Energiewende: RWE und E.on geben britische AKW-Pläne auf

Für die Energiekonzerne E.on und RWE ist bald weitgehend Schluss mit Atomkraft. Nach dem erzwungen Ausstieg in Deutschland begraben die beiden Unternehmen nun auch ihre gemeinsamen Pläne für neue Kernkraftwerke in Großbritannien. Entscheidend dürften vor allem die Kosten gewesen sein.

Atomkraftgegner vor dem AKW Biblis: Das Kernkraftwerk wurde 2011 abgeschaltet Zur Großansicht
dapd

Atomkraftgegner vor dem AKW Biblis: Das Kernkraftwerk wurde 2011 abgeschaltet

Essen/Düsseldorf - Sie träumten von einer Kernkraft-Renaissance: Bis zu sechs neue Reaktoren wollten die Energieriesen E.on und RWE gemeinsam errichten - und zwar in Großbritannien. Doch nun ist der Traum ausgeträumt. Am Donnerstag gaben die Konzerne ihre Pläne offiziell auf.

Das gemeinsame Konsortium Horizon Nuclear Power solle verkauft werden, teilten E.on und RWE mit. Zur Begründung verwiesen sie unter anderem auf die hohen Kosten der Projekte.

Die Energieriesen hatten 2009 angekündigt, in Großbritannien mehrere Meiler zu errichten. Doch nach dem beschleunigten Atomausstieg in Deutschland mit dem Aus für gewinnbringende Atomkraftwerke etwa in Biblis und Unterweser sitzt das Geld nicht mehr so locker. "Der Rückzug von E.on und RWE ist sehr enttäuschend", sagt der britische Energieminister Charles Hendry.

"Es ist weiterhin attraktiv - nur nicht für uns"

E.on-Vorstandschef Johannes Teyssen begründete den Rückzug strategisch: "Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass Investitionen in Erneuerbare, dezentrale Erzeugung und Energieeffizienz attraktiver sind - für uns ebenso wie für unsere britischen Kunden", sagte Teyssen dem "Handelsblatt".

Bei der Entscheidung in Großbritannien sei es nicht um die Frage gegangen, ob sich die Investitionen in neue Kernkraftwerke am Ende rechnen, sagte Teyssen. Das dürfte weiterhin der Fall sein. E.on habe aber für sich entschieden, dass der Konzern die für Großbritannien zur Verfügung stehenden Investitionsmittel sinnvoller einsetzen könne. "Es ist weiterhin attraktiv - nur nicht für uns", sagte Teyssen.

Seit der Gründung von Horizon hätten sich die Rahmenbedingungen entscheidend verändert, erklärte die britische RWE-Tochter npower. Infolge der Wirtschaftskrise sei Kapital für Großprojekte knapp geworden. Das gelte vor allem für AKW-Neubauten, die lange Vorlauf- und Amortisationszeiten hätten. Der beschleunigte Atomausstieg in Deutschland habe den Spielraum eingeschränkt.

E.on verfolgt nach eigenen Angaben derzeit noch ein AKW-Projekt in Finnland, an dem es über ein Konsortium beteiligt ist. Bislang sei noch keine Investitionsentscheidung gefallen, sagte ein Sprecher.

Bei RWE Chart zeigen gibt es nach dem Aus in Großbritannien dagegen keine Atomprojekte mehr. Zuletzt war der Essener Konzern aus Projekten in Bulgarien und Rumänien ausgestiegen. An einem AKW-Neubau Borssele II in den Niederlanden hat RWE nach Angaben des künftigen Vorstandsvorsitzenden Peter Terium derzeit auch kein Interesse.

stk/Reuters/dpa/AFX/dapd

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1. Aufgewacht.
tumatsch 29.03.2012
Zitat von sysopFür die Energiekonzerne E.on und RWE ist bald weitgehend Schluss mit Atomkraft. Nach dem erzwungen Ausstieg in Deutschland begraben die beiden Unternehmen nun auch ihre gemeinsamen Pläne für neue Kernkraftwerke in Großbritannien. Entscheidend dürften vor allem die Kosten gewesen sein. Energiewende: RWE und E.on geben britische AKW-Pläne auf - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,824627,00.html)
Na also. Jetzt gehts endlich in die richtige Richtung.
2. ...
amerlogk 29.03.2012
Ob's daran liegt das Großbritannien inzwischen keine Subventionen für AKWs mehr locker macht? Ups... doch nicht rentabel und zukunftsweisend der Atomschrott.
3. Die Ausreden sind ja wohl lachhaft
gucky2009 29.03.2012
"Es ist weiterhin attraktiv - nur nicht für uns" Soll heißen: Wenn es jemand schaft alle Risiken wie Kostensteigerungen und Konventionalstrafen auf den Staat abzuwälzen und dann noch 100% Bürgschaft bekommt wird er auch mit AKW's noch gutes Geld verdienen.
4. Steuerfreie Rückstellungen nach Fukushima
mr future 29.03.2012
Zitat von tumatschNa also. Jetzt gehts endlich in die richtige Richtung.
werden jetzt schneller zuhause benötigt als ehedem ausgekungelt. Das zügelt den Wirtschaftsimperialismus unserer 4 Versorger - "Besatzungsmächte". Um nicht gleich alles in den Rückbau stecken zu müssen lässt man verlauten, dass es günstiger sei, die AKWs erstmal auskühlen zu lassen bevor man sie in grüne Wiese verwandelt. re future
5. Genau !
Jonny_C 29.03.2012
Zitat von tumatschNa also. Jetzt gehts endlich in die richtige Richtung.
Und wenn die "wirklich & ehrlich" dahinter stehen (weiss man noch nicht ?) dann würde es etwas werden mit der Energiewende in Deutschland. Genug Knowhow ist bei RWE und E.ON jedenfalls vorhanden......
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  • Donnerstag, 29.03.2012 – 17:36 Uhr
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Kernreaktoren
Thermischer Reaktor
DPA
In einem Kernreaktor kommt die Kettenreaktion durch Neutronen zustande, die bei der Kernspaltung entstehen und ihrerseits weitere Urankerne spalten. Dazu müssen sie allerdings abgebremst werden. Dazu ist ein sogenannter Moderator notwendig, bei dem es sich in den meisten thermischen Reaktoren um gewöhnliches Wasser handelt, manchmal auch um sogenanntes schweres Wasser oder Grafit.
Brutreaktor
In Brutreaktoren wird ein Gemisch von Uran- und Plutoniumoxid, der sogenannte Mox-Brennstoff, verwendet. Natürliches Uranerz besteht nur zu 0,7 Prozent aus dem spaltbaren Isotop Uran-235, den Rest macht das nicht spaltbaren Uran-238 aus. In einem Brutreaktor wird aber Uran-238 zu Plutonium-239 umgewandelt. In Wiederaufbereitungsanlagen kann das Plutonium abgetrennt und dann als Kernbrennstoff wiederverwendet werden. Auf diese Weise gewinnen Brutreaktoren aus dem vorhandenen Uran in etwa 30 Mal mehr Energie als Leichtwasserreaktoren.

Zur Kernspaltung werden nicht abgebremste, sondern schnelle Neutronen verwendet, weshalb auch vom "schnellen Reaktor" die Rede ist. Da sie allerdings mit geringerer Wahrscheinlichkeit neue Kernspaltungen auslösen, muss das Spaltmaterial im Vergleich zum thermischen Reaktor höher konzentriert werden - was wiederum dazu führt, dass es im Inneren von Brutreaktoren heißer wird als etwa in Leichtwasserreaktoren. Deshalb wird als Kühlmittel auch nicht Wasser, sondern in der Regel flüssiges Natrium verwendet.

Dies führt gemeinsam mit der enorm hohen Giftigkeit von Plutonium zu großen Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Brutreaktoren. Hinzu kommt das zusätzliche Risiko der Transporte von strahlendem Material zwischen den Schnellen Brütern, Aufbereitungsanlagen und thermischen Reaktoren.
Uran und Plutonium in Atomwaffen
DPA
Bei einer Uranbombe, wie sie die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg über Hiroshima gezündet haben, reichte es bereits, eine Halbkugel des spaltbaren Materials auf einen Dorn zu schießen, die zusammen die kritische Masse für eine Atomexplosion erreichten. Mit Plutonium aber funktioniert dieses sogenannte Kanonenprinzip nicht.

Terroristen müssten stattdessen zum technisch weit anspruchsvolleren Implosionsprinzip greifen: Um eine Kugel aus spaltbarem Material sind mehrere Schichten Sprengstoff angeordnet. Die Explosionsenergie komprimiert das Plutonium so stark, dass die erforderliche Dichte erreicht und die Kettenreaktion eingeleitet wird.

Ob Plutoniumdioxid aus einem Kernreaktor für eine solche Bombe geeignet wäre, hängt von mehreren Faktoren ab. "Für die Qualität für die Waffennutzung ist es zum Beispiel wichtig, wie lange der Brennstoff im Reaktor war", sagt der deutsche Atomexperte Egbert Kankeleit. Im Grunde müssten die Terroristen in der Lage sein, das Pulver in Plutoniummetall umzuwandeln. "Wer die entsprechenden chemischen Kenntnisse hat, kann das schaffen." Die größere technische Hürde sieht Kankeleit in der Konstruktion einer Implosionsbombe. "Aber wenn man Hilfe von der richtigen Seite bekommt, etwa aus Pakistan, wäre auch das kein Problem.