässt er lieber seinem Nachfolger. Ein ziemlich cleverer Schritt.

Wachwechsel: Noch-Chef Obermann (l.) und der kommende Mann, Timotheus Höttges Zur Großansicht
dapd

Wachwechsel: Noch-Chef Obermann (l.) und der kommende Mann, Timotheus Höttges

Die Studenten der Universität Düsseldorf wussten schon etwas früher, was Sache ist. Oder sie hätten es zumindest ahnen können. Als Gastprofessor René Obermann am 11. Juni ihnen etwas über die Innovationsstrategie der Deutschen Telekom erzählte, da gab er zugleich einen ungewöhnlichen Einblick in das Seelenleben eines müden Vorstandschefs. "Manchmal wünsche ich mir, in einem kleinen, innovativen Unternehmen zu arbeiten", sagte er. Immer nur bestehende Umsätze zu verteidigen, das sei ziemlich mühsam.

Jetzt hat Obermann genug von diesen Mühen. Er hat den Aufsichtsrat vorzeitig um die Auflösung seines Vertrags gebeten, der eigentlich noch bis 2016 gelaufen wäre. Und anders als bei so vielen anderen angeblich "freiwilligen" Rücktritten gibt es in diesem Fall kein Anzeichen, dass Obermann von den Eigentümern der Telekom zum Abschied gedrängt worden wäre. Dagegen spricht schon die Nachfolgeregelung: Timotheus Höttges, bislang Telekom-Finanzvorstand, mit 50 Jahren unwesentlich älter als Obermann und beruflich wie privat einer seiner engsten Weggefährten. Ein Kurswechsel verbindet sich mit diesem Führungswechsel ganz sicher nicht.

Es sind zwei Faktoren, die zu Obermanns vorzeitigem Abschied geführt haben dürften. Da ist zum einen jene latente Unlust am Konzernmanagement, die die Düsseldorfer Studenten zu spüren bekamen - und die auch in anderen Hintergrundgesprächen mit Obermann immer wieder aufblitzte. Die Zukunft, davon ist Obermann überzeugt, wird in kalifornischen Start-ups gemacht, nicht in den tiefgestaffelten Hierarchieebenen eines ehemaligen Staatskonzerns.

Auch Obermann selbst ist ja irgendwie nur hineingerutscht in diese Konzernwelt. Als Studienabbrecher gründete er einst seinen eigenen Mobilfunkvertrieb - und war so erfolgreich, dass man ihn 1998 zur Telekom holte, um den höheren Fernmeldebeamten einmal diese Sache mit den Handys zu erklären. Verstanden hat Obermann die Konzernwelt schnell. Geliebt hat er sie nie. Er braucht für sein Selbstwertgefühl keine Statussymbole und keine siegreich bestandenen Machtspielchen mit dem Aufsichtsrat.

So weit, so sympathisch. Doch nur weil Obermann die ungeschriebenen Konzerngesetze nicht hoch achtet, heißt das noch lange nicht, dass er sie nicht anzuwenden weiß. Und eines dieser Gesetze lautet nun einmal: Kündige deinen Abschied erst an, wenn deine Erfolge sichtbar sind - deine Misserfolge aber noch nicht. Einiges spricht dafür, dass dieser Punkt für Obermann ziemlich genau jetzt erreicht ist, und das ist der zweite Faktor:

  • In den USA versucht Obermann seit geraumer Zeit, die verlustträchtige Mobilfunktochter T-Mobile USA loszuwerden. Ein erster Verkaufsversuch an den Wettbewerber AT&T war im Jahr 2011 gescheitert. Jetzt soll die Fusion mit Metro PCS erst einen Börsengang und dann einen schrittweisen Ausstieg ermöglichen. Die Exit-Strategie steht also, doch auf dem Weg dahin kann noch viel schiefgehen. Erneute Abschreibungen auf T-Mobile USA wären dann die Folge.

  • Nach langem Zögern hat sich Obermann 2013 erstmals gegenüber dem Bund als wichtigstem Anteilseigner durchgesetzt und die viel zu üppige Dividende der Telekom um rund 30 Prozent herabgesetzt. Aus der richtigen Erkenntnis heraus, dass in einer so schnelllebigen Branche wie der Telekommunikation jeder Cent für Investitionen in Zukunftsgeschäfte gebraucht wird - und nicht um die Löcher im Bundeshaushalt zu stopfen. Obermann will das Geld vor allem in den Ausbau von Hochgeschwindigkeits-Datennetzen stecken. Das heißt aber auch, dass sich der Erfolg dieser Investitionen bald in einem steigenden Aktienkurs niederschlagen muss. Sonst wird auch der geduldigste Aktionär unruhig.
  • Obermann hat sich dabei sogar auf ein höchst konkretes Versprechen festgelegt. Ab dem Jahr 2014 sollen sowohl der zuletzt rückläufige Umsatz als auch das operative Ergebnis wieder steigen. Dieses Versprechen einzulösen, überlässt Obermann jetzt seinem Freund Höttges.

Seit einigen Jahren kommt es in der deutschen Politik immer häufiger vor, dass Männer (ja, meist sind es Männer) ihren Abschied einreichen, deren Wahlperiode noch läuft und die ihr Werk unvollendet zurücklassen. Der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust war so ein Typ. Womöglich hat dieses neue Lustprinzip jetzt auch die Wirtschaft erreicht: Nicht mehr warten, bis man aus dem Amt gebissen wird. Sondern gehen, wenn es aufhört, Spaß zu machen, und einfach etwas Neues anfangen. Das Prinzip Start-up eben. Womöglich hat im Fall Obermann aber auch ein cleverer Taktiker der Macht das Prinzip Konzern einfach noch besser verstanden als all jene, die sich an ihre Vorstandssessel klammern.

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insgesamt 42 Beiträge
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1. Schwachsinn..
Silversurfer2000 20.12.2012
zu glauben, Obermann ginge freiwillig
2. ???
egalglaubmir 20.12.2012
es sind nicht alle so dumm wie man glauben mag. Hr. Obermann ist sicher ein aussergewöhnlicher Manager der es geschafft hat einen Konzern wie die Telekom auf den richtigen Weg zu bringen. Firmen ausschlachten und die Rosigen verkaufen kann jeder, nachhaltig wirtschaften leider nicht.
3. Genug abgezockt...
derpublizist 20.12.2012
Zitat von sysopRené Obermann verlässt die Spitze der Telekom, bevor er seine vielen Versprechen eingelöst hat. Diese Kärrnerarbeit überlässt er lieber seinem Nachfolger. Ein ziemlich cleverer Schritt. Rücktritt von Telekom-Chef Obermann: Gehen, wenn man gut aussieht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ruecktritt-von-telekom-chef-obermann-gehen-wenn-man-gut-aussieht-a-874169.html)
...nachdem die Telekomaktionäre schon unter seinem unrühmlichen Vorgänger ihr Geld los wurden, kann sich Herr Obermann nunmehr mit 49 Jahren dem Multimillionärsleben mit seiner ZDF-Moderatorendame hingeben. Es kann den Telekomkunden wie auch den Aktionären völlig gleich sein, wer da oben seine Millionen scheffelt. Eigentlich völlig uninteressant, wieso, weshalb, warum er geht oder gegangen wird.
4. verlogen wie alle Manager in DAX Unternehmen
jan.lolling 20.12.2012
Zitat von sysopRené Obermann verlässt die Spitze der Telekom, bevor er seine vielen Versprechen eingelöst hat. Diese Kärrnerarbeit überlässt er lieber seinem Nachfolger. Ein ziemlich cleverer Schritt. Rücktritt von Telekom-Chef Obermann: Gehen, wenn man gut aussieht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ruecktritt-von-telekom-chef-obermann-gehen-wenn-man-gut-aussieht-a-874169.html)
Obermann hat in seiner Zeit ein Klima des unbedingten Kriechertums und Gehorsams eingeführt. Jegliche Kritik von unten war praktisch ein Jobkiller. Das der sich nun in ein kleines Unternehmen zurück wünscht ist blanker Hohn. Er hätte diese unsägliche Kricherkultur nicht einführen müssen, es war sein Werk! Die vielen Hierarchiebenen sind auch sein Werk, es hätte es ja locker in der Hand haben können hier zu entschlacken, aber nein. Nun tut dieser Bulldozer so als wäre er am Ende seiner Kräfte im Wirken für das Gute - einfach nur übel!
5. Wer Muttis Haushaltsgeld für den Spieleinsatz in Europa um 30 Prozent beschneidet...
Privatier 20.12.2012
Zitat von Silversurfer2000zu glauben, Obermann ginge freiwillig
...darf sicher sein, entfernt zu werden. Daß unserer teuersten Bundeskanzlerin aller Zeiten nicht der Weg offen steht, sich ein noch zahlungswilliger als die Deutschen Michel und Michelinchen die eigenen Europaphantasien unterstützendes Volk wählen zu können, ist bereits hart genug. MfG
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