Dividende gestrichen RWE-Krise wird für Kommunen zum Albtraum

Der Energiekonzern RWE gehört zum großen Teil Kommunen in Nordrhein-Westfalen. Nun streicht das Krisenunternehmen Hunderte Millionen Euro an Dividende. Kämmerer sind entsetzt.

RWE-Chef Terium: Keine leichte Entscheidung
DPA

RWE-Chef Terium: Keine leichte Entscheidung


Der Energiekonzern RWE macht vor dem geplanten Konzernumbau Verlust. Für 2015 gab der Konzern an diesem Mittwoch unterm Strich ein Minus von 200 Millionen Euro bekannt. Zudem will RWE weitgehend die Dividende streichen. Das kam bei den Anlegern schlecht an. Die Aktie fiel zeitweise um zehn Prozent.

Dass der Konzern nun die Ausschüttung an die Aktionäre so gut wie streicht, trifft auch viele Städte und Gemeinden hart. Rund ein Viertel der RWE-Anteile wird von Kommunen gehalten. Besonders betroffen ist die Stadt Essen. Sie ist als wichtiger RWE-Standort zugleich Großaktionär. Kämmerer Lars Martin Klieve reagierte entsetzt auf die Ankündigung des Konzerns. "Das übertrifft meine schlimmsten Albträume", sagte er. Im Vorjahr hatte die Stadt 18,3 Millionen Euro Dividende von RWE eingenommen.

Essen habe erst Ende Januar einen Nachtragshaushalt mit 132 Millionen Euro zusätzlich für die Versorgung von Flüchtlingen vorgelegt, sagte der Kämmerer. Das Defizit der Stadt verzehnfache sich demnach von 3,4 auf 37 Millionen Euro. Nun fielen zusätzlich bereits eingeplante Millionen weg.

Der Kämmerer war von den RWE-Plänen vorab nicht informiert worden. Die kommunalen Aktionäre würden sich über die neue Situation und ihre Reaktion darauf abstimmen, sagte Klieve. Am 3. März tagt der RWE-Aufsichtsrat, in dem die Kommunen vertreten sind. "Das wird kein gemütliches Kaffeetrinken", kündigte Klieve an.

Kommunen wollten Garantie auf Ausschüttung

Im Vorjahr hatte RWE Chart zeigen noch eine Dividende von einem Euro pro Aktie gezahlt. Bereits 2014 hatte der Konzern mitgeteilt, es gebe keine Garantie auf eine Ausschüttung. Deren Berechnung solle sich auch an den operativen Mittelzuflüssen, der Verschuldung und der Ertragslage orientieren. Vor allem die überschuldeten Städte im Ruhrgebiet sind als kommunale RWE-Aktionäre auf die Dividendeneinnahmen angewiesen. Sie wollten den Dividendenbetrag von einem Euro als Untergrenze festschreiben, unabhängig vom Konzernergebnis.

Nun aber bekommen lediglich die Inhaber von Vorzugsaktien eine Dividende von 13 Cent je Anteilsschein. Der Großteil der Anleger mit Stammaktien geht leer aus. RWE hat nach eigenen Angaben lediglich 39 Millionen Vorzugsaktien ausgegeben, gegenüber 575,5 Millionen Stammaktien. "Vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen Perspektiven in der konventionellen Stromerzeugung haben wir heute eine Dividendenentscheidung getroffen, die uns nicht leicht fällt", begründete Konzernchef Peter Terium den Schritt.

RWE erwartet sinkenden Gewinn

Auch die Geschäftsprognose von RWE für dieses Jahr fiel negativ aus. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen soll 2016 von sieben auf 5,2 bis 5,5 Milliarden Euro sinken.

Wie der Konkurrent E.on leidet auch RWE unter den Folgen der Energiewende und fallenden Strompreisen. Als Reaktion auf die Krise des Konzerns will RWE das Zukunftsgeschäft mit erneuerbaren Energien, den Netzen und dem Vertrieb in eine neue Tochter abspalten und diese bis zum Jahresende an die Börse bringen. Das soll frisches Geld in die Kassen spülen.

mmq/dpa/Reuters



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 236 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
merkur08 17.02.2016
1. Tja, jetzt bekommen die Kommunen die Folgen der Energiewende zu spueren.
Vielleicht sollten die menschen in NRW endlich mal realisieren, dass die von Rot-Gruen besonders forcierte Energiewende und decarbonisierung der Wirtschaft besonders die Arbeisplaetze NRWsbetrifft. Rot-Gruen arbeitet schon hart daran den Industrieplatz deutschland und besonders NRW zu vernichten. Und werden auch noch von den Betroffenen gewaehlt. Jedes dumme Schaf sucht sich seinen Schlachter halt selbst aus.
kenterziege 17.02.2016
2. Die Politik wollte es doch so
Man wollte die Gebietsmonopolisten mit dem EEG in ihre Grenzen weisen. Da sind sie jetzt. Die werden eines Tages abgewickelt! Die unheilige Allianz zwischen den Kommunen und RWE & Co. war ohnehin schlimm. Ich wurde auf diese Weise in Meckenheim Rheinlnd. zum Bezug von Nachtstrom "gezwungen" , weil die Stadtentwicklungsgesellschaft Meckenheim für 10.000 Einwohner ein Neubaugebiet zentral ausgewiesen hatte und dabei für die Beiheizung eine Grundlast in JEDES zu vergebende Grundstück im Sinne der auschliesslichen Beheizung mit Nachtstrom von der RWE eintragen ließ. Das alles in gleichartigen Verträgen über einen Notar. Wer die Mangelsituation Anfang der 80er Jahre bezüglich der Grundstücke um Bonn herum kannte, der kann sich vorstellen, dass das für die Stadt Meckenheim und die RWE eine Goldgrube war. Dafür dürften dann die Mitglieder des Stadtrates eine Studienreise an den Amazonas machen: Energiegewinnung dort. Auf Kosten der RWE natürlich. Ich habe Null Mitleid mit den Stadtkämmerern und den betroffenen Gemeinden. So ähnlich verhält es sich leider auch mit dem EEG - nur das nun andere die Subventionen aus überhöhten Preisen einsacken! Wir sind ein Bananenstaat!
salkin 17.02.2016
3.
Sehr eigenartige Vorstellungen die die Kommunen hinsichtlich einer Dividendengarantie haben. RWE müsste wohl eher zusätzliches Geld in die Rücklagen stecken oder eine Kapitalerhöhung vornehmen um den Atomausstieg zu finanzieren. Offensichtlich hegen die Kommunen die Hoffnung, dass sie die vorhandene Liquidität zum stopfen ihrer Haushaltslöcher verwenden können und der Steuerzahler anschließend für die Entsorgung des Atommülls von RWE aufkommt.
claudilein 17.02.2016
4. Warum überhaupt Beteiligungen?
An der Stelle steht doch die Frage, warum Kommunen überhaupt Anteile an Wirtschaftsunternehmen halten, die ansonsten dem Markt unterworfen sind. Bei Wasserwerken, Wohnungsbau und anderen unmittelbar an die lokale Infrastruktur eng angebundenen Unternehmen ist es ja durchaus sinnvoll, aber bei einem Konzern, der weltweit operiert, liegt doch der Fehler in dem Halten von Anteilen und dem Einplanen von Gewinnen an sich. Es ist ja nun nicht so, dass Kommunen bei Infrastrukturentscheidungen von RWE groß mitreden können. Das Ergebnis ist Ineffizienz durch Filz ("Die Politik wird sich schon darum kümmern, dass es uns nicht zu schlecht geht" - siehe Kohlereserve) und daraus folgend irgendwann schlimme Einbrüche, wenn die Politik auch jahrelange Fehlentscheidungen nicht mehr aussubventionieren kann.
dani216 17.02.2016
5. Kommunen wollten Garantie auf Ausschüttung
Will ich auch !!!! Nur wenn dem armen Michel die Dividende gestrichen wird, kräht kein Hahn danach und keinen Politiker interessiert es - Aktien sind halt mit Risiko verbunden. Nur wenn es sie selbst mal trifft, ist das Geschrei groß obwohl auch hier der Steuerzahler es mal wieder alternativlos ausbaden darf.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.