RWE Bundesregierung billigt Dea-Verkauf an russischen Oligarchen

Die Abhängigkeit Deutschlands von Russland als Energielieferanten sorgt nicht erst seit der Ukraine-Krise für Kopfschmerzen. Trotzdem hat die Bundesregierung den Verkauf der RWE-Tochter Dea an einen russischen Investor jetzt genehmigt.

Bohrinsel von Dea: Hürde im Verkaufsprozess genommen
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Bohrinsel von Dea: Hürde im Verkaufsprozess genommen


Berlin/Essen - Die Bundesregierung hat den umstrittenen Verkauf der RWE-Öl- und Gas-Fördertochter Dea an eine Investorengruppe um den russischen Oligarchen Michail Fridman gebilligt. Das bestätigte ein Sprecher der Investorengruppe LetterOne am Freitag.

Die 5,1 Milliarden Euro schwere Transaktion gilt angesichts der Ukraine-Krise und der Rolle Russlands in dem Konflikt als heikel. Die Bundesregierung hat bei Außenhandelsgeschäften, die als politisch sensibel gelten, ein Mitspracherecht. Die Wettbewerbshüter der EU-Kommission hatten dem Verkauf bereits zugestimmt.

Die Hamburger RWE-Tochter mit rund 1400 Mitarbeitern fördert unter anderem in Deutschland, Norwegen, Großbritannien und Ägypten Öl und Gas und betreibt in Deutschland mehrere unterirdische Gasspeicher. RWE will das Geschäft noch in diesem Jahr abschließen. Der Firmenstandort Hamburg bleibe dabei erhalten, sicherte der Essener Konzern zu.

Versorgungssicherheit soll nicht gefährdet sein

Laut RWE beträgt der Anteil der Öl- und Gasförderung von Dea am deutschen Primärenergieverbrauch nur rund ein Prozent. Der Anteil der drei Gasspeicher in Bayern an der deutschen Gasreserve liegt dagegen bei immerhin rund 7,5 Prozent.

Der Erwerb von RWE Chart zeigen Dea durch LetterOne sei intensiv geprüft worden, und es seien keine Einwände erhoben worden, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Ausschlaggebend sei gewesen, dass es sich bei LetterOne um einen in der EU ansässigen Investor handele und auch keine Anhaltspunkte für eine missbräuchliche Umgehung erkennbar gewesen seien. LetterOne hat seinen offiziellen Sitz in Luxemburg. "Im Übrigen erwartet die Bundesregierung durch das Erwerbsvorhaben keine Beeinträchtigung der Versorgungssicherheit."

LetterOne verwaltet nach eigenen Angaben Vermögen und Beteiligungen, darunter Telekom-Unternehmen, im Wert von insgesamt 21,9 Milliarden Euro. Fridman, der als einer der reichsten Russen gilt, ist auch der Vorsitzende des Verwaltungsrats. Das Geld für Investitionen stammt unter anderem aus dem Verkauf seiner Anteile am Ölunternehmen TNK-BP an den staatlichen russischen Konzern Rosneft Chart zeigen für 55 Milliarden Dollar im Jahr 2012.

Ertragsperle mit Investitionsbedarf

RWE zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis: "Mit dieser Entscheidung haben wir eine Hürde im Verkaufsprozess genommen. Wir werden den Prozess jetzt planmäßig weiterverfolgen", sagte eine RWE-Sprecherin. Der Essener Konzern leidet unter den dramatisch gesunkenen Börsenstrompreisen und einer hohen Schuldenlast von gut 30 Milliarden Euro. Er braucht das Geld dringend zur Schuldentilgung.

Dea galt jahrelang als Ertragsperle im RWE-Konzern. Das Öl- und Gasfördergeschäft erfordert aber gleichzeitig Milliardeninvestitionen, die RWE in der aktuell angespannten Situation nicht mehr aufbringen konnte oder wollte. Der Verkauf führe zu einer "erheblichen Entlastung des künftigen Investitionsvolumens" und leiste so einen "wesentlichen Beitrag zur Stärkung der Finanzkraft", hatte RWE-Chef Peter Terium 2013 bei der Ankündigung der Verkaufspläne argumentiert.

mik/dpa-AFX

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eigene_meinung 22.08.2014
1. Absurd
Abgesehen von der politischen Absurdität dieses Geschäfts bedeutet der Geschäftssitz in Luxemburg einmal mehr ein Steuersparmodell zugunsten eines Großkonzerns, zulasten des deutschen Staates (und damit des deutschen Steuerzahlers). Toll!
hermannheester 22.08.2014
2. Achtung!
Bevor man sich über den Sinngehalt dieses Geschäftes Gedanken macht, sollte man sich mit den derzeitigen Aktivitäten von DEA befassen, die sich vermutlich schwerpnktmäßig auch auf russischem Gebiet mit der Förderung und dem Transport von Bodenschätzen befassen. Es nützt nichts, aus lauter Russlandallergie, die Pickel auszudrücken bevor es Anlass dazu gibt.
guki 22.08.2014
3. Zumindest sollte man im Wirtschaftsministerium
mal etwas abwartend verhalten bis so einige Differenzen mit Russland geklärt sind. Dass dieses Ministerium das abwarten kann, beweisen die vielen nicht genehmigten Rüstungsexporte. Da hat man ja auch einen sehr langen Atem. Aber der Minister ist ein roter!
andy2000münchen 22.08.2014
4. Lachhaft
Wird immer lächerlicher was unsere Bundesregierung macht. Eigentlich werden Sanktionen gefordert, dann lässt man RWE ein Geschäft mit Russland ausführen. Ich kann langsam unsere Politiker nicht mehr ertragen. Ich war auf dem Maidan, unsere und auch andere Europäer haben die Bevölkerung der Ukraine aufgestachelt, Hilfe zugesagt - und nun lässt man die ukrainische Bevölkerung im Stich, will keinen Ärger mit Russland. Vielleicht brauchen wir auch bald einen Maidan in Berlin.
gmbr 22.08.2014
5. Da haben wir es wieder!
Die deutsche Doppelmoral! Kann man nicht die Scheinheiligkeit bei seite legen und wenigstens dem eigenen Volk die Wahrheit servieren? Oder sind wir alle schon mitwissende die für sich das beste rausholen und den Gutmensch geben? Ist ja auch einfacher, gel!?
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