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Rundumschlag: Daimler-Chef Zetsche rechnet mit der Politik ab

Da hat sich offenbar eine Menge Frust angestaut: Daimler-Chef Dieter Zetsche holt in einem Interview zum Rundumschlag gegen die Politik aus. Der Top-Manager kritisiert fast alle wichtigen Vorhaben - vom Atomausstieg bis hin zu Steuersenkungen.

Dieter Zetsche: "Die Türkei hat alles, was wir an asiatischen Staaten bewundern" Zur Großansicht
DPA

Dieter Zetsche: "Die Türkei hat alles, was wir an asiatischen Staaten bewundern"

Berlin - Dieter Zetsche ist einer der einflussreichsten Top-Manager des Landes. Nun hat sich der Daimler-Chef auch zu aktuellen politischen Fragen geäußert. In einem Interview mit der "Bild am Sonntag" kommt die Politik insgesamt, vor allem aber die Bundesregierung, gar nicht gut weg.

So muss ein konsequenter Sparkurs für Zetsche Vorrang vor Steuersenkungen haben. Er sagte, eine hohe Staatsverschuldung stelle in den USA wie auch in Europa das größte Risiko für den wirtschaftlichen Aufschwung dar. Wichtigste Aufgabe der Politik bleibe daher die Lösung der Haushaltsprobleme in den jeweiligen Ländern. "Für Unternehmen wie für Staaten gilt: Der Aufschwung muss genutzt werden für die Konsolidierung der Finanzen." Allerdings fügte er hinzu: "Zu wünschen wäre eine Vereinfachung des Steuersystems, weil sie zu mehr Effizienz und Gerechtigkeit führen würde."

Steuersenkungen fordert vor allem die FDP. Die Koalition will mittlere und kleine Einkommen in dieser Wahlperiode entlasten, allerdings verweist Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) beharrlich auf die hohe Verschuldung - so auch im SPIEGEL. Die SPD lehnt Steuersenkungen derzeit ab.

Nicht viel besser ist Zetsches Meinung zum vom Bundestag beschlossenen Atomausstieg. Der Manager befürchtet negative Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland und für die Arbeitsplätze. "Die Herstellung von Produkten mit höchstem Energiebedarf wie Karbonfasern oder Aluminium ist aus Kostengründen schon heute in Deutschland kaum noch möglich. Die Frage ist, ob künftig auch Produkte, die weniger energieintensiv sind, verlagert werden müssen", sagte er.

"Der Türkei die Tür nach Europa ganz weit öffnen"

Die von der Bundesregierung vorangetriebene Energiewende hält Zetsche für fahrlässig: "Der Bundestag hat in dieser Woche die Energiewende beschlossen, ohne dass die Folgewirkungen wirklich bekannt sind. In einem Unternehmen wie Daimler Chart zeigen würde über eine solche Weichenstellung nur in voller Kenntnis der Alternativen entschieden werden. Sonst können wir keine fundierte Entscheidung treffen. Das habe ich beim Thema Energiewende aber noch nicht gesehen. Es ist nicht auszuschließen, dass es funktioniert, wir wissen es aber noch nicht wirklich."

Zetsche sieht außerdem Defizite bei der Einwanderung hochqualifizierter Fachkräfte. Er bezeichnete es als "lebensnotwendig für die Zukunft Deutschlands, dass wir eine aktive Einwanderungspolitik betreiben. "Wir müssen Leistungsträger aus dem Ausland zu uns holen. Ich halte es daher aus humanistischen ebenso wie wirtschaftlichen Gründen für unverantwortlich, wenn hier ausländerfeindliche Stimmungen geschürt werden. Wir müssen ein Einwanderungsland werden", sagte der Daimler-Chef.

Auch bei der umstrittenen Frage einer Aufnahme der Türkei in die EU positionierte sich Zetsche klar: "Für mich ist es schlicht unverständlich, dass wir einen Tigerstaat wie die Türkei, der vor unserer Haustür liegt und zu uns kommen will, nicht hereinlassen."

Und weiter: "Die Türkei hat alles, was wir an asiatischen oder südamerikanischen Staaten bewundern: eine junge Bevölkerung, die wissbegierig und leistungsbereit ist. Wir haben Fabriken in der Türkei, die Vorzeigewerke weltweit sind. Daraus ergeben sich riesige Wachstumspotentiale für ein etwas behäbig gewordenes Europa. Wir müssten der Türkei die Tür nach Europa ganz weit öffnen statt immer neue Hindernisse zu errichten, bis eines Tages die Türkei sich von uns abwendet."

böl/Reuters/dapd

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1. .
recardo, 03.07.2011
Zitat von sysopDa hat sich*offenbar eine Menge Frust angestaut: Daimler-Chef*Dieter Zetsche*holt in einem Interview*zum Rundumschlag gegen die Politik aus.*Der*Topmanager*kritisiert fast alle wichtigen Vorhaben - vom Atomausstieg bis hin zu*Steuersenkungen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,772027,00.html
Na dann investieren sie doch in den Tigerstaat. Wir brauchen uns in Europa nicht nach überall ausdehnen, weil unbeherrschbar. Dann kann man nach meiner Meinung aus dem Projekt EU eher wieder aussteigen, so eine Unternehmung wird mir zu teuer. EU ist gross genug, Größenwahnsinn will ich nicht haben, dieser hier reicht schon völlig.
2. Daimler
Dschey 03.07.2011
War das nicht das Unternehmen das in Kenntnis aller Alternativen die Fusion mit Chrysler beschlossen hat ? War ja auch sehr erfolgreich die Geschichte. Die einseitig auf Gewinn fixierte Sichtweise eines Managers ist eben nichts für einen Staat, mal abgesehen davon das sich die großen Unternehmen und Ihre Manager schon seit Jahren nicht mit Ruhm bekleckern.
3. Wir werden ruiniert
Berd 03.07.2011
Zitat von sysopDa hat sich*offenbar eine Menge Frust angestaut: Daimler-Chef*Dieter Zetsche*holt in einem Interview*zum Rundumschlag gegen die Politik aus.*Der*Topmanager*kritisiert fast alle wichtigen Vorhaben - vom Atomausstieg bis hin zu*Steuersenkungen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,772027,00.html
Wo er Recht hat, hat er Recht. Unsere Politiker sind leider nur noch an ihrem Machterhalt interessiert - auch wenn sie damit unser Land letztlich ruinieren werden. Die Regierung Merkel wird als jene in die Gesellschaft eingehen, die den Anfangsstein gelegt hat zur Ruinierung dieses Landes. Erich Honecker triumphiert noch im Grabe durch diese Dame aus der Uckermark. Gruß berd
4. Hmm
newliberal 03.07.2011
Nach EU Süd-Ost-Erweiterung und Griechenland Bailout jetzt also Vollmitgliedschaft der Türkei und Einwanderungsland Deutschland. Die Nachfolgekosten für das weitestgehend gescheiterte Gastarbeiterexperiment sowie die komplett aus dem Ruder laufende "Integration" einiger Zuwanderergruppen in den Städten zahlt wer ???
5. ...
husker 03.07.2011
Zitat von sysopDa hat sich*offenbar eine Menge Frust angestaut: Daimler-Chef*Dieter Zetsche*holt in einem Interview*zum Rundumschlag gegen die Politik aus.*Der*Topmanager*kritisiert fast alle wichtigen Vorhaben - vom Atomausstieg bis hin zu*Steuersenkungen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,772027,00.html
Da spricht Herr Zetsche wahre Worte. V.a. in Bezug auf die aufstrebende Türkei.
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