Überangebot am Strommarkt RWE macht fast drei Milliarden Euro Verlust

Die Umwälzungen am Energiemarkt treffen RWE immer härter. Nach SPIEGEL-Informationen hat der Konzern im vergangenen Jahr gut 2,8 Milliarden Euro Verlust gemacht. Es ist das erste Minus seit Jahrzehnten - und die Aussichten für die Zukunft sind verheerend.

RWE-Kraftwerke in Hamm: Herbe Verluste
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RWE-Kraftwerke in Hamm: Herbe Verluste


Hamburg - Der Essener Energieriese RWE ist im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen gerutscht. Er wird das abgelaufene Geschäftsjahr mit einem Verlust von rund 2,8 Milliarden Euro abschließen. Das erfuhr der SPIEGEL aus Aufsichtsratskreisen des Konzerns. Die RWE-Kontrolleure hatten am Mittwoch getagt.

Das Geschäftsergebnis soll detailliert am kommenden Dienstag in Essen vorgestellt werden. In den vergangenen zwölf Monaten hatte RWE-Chef Peter Terium den Wert von Kraftwerken und Beteiligungen in der Bilanz bereits um insgesamt knapp fünf Milliarden Euro korrigieren müssen.

Teriums Vorgänger Jürgen Großmann hatte noch während des Booms bei den erneuerbaren Energien Milliarden in den Bau von Kohle- und Gaskraftwerken gesteckt. Nun rechnen sich diese Investitionen nicht mehr. Auf dem Strommarkt wächst das Überangebot. Einerseits erzeugen Wind-, Solar- und Biogasanlagen immer mehr Strom, andererseits laufen alte Kraftwerke einfach weiter. RWEs Großkraftwerke werden immer weniger Strom los - zu immer niedrigeren Preisen. Den Konzern trifft das hart. Er produziert allein in Deutschland pro Jahr gut 150 Millionen Megawattstunden Strom.

Während die Gewinne im Kerngeschäft verdampfen, entstehen an anderer Stelle nur langsam neue. Die erneuerbaren Energien trugen im ersten Halbjahr 2013 gerade 2,5 Prozent zum Betriebsergebnis bei. Viele RWE-Projekte in diesem Sektor floppten, weil dem Konzern das Know-how fehlte oder die Konkurrenz schlicht besser war.

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Grafiken: RWEs Niedergang
Sparkurs statt Konzernumbau

RWE-Chef Terium müsste den Konzernumbau beschleunigen. Doch sein Gestaltungsraum ist eng. Den Konzern drücken Schulden von mehr als 30 Milliarden Euro. Zudem fehlen ihm die Ideen für das Zukunftsgeschäft; seine Strategie für das Jahr 2020 bleibt an vielen Stellen vage.

Der Manager verlegt sich hauptsächlich aufs Sparen. Die Dividende wurde halbiert, die Gehälter eingefroren, ebenso die Investitionen, auch bei der Erneuerbaren-Energien-Tochter Innogy. Dutzende Kraftwerke und Tausende Jobs sind bedroht.

Doch ob der Schuldenabbau gelingen kann, ist fraglich. Analysten erwarten mittelfristig keine Steigerung der Profite, und der geplante Verkauf von Konzernteilen geht langsamer voran als geplant. Für die RWE-Tochter Dea etwa gingen Insidern zufolge gerade drei Angebote ein.

Die Bewertung von RWEs Bonität liegt nur noch drei Stufen über Ramschniveau. Kriegt Terium die Schulden nicht in den Griff, droht eine Spirale aus sinkenden Kredit-Ratings und steigenden Zinsen.

An der Börse hielt sich das Ungemach über die RWE-Zahlen dennoch in Grenzen. Die RWE-Aktie legte zuletzt sogar leicht zu. "Wir haben angesichts der hohen Sonderbelastungen bereits mit einem Verlust von über zwei Milliarden Euro gerechnet", sagte ein Analyst.

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insgesamt 264 Beiträge
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Seite 1
mustafa20 28.02.2014
1.
Zitat von sysopGetty ImagesDie Umwälzungen am Energiemarkt treffen RWE immer härter. Nach SPIEGEL-Informationen hat der Konzern im vergangenen Jahr gut 2,8 Milliarden Euro Verlust gemacht. Es ist das erste Minus seit Jahrzehnten - und die Aussichten für die Zukunft sind verheerend. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/rwe-macht-fast-2-8-milliarden-euro-verlust-a-956173.html
Wie wurden die Kritiker diffamiert - die nur rechnerische und physikalische Bedingungen genannt hatten. Die Wertvernichtung von jedem durch die Politik, sollte endlich ein Umdenken beim Wahlverhalten bringen.
karlsiegfried 28.02.2014
2. Geil
Ein guter Grund um die Strompreise drastisch zu erhöhen. Die Abnehmer des überflüssigen Stroms Niederlande und so weiter freuen sich schon jetzt auf ihre kostenlosen Zuteilungen aus Deutschland. Können unsere Politiker überhaupt noch denken oder befinden sich diese schon im Delirium der Macht.
seneca55 28.02.2014
3. Verlustes des RWEs wegen zuviel E-Strom ??
Die Merkelsche Energiewende hat anscheinend nicht nur die Verbraucher, sondern auch die Stomerzeuger unglücklich gemacht. In 2013 ist der Stromkonsum in Deutschland wegen zu hoher EEG-Strompreise um weitere 2% geschrumpft trotz Wirtschaftswachstum. Gleichzeitig wird mehr Strom produziert als je zuvor, so daß produzierter Strom ins Ausland verschenkt werden muss. Warum sinkt der Strompreis beim deutschen Verbraucher nicht, damit wieder mehr verbraucht werden kann und eine Balance zwischen Angebot und Nachfrage entsteht?
tdmdft 28.02.2014
4. Verlust mit Ansage
Wenn wir Deutschen systematisch dabei sind, die Energieunternehmen zu zerstören, brauchen wir uns über die Entwicklung auf der Strommarkt, besonders unsere Stromrechnung nicht beschweren. Besonders schwer wird es für as Ruhrgebiet, weil die Städte und Kommunen immer noch große Aktienpakete der einstigen Staatsunternehmen RWE und EON halten. Die Dividenden und die Gewerbesteuer sind fest in die Haushalte von Essen bis Dortmund eingepreist und werden jetzt wegbrechen. Natürlich dürfen die SPD Oberbürgermeister nicht gegen die Energiewende agitieren, deren Folge diese dramatischen Entwicklungen geschuldet wird. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein OB (zb Sierau aus Dortmund) sich wieder hinstellt, und den Soli Ost auch für die klammen Ruhrgebietsstädte zu fordern. Besser wäre es, endlich das planwirtschaftlich völlig verfehlte EEG abzuschaffen, weil wir sonst unsere Stromversorgung in massiv gefährden. Der letzte sollte verstanden haben, dass wenn kein Wind weht und es im Winter dunkel ist, wir alternative zu Wind und Solar brauchen. RWE und EON können finanziell diesen Service nicht länger ohne Entgelt zur Verfügung stellen: Die Strompreise werden explodieren und die Welt lacht uns aus: Japan fährt wegen des Deutschen Negativbeispiel einer verfehlten Energiewende schon die Kernkraftwerke wieder hoch.
wibo2 28.02.2014
5. RWE heißt "Rasch Wachsendes Elend"
Zitat von sysopGetty ImagesDie Umwälzungen am Energiemarkt treffen RWE immer härter. Nach SPIEGEL-Informationen hat der Konzern im vergangenen Jahr gut 2,8 Milliarden Euro Verlust gemacht. Es ist das erste Minus seit Jahrzehnten - und die Aussichten für die Zukunft sind verheerend. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/rwe-macht-fast-2-8-milliarden-euro-verlust-a-956173.html
Milliarden-Schulden, Gewinn-Absturz und kein Spielraum mehr für Investitionen, RWE ist in der Fiesen Falle. Der Aktienkurs des Traditionskonzerns ist in den letzten Jahren um 2/3 gefallen. Durch das EEG wird die Stromerzeugung weiter steigen und die Preis an der Börse weiter fallen. Wenn Eon, Vattenfall und RWE Pleite sind, wer sorgt dann für Stabilität der Stromversorgung? Nur Kohle-, Gas- und Kernkraftwerke können das Stromnetz stabil halten. Was für ein ein Unglück ohnegleichen droht dem gemeinen Volk durch das EEG demnächst?
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