Protest von Umweltschützern Tumulte auf der RWE-Hauptversammlung

Kohlekraftgegner haben bei der RWE-Hauptversammlung für Unruhe gesorgt. Konzernchef Terium verteidigte die Dividendenstreichung und bereitete die Aktionäre auf neue Risiken vor.

Demonstrantin während der RWE-Hauptversammlung
REUTERS

Demonstrantin während der RWE-Hauptversammlung


RWE durchlebt unruhige Zeiten. Das spiegelte sich auch auf der Hauptversammlung des Energieriesen wider, der gut die Hälfte seines Stroms mit Braun- und Steinkohlekraftwerken erzeugt. Dort kam es zu Tumulten. Während der Rede von Vorstandschef Peter Terium stürmten mehrere Demonstranten unter den Rufen "Eure Zeit ist abgelaufen" die Bühne. Auch vor der Essener Grugahalle hatten Umweltschützer gegen den Versorger demonstriert.

RWE Chart zeigen kämpft mit den Folgen der Energiewende: Der Ökostrom -Boom hat die im Großhandel erzielbaren Strompreise deutlich gedrückt - dabei fällt weniger ab für die großen Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke .

"Katastrophales Marktumfeld"

Angesichts der hohen Schulden und der unsicheren Aussichten bereitete Terium die Aktionäre darauf vor, dass RWE wohl Kreditwürdigkeit verlieren wird. "Die Ratings europäischer Energieversorger stehen aktuell unter massiver Beobachtung der Agenturen", sagte er. "Das gilt insbesondere auch für RWE, eine Herabstufung des Ratings ist wahrscheinlich." Darin spiegelten sich die Unsicherheiten über die Kosten für den Atomausstieg wider. "Wir stehen hier vor einem erheblichen finanziellen Risiko, und das in einem ohnehin schon katastrophalen Marktumfeld."

Terium verteidigte vor den Aktionären den weitgehenden Ausfall der Dividende: "Die Entscheidung war hart, aber sie war notwendig." Der Konzern hatte 2015 einen Verlust von 170 Millionen Euro eingefahren . Vorstand und Aufsichtsrat schlugen deshalb vor, den Vorzugsaktionären eine Dividende von 13 Cent je Aktie zu zahlen und den Stammaktionären gar nichts. Das trifft auch viele Kommunen in NRW, die einen Großteil der RWE-Aktien halten. Sie zeigten sich jedoch versöhnlich: Die Mehrheit von ihnen werde den Vorstand unterstützen, sagte Ernst Gerlach, Geschäftsführer des Verbandes kommunaler RWE-Aktionäre.

Neue Tochtergesellschaft soll frisches Geld bringen

Die sogenannten Zukunftsbereiche des Unternehmens wie erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze will RWE in eine neue Gesellschaft ausgliedern. Zehn Prozent dieser Tochter sollen im Herbst an die Börse gebracht werden und so frisches Geld für Investitionen bringen. Im Hauptkonzern bleiben künftig nur noch das angeschlagene Geschäft mit den Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken sowie der Energiehandel. Dennoch sei RWE "Hauptprofiteurin" der neuen Gesellschaft - denn der Konzern solle langfristig größter Eigentümer bleiben und so von den Dividenden der Tochter profitieren. Zudem könne RWE jederzeit weitere Anteile verkaufen, um sich frisches Geld zu beschaffen, argumentiert die Konzernspitze.

Terium selbst wird künftig an der Spitze der neuen Gesellschaft stehen, in der zwei Drittel der derzeit rund 60.000 RWE-Beschäftigten arbeiten werden. Die Führung der bisherigen RWE übernimmt der derzeitige Konzern-Vize Rolf Martin Schmitz.

kpa/dpa-AFX/Reuters

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