Expertenkommission Atomausstieg wird etliche Milliarden Euro teurer

Die großen Energiekonzerne sollen bis zur Belastungsgrenze für den Atomausstieg zahlen. Das empfiehlt die Expertenkommission in ihrem Abschlussbericht. Die Regierung gerät bei der Endlagersuche in Zugzwang.

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Reaktorbecken  eines Atomkraftwerks: Kosten hart an der Belastungsgrenze
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Reaktorbecken eines Atomkraftwerks: Kosten hart an der Belastungsgrenze


Die Reaktion an der Börse fällt überraschend positiv aus. Nachdem am Montag der Entwurf des Abschlussberichts der sogenannten Atomkommission kursierte, machten die Aktien der großen Energieversorger einen Sprung nach oben. Papiere von E.on stiegen zeitweise um fast sechs Prozent, Papiere von RWE um mehr als vier Prozent.

Aktienhändler begründeten die positive Reaktion damit, dass das von der Regierung eingesetzte Expertengremium die Kostenrisiken für die AKW-Betreiber begrenzen wolle. Doch ob der Aufwärtstrend hält, ist ungewiss.

Tatsächlich haben die Vorsitzenden der Atomkommission einen Plan ausgearbeitet, der die Versorger hart an ihre finanzielle Belastungsgrenze bringen würde. Besonders RWE käme in arge Bedrängnis, wenn die Bundesregierung dem Vorschlag von Jürgen Trittin (Grüne), Ole von Beust (CDU) und Matthias Platzeck (SPD) folgt.

Es sind vor allem drei Punkte, die den hoch verschuldeten und durch die Energiewende immer weniger profitablen AKW-Betreibern schwer zusetzen:

  • Die Reserven, die die Konzerne für den Atomausstieg gebildet haben, reichen nicht, glaubt die Atomkommission. Auf die Konzerne könnten zusätzliche Kosten von rund zehn Milliarden Euro zukommen.
  • Die Versorger bleiben auf einem Großteil der Risiken sitzen. Sie sollen den Rückbau der Atomkraftwerke und den Transport der nuklearen Abfälle weiterhin selbst stemmen. Die Kosten dafür beziffert die Atomkommission auf 30 Milliarden Euro. Wird es am Ende teurer, müssen die Unternehmen dafür allein geradestehen.
  • Die Konzerne müssen bis 2022 gut 18 Milliarden Euro in einen staatlichen Fonds einzahlen - und zwar in Cash. Bislang stecken die Rücklagen teilweise in Beteiligungen an Gas- und Kohlekraftwerken, die aufgrund eines steigenden Stromangebots kaum noch profitabel sind und immer stärker an Wert verlieren. E.on, RWE & Co werden nach Ansicht von Experten in den kommenden Jahren wohl weitere Milliarden auftreiben müssen. Geld, das dann für den Konzernumbau fehlt.

Auch für die Bundesregierung ist der Vorschlag der Atomkommission unbequem. Das Risiko für die Kosten eines Atomendlagers läge künftig komplett beim Steuerzahler. Die Kosten sind bereits jetzt um mehrere Milliarden Euro höher als ursprünglich geplant, weil die Regierung sich seit Jahren darum drückt, einen Standort für ein Endlager festzulegen. Damit die Kosten nicht explodieren, müsste die Regierung bei der Endlagersuche nun Ernst machen.

Trittin, Beust und Platzeck wollen ihren Plan an diesem Dienstag der 19-köpfigen Atomkommission präsentieren. Diese soll dann darüber abstimmen. Spätestens am 3. März wollen die Experten der Regierung ihren Abschlussbericht vorlegen.

Die Atomkommission hat einen Arbeitsauftrag, der einer Quadratur des Kreises gleicht: Sie soll die Finanzierung des Atomausstiegs sichern, ohne die angeschlagenen Energiekonzerne in die Insolvenz zu stürzen. Denn dann müssten die Steuerzahler die Kosten des Ausstiegs größtenteils alleine stemmen.

Die Bundesregierung muss dem Vorschlag der Kommission nicht folgen. Möglich, dass manch ein Investor darauf spekuliert, dass der jetzige Vorschlag nur die Maximalforderung ist - und dass er in den noch ausstehenden Verhandlungsrunden weiter abgeschwächt wird.

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insgesamt 83 Beiträge
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Seite 1
bstendig 22.02.2016
1. Unfassbar -
das läuft wieder mal drauf raus, dass der Steuerzahler "alternativlos" die Rechnung bezahlen soll. Aber nicht mit mir meine Lieben. Bevor nicht jeder Aktionär sein letztes Hemd verkauft hat, gibt's von mir nichts. Solange die Sache gut lief, hat man ja auch gerne die Gewinne mitgenommen. Das ist jetzt eben Pech. Und by the way: Eine Expertenkommission wo Trittin und Platzeck dabei sind - was ist das?
tempus fugit 22.02.2016
2. Wer definiert...
... ...Belastungsgrenze, wenn die 100e-Mia- Gewinne seit Jahrezehnten verteilt wurden, statt was zurückzulegen? Wenn die Börse anzieht ist das bei dem ganzen Atomsch.... eher ein Nachweis, dass - wieder mal - die Politik über'n Tisch gezogen wurde/wird. Und wenn selbst SPON nach Jahren Diskussion für Rückbau und Endlager immer noch nicht den Unterschied zwischen Rücklagen und Rückstellungen gerafft hat - na ja...
kayakclc 22.02.2016
3. Politikversagen
Leider haben wir seit 50 Jahren die Diskussion über das Endlager. Selbst Rot/Grün, die den Ausstieg beschlossen hatten, hatten sich weggeduckt und nicht einmal einen Fahrplan beschlossen. Jetzt wurde mal eine Kommssion eingesetzt, die "ergebnisoffen" suchen soll, obwohl es keine Gegenargumente gegen Gorleben gibt. Keiner will ein Endlager vor seiner Haustür. Nur die Entscheidung muss politisch gefällt werden, und die Folgekosten für das drücken vor der Verantwortung unserer Volksvertreter muss der Steuerzahler tragen. Man könnte sofort mit der Verwendung von Gorleben starten und viel Geld sparen. Die Energieunternehmen müssen den Rückbau und Entsorgung der Kernkraftwerke übernehmen. Verzögerung bei der Entlagersuche geht auf kosten der Politik und damit zurecht auf unsere Kosten, weil wir Bürger die Entscheidung seit Jahren verhindern.
wauz 22.02.2016
4. Es gibt nur Zwischenlager
Eine Endlagerung ist Illusion. Selbst wenn man den Strahlungsmüll tief vergräbt, schafft das nur Probleme, wenn man eingreifen muss. Die Asse beweist das deutlich. Es wird nichts anderes übrig bleiben, als den vorhendenen Abfall immer wieder umzuziehen und neu zu verpacken. Weil dadurch aber Arbeitsgerät usw. kontaminiert wird, wird der Berg immer größer...
hmueller0 22.02.2016
5. Grosse Überraschung
Zitat: "Das Risiko für die Kosten eines Atomendlagers läge künftig komplett beim Steuerzahler. Die Kosten sind bereits jetzt um mehrere Milliarden Euro höher als ursprünglich geplant, weil die Regierung sich seit Jahren darum drückt, einen Standort für ein Endlager festzulegen." Na das kommt nun aber völlig unerwartet. Nicht nur, dass der Steuerzahler Jahrelang die Atomstrom-Förderung (+Risiken) zahlen durfte, jetzt darf er auch für die Lagerung des Apfalls blechen. Wer hätte das gedacht. Und das die Kosten mehr werden als angenommen, ist doch mittlerweile guter Ton. Da Merkel als Ministerin schon selbst einige Mrd beim Endlager-Thema in den Sand gesetzt hat, wird die Sache auch nicht günstiger machen. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass es so etwas wie ein "Sicheres ENDlager" wohl ohnehin nie geben wird - bei den Zeiträumen über die wir da speachen. Evtl. maximal ein vorerst sicheres Übergangslager.
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