Krise im Stromgeschäft RWE will 9000 Megawatt vom Markt nehmen

Der Energieversorger RWE will drei Kraftwerke in Nordrhein-Westfalen drosseln. Durch die Sparmaßnahmen sollen 180 Arbeitsplätze wegfallen.

Das Steinkohlekraftwerk in Hamm: Ein Block soll stillgelegt werden
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Das Steinkohlekraftwerk in Hamm: Ein Block soll stillgelegt werden


Essen - Deutschlands zweitgrößter Energieversorger RWE will deutlich weniger Strom produzieren. In Nordrhein-Westfalen sollen bis 2017 drei Kraftwerke teilweise stillgelegt werden. Außerdem habe das Unternehmen Bezugsverträge mit externen Anbietern über 500 Megawatt beendet, teilt RWE mit. Insgesamt will der Konzern in Europa 9000 Megawatt teilweise oder komplett vom Markt nehmen.

Betroffen sind zunächst das Braunkohlekraftwerk in Hürth und das Steinkohlekraftwerk in Hamm. In Hürth soll die Leistung um 110 Megawatt gedrosselt werden, in Hamm wird ein Block stillgelegt. Sollten sich die Marktbedingungen nicht ändern, werde auch der mit Steinkohle befeuerte Teil eines Kraftwerkblocks in Werne den Betrieb einstellen, kündigt RWE an. An den drei Standorten sind rund 640 Mitarbeiter beschäftigt. Durch die Stilllegungen sollen rund 180 Arbeitsplätze wegfallen. Das Unternehmen versprach, diesen Personalabbau "sozialverträglich" umzusetzen.

Der Energieversorger fürchtet wegen des Ende Juni verabschiedeten Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EGG) neue Millionenlasten: Wenn der von RWE selbst erzeugte Strom für den Braunkohle-Tagebau umlagepflichtig würde, könnten dreistellige Millionenlasten auf RWE zukommen, sagte Konzernchef Peter Terium bei der Präsentation der Halbjahreszahlen. Das sei nicht zu verkraften. Die Situation des Unternehmens sei ohnehin prekär genug.

Das EEG-Gesetz sieht vor, die Umlagebefreiung der Industrie für eigenen Stromverbrauch bis 2017 noch einmal zu überprüfen. Terium findet das unangebracht: "Wer Kartoffeln aus dem eigenen Garten isst, muss dafür auch keine Mehrwertsteuer zahlen."

Zehn Prozent Umsatzrückgang

Der Konzern kommt aus der Krise nicht heraus. Im ersten Halbjahr fiel der Umsatz um zehn Prozent auf rund 25 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging um ein Drittel auf 3,4 Milliarden Euro zurück. Damit erfüllte die Firma knapp die Erwartungen der Analysten.

Die schlechten Quartalszahlen gehen vor allem auf sinkende Preise im Stromgroßhandel und den milden Winter zurück. Die Großhandelspreise für Strom liegen laut RWE mittlerweile nur noch bei rund 3,5 Cent je Kilowattstunde. Der Preis habe sich in den vergangenen drei Jahren damit fast halbiert.

Im Vorjahr hatte eine Kompensationszahlung des russischen Gasriesen Gazprom über etwa eine Milliarde Euro das Ergebnis des Energieversorgers aufgebessert. Außerdem fehlen im laufenden Jahr die Ergebnisbeiträge von Unternehmensteilen, die verkauft wurden, etwa vom tschechischen Ferngasnetzbetreiber Net4Gas. Auch die Zahlen der Gasfördertochter Dea, deren Verkauf bis zum Ende des Jahres abgeschlossen sein soll, fließen nicht mehr in das bereinigte Ergebnis ein.

Durch den Verkauf der Unternehmensteile und den Sparkurs der Firma ging auch die Zahl der Mitarbeiter zurück: Im Juni arbeiteten 62.693 Menschen für RWE, vor einem Jahr hatte es noch weitere 5888 Beschäftigte gegeben.

Laut Zahlen der Bundesnetzagentur werde bis 2018 mehr Kapazität vom Netz genommen als durch Investitionen hinzukommt, sagte Terium. Für die Versorgungssicherheit verheiße dies "nichts Gutes".

vet/dpa/reuters/AFP

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realheadache 14.08.2014
1. EVU:Kraftwerke abschalten Geht nicht!
Wir können doch keine Kraftwerke in Deutschland abstellen, die Versorgungssicherheit muss doch sichergestellt werden. Die Atomkraftwerke schon gar nicht... ach Moment, das kostet uns Geld wenn wir die weiterbetreiben ? Na dann...*klick* Bigotte EVU ist da noch das allernetteste was mir einfällt.
JaguarCat 14.08.2014
2. Gut so
Ziel der Energiewende ist, dass weniger Strom aus endlichen fossilen Energieträgern (wie Braun- und Steinkohle) oder gar endlichen stellaren Energieträgern (z.B. Uran; das entsteht bei der Explosion von Sternen) gewonnen wird. Mit der Stilllegung der genannten Kraftwerke folgt RWE hier - spät - dem Impuls der Politik. Klar bleibt das Thema "Speicherung" auf dem Tisch, damit weniger "Schattenkraftwerke" weiterhin betriebsbereit gehalten werden, um nur an wenigen Tagen im Jahr Strom zu erzeugen, wenn der Bedarf besonders groß und die EE-Strom-Erzeugung besonders klein ist. Im letzten milden Winter dürfte die ganze "Kaltreserve" tatsächlich kalt geblieben sein. Jag
thorsten.brandt.et 14.08.2014
3. lächerlich, herr terium
jeder bürger kann auf eex transparency nachvollziehen, dass derzeit die 10-15gw g&d-kraftwerksleistung in D so gut wie nicht genutzt werden. wenn rwe jetzt blöcke vom netz nimmt die 30+ bis zu 50 jahre betriebsdauer haben - dann nennt man das abschaltung nach dem ende der normalen lebensdauer - wobei kraftwerke aus den 60-er jahren eigentlich schon lange abgeschaltet sein sollten ... solange rwe aber 3.3gw (!!!) an 300mw-braunkohle-blöcken aus den 50-iger (weisweiler) und 60-iger jahren weiterbetreibt - muss man wohl davon ausgehen, dass die konsoldierung aufgrund einer verfehlten reinvestionspolitik noch lange nicht abgeschlossen ist - und kraftwerke mit 50 jahren betriebsdauer weiter zu betreiben zeugt nicht gerade von "vorweggehen" sondern von einer betriebswirtschaftlichen ausrichtung die anachronisitscher ist als die so manchen schwellenlandes ... rwe hat sein hausaufgaben nicht gemacht und die abschaltung des gros der kraftwerkskapazität, die hier angeführt wird - z.B. in UK - war aufgrund der auflagen dort schon lange absehbar - wenn das hier keiner wahrgenommen hat - dann liegt das wohl eher an der miesen berichterstattung diesbezüglich ...
professorA 14.08.2014
4. Was soll das Geschrei?
Zitat von sysopGetty ImagesDer Energieversorger RWE will drei Kraftwerke in Nordrhein-Westfalen drosseln. Durch die Sparmaßnahmen sollen 180 Arbeitsplätze wegfallen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/rwe-muss-sparen-und-will-kraftwerke-teilweise-abschalten-a-986046.html
Das ist doch politisch so gewollt. Und das wird so weiter gehen bis zum ersten größeren Blackout, wenn nämlich die konventionelle Kraftwerkskapazität nicht mehr ausreicht, um die extremen Schwankungen beim Sonnen- und Windstrom mit der nachfrage in Einklang zu bringen.
jhea 14.08.2014
5.
Zitat von JaguarCatZiel der Energiewende ist, dass weniger Strom aus endlichen fossilen Energieträgern (wie Braun- und Steinkohle) oder gar endlichen stellaren Energieträgern (z.B. Uran; das entsteht bei der Explosion von Sternen) gewonnen wird. Mit der Stilllegung der genannten Kraftwerke folgt RWE hier - spät - dem Impuls der Politik. Klar bleibt das Thema "Speicherung" auf dem Tisch, damit weniger "Schattenkraftwerke" weiterhin betriebsbereit gehalten werden, um nur an wenigen Tagen im Jahr Strom zu erzeugen, wenn der Bedarf besonders groß und die EE-Strom-Erzeugung besonders klein ist. Im letzten milden Winter dürfte die ganze "Kaltreserve" tatsächlich kalt geblieben sein. Jag
Stellare Energieträger...? Also sowas wie Sternenmaterie? dennw ie wir wissen heisst stellar Stern... UND ein Stellarer Energieträger wäre Wasserstoff, der in Fusion zu Helium wird... Aber hauptsache ein Fremdwort genutzt :)
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