Börse Atomurteil treibt Kurse von Energiekonzernen in die Höhe

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Brennelementesteuer lässt die Aktien der Atomkonzerne stark steigen. Die Unternehmen können mit Milliardenrückzahlungen rechnen - nebst sechs Prozent Zinsen.

Handelssaal der Frankfurter Börse
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Die Aktienkurse der deutschen Energieversorger haben am Mittwoch stark vom Urteil des Bundesverfassungsgerichts profitiert. RWE und E.on notierten bis zu sechs Prozent im Plus und zählten damit zu den Gewinnern an den deutschen Börsen. Damit erreichten beide Aktien ihre Jahreshöchststände.

Der Grund für den Anstieg der Kurse: Das Gericht hat die sogenannte Brennelementesteuer für verfassungswidrig erklärt. Die Steuer auf Kernbrennstoffe in Atomkraftwerken gab es sechs Jahre lang von 2011 bis 2016. Für alle Brennelemente, die neu im Reaktor zum Einsatz kamen, waren je Gramm 145 Euro fällig. Nun können die Energiekonzerne mit milliardenschweren Steuerrückzahlungen rechnen. Das Bundesfinanzministerium hat angekündigt, die dadurch eingenommenen rund 6,3 Milliarden Euro mit Zinsen an die Atomkonzerne zurückzuzahlen.

E.on teilte am Mittwoch mit, das Unternehmen gehe von einer Erstattung der Steuerzahlung in Höhe von rund 2,85 Milliarden Euro zuzüglich Zinsen von rund 450 Millionen Euro aus. RWE erklärte, man habe seit 2011 rund 1,7 Milliarden Euro Steuer gezahlt.

RWE-Aktien stiegen seit Jahresbeginn um 60 Prozent

Damit setzen die Aktien der Energiekonzerne ihren Aufwärtstrend seit Jahresbeginn fort: Aktien von RWE haben seitdem um rund 60 Prozent zugelegt, die Papiere von E.on stiegen um 23 Prozent.

Einige Bankanalysten glauben nun, dass die Kurse der Versorgeraktien weiter steigen dürften, zahlreiche Analysten haben ihre Kursprognosen angehoben. Die Analysten von Goldman Sachs etwa empfehlen, E.on-Aktien zu kaufen. Durch die Rückerstattung der Steuern könne das Unternehmen schneller als geplant seine Schulden abbauen und eine höhere Dividende an seine Aktionäre ausschütten.

Die genaue Höhe der Zinsen der Rückzahlungen des Bundes an die Konzerne steht aber noch nicht fest. Grundsätzlich gilt, dass pro Jahr sechs Prozent anfallen, heißt es aus dem Finanzministerium. Bei den Zahlungen handle es sich um eine einmalige Belastung des Bundeshaushaltes in diesem Jahr. Die geplanten Steuererleichterungen von 15 Milliarden Euro würden erst von 2018 an wirksam.

hej/dpa-AFX



insgesamt 29 Beiträge
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Hans-DieterRuffer 07.06.2017
1. Eine Ohrfeige für Schäuble
Wieder einmal wurde diese Regierung vom Verfassungsgericht vorgeführt -- eine Ohrfeige für Schäuble! Sie können es einfach nicht!
gekreuzigt 07.06.2017
2. Das kostet den Steuerzahler
kaum mehr als eine Kugel Eis im Jahr. So langsam kommt zusammen mit dem günstigen EEG doch ein kleiner Eisbecher zusammen.
alice-b 07.06.2017
3. Nun ist...
bereits bekannt um wie viel weniger die Steuerentlastung ausmachen. Wer ist da der Verursacher: Der Gesetzgeber, der in Aktionismus ein Gesetzt verabschiedet hat, dass der Verfassung nicht stand hält. Ich frage mich, weshalb sitzen so viele Juristen in all unseren Ministerien oder hört die Politik nicht auf sie?
jtrch 07.06.2017
4. zu früh gefreut
Das Geld wird nicht ausbezehalt sondern als Garantie für den AKW Rückbau zurückbehalten, schönen Tag ihre Regierung.
K.Hexemer 07.06.2017
5. soviel Eis....
Zitat von gekreuzigtkaum mehr als eine Kugel Eis im Jahr. So langsam kommt zusammen mit dem günstigen EEG doch ein kleiner Eisbecher zusammen.
können sie gar nicht essen! Die EEG Subventionen summieren sich inzwischen auf einen größeren Betrag als die Steinkohlesubventionen jemals gekostet haben!
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