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RWE-Chef im Interview "Wir werden die Kernenergie noch lange brauchen"

Kraftwerk Biblis: "Wir werden eine Lösung finden"Zur Großansicht
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Kraftwerk Biblis: "Wir werden eine Lösung finden"

2. Teil: "Mich ärgert, wenn Atomkraftgegner Schlagzeilen machen"

SPIEGEL ONLINE: Ihre Kritiker halten Ihnen vor, dass Sie sich nur deshalb so massiv für die Atomkraft einsetzen, weil Sie möglichst schnell und möglichst sicher Ihre hohen CO2-Emissionen reduzieren wollen. In ganz Europa produziert kein Energieunternehmen so viel CO2 wie Sie.

Großmann: Stimmt: Wir wollen unsere CO2-Werte senken, innerhalb von vier Jahren von rund 180 Millionen Tonnen auf unter 140 Millionen Tonnen im Jahr. Aber werfen Sie mir doch nicht vor, mir ginge es nur eiskalt um den Profit. Wir müssen auch auf die Wettbewerbsfähigkeit unserer Kunden, sprich niedrige Strompreise, und eine möglichst hohe Versorgungssicherheit achten. Wenn wir weiter hohe CO2-Reduktionen anstreben, werden wir die Kernenergie noch lange brauchen. Das geht noch nicht mit Wind und Sonne alleine. Die Kernenergie spart in Deutschland 100 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Kernenergie und Kohle sind die Leistungsträger, die die Finanzierung der Erneuerbaren erst ermöglichen. Das sollte man bei der Konstruktion des Erneuerbare-Energien-Gesetzes auch beachten.

SPIEGEL ONLINE: Halten Sie es für sinnvoller, CO2 in die Erde zu pumpen, ohne die Folgen genau abschätzen zu können? Mit ihren vergeblichen Bemühungen, ein "Carbon capture and storage"-Kraftwerk (CCS) zu bauen, in dem CO2 unterirdisch gespeichert wird, haben Sie 2009 einmal mehr heftige Empörung ausgelöst.

Großmann: Weltweit wird die Kohle zur Stromerzeugung genutzt, in steigendem Maße. Allein deshalb müssen wir uns um das Thema CCS kümmern. Das kann für Deutschland ein Exportschlager werden. Wir dürfen dieses Thema nicht dämonisieren. CCS ist eine sichere Technologie - wenn man sie professionell anwendet. Schon heute wird an vielen Stellen der Welt CO2 unter die Erde gedrückt, um die Förderung von Öl und Gas zu verbessern.

SPIEGEL ONLINE: Trotzdem, es gab keine Akzeptanz für Ihren Plan.

Großmann: Die Menschen wollen die Segnungen der Neuzeit, sind aber zum Teil nicht bereit, Großtechnik in ihrem direkten Umfeld zu akzeptieren. Mit den Windrädern ist es doch das Gleiche. Die Leute sitzen in Juist am Strand und sagen: Guck mal, ein Schiff, wie schön. Aber wenn die Flügel eines Windrades am Horizont auftauchen, ist das scheußlich. Wir müssen deshalb unsere Offshore-Parks Dutzende Kilometer vor die Küste bauen und dann noch Ausgleichsflächen an Land ausweisen. In Kopenhagen stehen Windräder mitten in der Stadt - undenkbar in Deutschland.

SPIEGEL ONLINE: Investieren Sie deshalb so wenig in Windkraft hierzulande?

Großmann: RWE gehört bereits heute zu den größten Windkraftbetreibern in Deutschland. Und wir bauen das weiter aus. Insgesamt investieren wir über eine Milliarde Euro pro Jahr in die erneuerbaren Energien.

SPIEGEL ONLINE: Das ist gemessen an sieben Milliarden Euro Gesamtinvestitionen nicht viel.

Großmann: Von den sieben Milliarden Euro Konzerninvestitionen dienen wesentliche Teile auch der Erhaltung, zum Beispiel der Netze. Solche Investitionen müssen erfolgen. Zieht man diese von unseren Gesamtinvestitionen ab, dann beträgt der Anteil der erneuerbaren Energien an den Gesamtinvestitionen rund 30 Prozent.

SPIEGEL ONLINE: Sie klingen, als würden Sie von aller Welt missverstanden. Fühlen Sie sich als Buhmann?

Großmann: Ach was. Ich verstehe nur nicht, warum zum Beispiel in der Autoindustrie nationale Champions gefeiert werden, in der Energiewirtschaft aber große Unternehmen möglichst klein gemacht werden. RWE darf in Deutschland nicht mehr wachsen, keine Stadtwerke kaufen, obwohl wir die finanzielle Kraft und Kompetenz haben. Und mich ärgert, wenn Proteste von manchmal wenigen Atomkraftgegnern Schlagzeilen machen - nicht aber Demonstrationen von RWE-Azubis, die vor Biblis bei strömenden Regen für die Kernenergie und ihr Kraftwerk auf die Straße gehen.

SPIEGEL ONLINE: Der Konzern hat den Jugendlichen freigegeben und Busse organisiert, um sie von auswärts nach Biblis zu kutschieren.

Großmann: Nein - da war nichts vom Konzern "bestellt". Die Initiative ging von den jungen Leuten selbst aus. Sie haben den Tag organisiert. Sie haben für ihre Arbeitsplätze gekämpft, für eine sichere und emissionsarme Technologie - die Kernkraft.

Das Gespräch führte Anne Seith

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insgesamt 481 Beiträge
Jordan Sokoł 28.01.2010
Es darf nicht ein einziges Mal ein Störfall in der Größen- ordnung von Harrisburg oder Tschnernobyl auftreten. Allen Bürgern und erst recht den Atommanagern ist klar, daß Deutschland dann mit einem Schlag alle seine [...]
Zitat von sysopRWE-Chef Großmann verteidigt die Atomkraft, selbst wenn er dafür zum Buhmann der Nation wird. In Deutschland werde die Diskussion wie ein Glaubenskrieg geführt. Ist die deutsche Angst vor der Atomkraft übertrieben?
Es darf nicht ein einziges Mal ein Störfall in der Größen- ordnung von Harrisburg oder Tschnernobyl auftreten. Allen Bürgern und erst recht den Atommanagern ist klar, daß Deutschland dann mit einem Schlag alle seine Nachkriegs- errungenschaften abschreiben kann. Bei den in der Vergangenheit aufgetretenen Unzuverlässig- keiten samt der damit einhergehenden Vertuschungsanstren- gungen sehe ich keinen Vertrauensvorschuß hinsichtlich der beabsichtigten Laufzeitverlängerungen. - Unsere lieben Abgeordneten sollten in diesem Fall darauf bestehen, bei der anstehenden Abstimmung im Parlament den Fraktionszwang aufzuheben um ihrer inneren Stimme folgen zu können. Ge- lingt dies nicht, dann muß schon das Festhalten am Frak- tionszwang als rigorose Klientelpolitik bewertet werden, von der ein erhebliches Gefährdungspotential für unser Staatswesen ausgeht.
Chromlatte 28.01.2010
Ich denke in erster Hinsicht verteidigt der RWE Lakai sein eigenes Bankkonto - sonst nichts.
Ich denke in erster Hinsicht verteidigt der RWE Lakai sein eigenes Bankkonto - sonst nichts.
lateral 28.01.2010
Ein weiteres Beispiel für manipulative suggestive Fragestellung. Muss das denn sein?
Zitat von sysopRWE-Chef Großmann verteidigt die Atomkraft, selbst wenn er dafür zum Buhmann der Nation wird. In Deutschland werde die Diskussion wie ein Glaubenskrieg geführt. Ist die deutsche Angst vor der Atomkraft übertrieben?
Ein weiteres Beispiel für manipulative suggestive Fragestellung. Muss das denn sein?
sitiwati 28.01.2010
Deutschen laufend manipuliert sind, merkwürdig, wenn ein 8Jähriger auf dei Frage, wovor er am meisetn Angst hat, antwortet: vor der Atombombe habe ich am meisten Angst!
Zitat von lateralEin weiteres Beispiel für manipulative suggestive Fragestellung. Muss das denn sein?
Deutschen laufend manipuliert sind, merkwürdig, wenn ein 8Jähriger auf dei Frage, wovor er am meisetn Angst hat, antwortet: vor der Atombombe habe ich am meisten Angst!
LouisWu 28.01.2010
"Deutsche Angst"® ist weltweit führend bei der Antizipation von virtuellen Gefahren. Sie funktioniert völlig ohne Statistik, es genügt lediglich eine starke Phantasie um die Ablehnung dieser oder jener Technik zu [...]
Zitat von sysopRWE-Chef Großmann verteidigt die Atomkraft, selbst wenn er dafür zum Buhmann der Nation wird. In Deutschland werde die Diskussion wie ein Glaubenskrieg geführt. Ist die deutsche Angst vor der Atomkraft übertrieben?
"Deutsche Angst"® ist weltweit führend bei der Antizipation von virtuellen Gefahren. Sie funktioniert völlig ohne Statistik, es genügt lediglich eine starke Phantasie um die Ablehnung dieser oder jener Technik zu begründen, sei es jetzt Gentechnik oder Atomkraftwerke, oder die Versuche am LHC in der Schweiz. Alles, was der Mensch erdenkt, wird vom Deutschen erst mal auf apokalyptisches Potenzial abgeklopft. Besteht da auch nur eine Wahrscheinlichkeit, die minimal größer als Null ist, dann lehnt man sie vorsichtshalber erst mal vehement ab. (Das der Verbrennungsmotor in D erfunden wurde, kann ich eigentlich kaum glauben. Das Ding funktioniert mit Benzin!) Lesenswert: "Die Statistiklüge" "Ganz besonders dramatisch ist das in unserer Einschätzung von Schadstoffen und Pestiziden in der Nahrung. Wussten Sie, dass 99,99 Prozent davon natürlichen Ursprungs sind? Aber das interessiert die Medien nicht, und es interessiert auch die Verbraucher nicht. Beide schreien nur Alarm, wenn Menschen als Verursacher einer Gefahr identifiziert werden können, denn die Medien brauchen Sündenböcke. Und die Natur ist nun mal ein ganz schlechter Sündenbock. Daher werden natürliche Gefahren im Gegensatz zu künstlichen extrem unterschätzt." http://www.welt.de/vermischtes/article4090473/Beim-Lotto-koennen-kluge-Spieler-mehr-herausholen.html
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Zur Person
DPA
Jürgen Großmann, Jahrgang 1952, leitet RWE seit Oktober 2007. Der für seine klare Sprache bekannte Manager stammt aus Mülheim an der Ruhr und war vor seinem Wechsel in die Energiebranche in der Stahlindustrie tätig. Der 2,05 Meter große Dr. Ing. wurde vor allem als Sanierer der maroden Georgsmarienhütte bekannt, die er 1993 für den symbolischen Preis von zwei Mark vor dem Aus rettete. Großmann ist verheiratet und hat drei Kinder. Er ist begeisterter Skifahrer, Regatten-Segler sowie Gesellschafter des Zwei-Sterne-Restaurants "La Vie" in Osnabrück.

Der Konzern
Die RWE AG ist mit einem Umsatz von rund 49 Milliarden Euro nach E.on der zweitgrößte Energieanbieter Deutschlands. Der Konzern hat 66.800 Mitarbeiter. Weil fast zwei Drittel der Kraftwerkskapazität auf Braunkohle- und Steinkohlekraftwerke fallen, ist RWE der größte CO2-Emittent unter den deutschen Erzeugern.
Atom-Comeback
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Atomkraftwerke in Deutschland
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In Deutschland sind formal derzeit noch 17 Atomkraftwerke in Betrieb. Tatsächlich am Netz sind aber deutlich weniger: Brunsbüttel ist nach mehreren schweren Pannen seit weit mehr als einem Jahr abgeschaltet. Krümmel wurde nach einem Brand im Juni 2007 erst im Juni 2009 wieder hochgefahren. Der älteste Meiler, Biblis A, ist seit Ende Februar nicht mehr am Netz und wird derzeit gewartet. Der benachbarte Block Biblis B ist seit Januar 2009 wegen Revisionsarbeiten abgeschaltet. Das AKW Stade ging Ende 2003 außer Betrieb und wurde 2005 stillgelegt. Obrigheim ging Mitte 2005 außer Betrieb.
Vor-/Nachteile der Energieträger
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