Essen - RWE sieht sich auf Kurs: Deutschlands zweitgrößter Energieversorger hat von Januar bis September den Turbulenzen im Energiemarkt getrotzt. In den ersten drei Quartalen steigerte RWE das betriebliche Ergebnis um acht Prozent auf 4,6 Milliarden Euro. "Trotz schwieriger Rahmenbedingungen war 2012 bisher ein gutes Geschäftsjahr", schrieb Konzernchef Peter Terium in einem Aktionärsbrief.
Der Versorger erwarte nun für 2012 ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) und ein betriebliches Ergebnis mindestens auf Vorjahresniveau. Das ist eine leichte Anhebung - bisher war RWE davon ausgegangen, beide Werte würden "etwa so hoch sein wie im Vorjahr".
Auch das Nettoergebnis, an dem sich die Dividende orientiert, verbesserte RWE von Jahresanfang bis September um sechs Prozent auf 1,9 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Umsatz lag mit 38,4 Milliarden Euro um 0,5 Prozent darüber.
Erst am Dienstag hatte Konkurrent E.on
seine Prognose für das kommende Jahr zurückgenommen und damit seine Aktie auf Talfahrt geschickt.
Aktienkurs reagiert mit Anstieg
Allerdings sind die RWE-Zahlen etwas trügerisch: Im Vorjahr hatten hohe Sonderbelastungen aus dem Atomausstieg in Deutschland den Konzern belastet. Doch spiegelt das Ergebnis Konzernchef Terium zufolge auch "echte operative Verbesserungen" wider. Als Beispiel nannte er das Handelsgeschäft. Bei seinen Braunkohlekraftwerken profitierte der Konzern ebenfalls vom Atomausstieg: Die Stromerzeugung aus Braunkohle erhöhte sich in den ersten neun Monaten 2012 um neun Prozent.
RWE hatte zudem angekündigt, bis zu sieben Milliarden Euro durch Unternehmensverkäufe erzielen zu wollen. Mit dem Verkauf der Anteile am Berliner Versorger Berlinwasser, am Ölfeld "Edvard Grieg" und am britischen Kernenergie-Joint-Venture Horizon hat RWE bereits mehr als 1,6 Milliarden Euro davon erreicht. Terium sagte jedoch, die Rahmenbedingungen für weitere Firmenverkäufe seien schwieriger geworden. Der Konzern werde aber dennoch nichts unter Wert abgeben. Ob die Reduzierung der Schulden im angestrebten Ausmaß erreicht werden könne, sei deshalb noch nicht absehbar. Der Konzern plane deshalb weitere Kürzungen bei seinen Investitionen.
Die Börse reagierte erleichtert auf die Zahlen. Die RWE-Aktie
gewann mehr als ein Prozent an Wert und machte damit die Verluste wett, die sie am Vortag nach der überraschenden Gewinnwarnung von E.on erlitten hatte.
fdi/dapd/Reuters
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