RWE-Pläne Umweltschützer fürchten neue Ölbohrungen in Kieler Bucht

Bis in die neunziger Jahre wurde in Schleswig-Holstein Öl aus dem Boden gepumpt. Nun will die RWE-Tochter Dea den Betrieb alter Ölfelder wieder aufnehmen. Umweltschützer sind entsetzt.

RWE Dea

Kiel - Beim Stichwort Öl denkt man in Deutschland eher an Fördertürme in den Golfstaaten oder Texas. Doch auch in Schleswig-Holstein wurden bis in die neunziger Jahre Ölfelder ausgebeutet - und die will das Unternehmen RWE Dea jetzt reaktivieren.

Erste Bohrungen könnten 2015 beginnen, es müssten noch Anträge gestellt und behördlich bewilligt werden, bestätigte ein Konzernsprecher einen Bericht der "Kieler Nachrichten". Neue Fördertechniken und der gestiegene Ölpreis hätten die Altfelder wieder attraktiv gemacht. Es gehe um etwa 660.000 Tonnen Öl, die so noch gefördert werden könnten.

Nach Angaben des Kieler Umweltministeriums hat RWE Chart zeigen Dea für das gesamte Vorhaben eine Umweltverträglichkeitsprüfung zugesagt. Es handelt sich unter anderem um das Offshore-Gebiet Schwedeneck-See in der Kieler Bucht sowie um Ölfelder an Land in Preetz und Plön-Ost.

Die Umweltorganisationen BUND und Nabu kündigten massiven Widerstand an, insbesondere gegen eine Wiederaufnahme der Förderung in der Kieler Bucht. "Das Projekt Schwedeneck ist grauenhaft", sagte BUND-Landesgeschäftsführerin Ina Walenda den "Kieler Nachrichten". Nabu-Geschäftsführer Ingo Ludwichowski verwies auf Schutzgebiete vor Schwedeneck für Schweinswale und Eiderenten. Auch Politiker von SPD, Grünen und SSW wandten sich aus ökologischen und ökonomischen Gründen gegen die Wiederaufnahme der Ölförderung.

"Im Zuge der weiteren Planungen sucht RWE Dea den direkten Kontakt zur Bevölkerung und informiert aktiv über die Projekte", versicherte der Konzernsprecher. Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Kiel, Jörn Biel, forderte eine ideologiefreie Diskussion. Das Öl sei bis zur Jahrtausendwende ohne Umweltverschmutzung gefördert worden. Angesichts der hohen Umweltstandards in Deutschland sei davon auszugehen, dass dies auch künftig der Fall sei.

dab/dpa



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insgesamt 74 Beiträge
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rotertraktor 06.08.2013
1. Neidisch auf BP
Nachdem BP so erfolgreich den Golf von Mexico in ein ökologisches Armageddon verwandelt hat, möchte man bei RWE wohl auch endlich mal so richtig die (Umwelt-)Sau rauslassen. Die Tatsache, dass RWE mit dem rheinischen Braunkohlentagebau schon den größten Feinstaubemittenten Europas betreibt und nebenbei dafür mit dem Hambacher Forst den ältesten naturbelassenen Wald im Rheinland vernichtet, reicht wohl noch nicht, um im globalen Konzert der Umweltsäue so richtig mitgrunzen zu können. ---Zitat von sysop--- "Im Zuge der weiteren Planungen sucht RWE Dea den direkten Kontakt zur Bevölkerung und informiert aktiv über die Projekte", versicherte der Konzernsprecher. Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Kiel, Jörn Biel, forderte eine ideologiefreie Diskussion. ---Zitatende--- Zum Thema empfehle ich folgende Doku: The Big Fix - BP Deepwater Horizon Oil Spill Cover up - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=_KgFBciS_X0) Da RWE diese Doku sicher nicht in ihre "aktive Information" aufnehmen wird, sollen sich die vom "direkten Kontakt" zu RWE heimgesuchten Bürger das Video schon vorher anschauen, bevor sie von RWE in deren "ideologiefreier Diskussion" über den Tisch gezogen werden.
susann.ammann 06.08.2013
2. Ölförderung in der Nordsee
Schleswig-Holstein besteht nicht nur aus Kieler Bucht und Ostsee. Hier in Friedrichskoog fördert RWE Dea aus der Mittelplate Öl direkt durch das Wattemmeer ohne das Probleme bekannt sind.
warndtbewohner 06.08.2013
3. Bund und Nabu
warum geht ihr nicht eure Freunde von den Grünen an die gerade mit der wirtschaftfreundlichen SPD gemeinsame Sache im Bund machen. Ihr habt anscheinend immer noch nicht kapiert das die Grünen lieber auf Posten und Pensionen aus sind als auf die Umwelt wenn`s drauf ankommt. Doof bleibt doof!
Savoyen 06.08.2013
4. Konstruktiv
Zitat von rotertraktorNachdem BP so erfolgreich den Golf von Mexico in ein ökologisches Armageddon verwandelt hat, möchte man bei RWE wohl auch endlich mal so richtig die (Umwelt-)Sau rauslassen. Die Tatsache, dass RWE mit dem rheinischen Braunkohlentagebau schon den größten Feinstaubemittenten Europas betreibt und nebenbei dafür mit dem Hambacher Forst den ältesten naturbelassenen Wald im Rheinland vernichtet, reicht wohl noch nicht, um im globalen Konzert der Umweltsäue so richtig mitgrunzen zu können. Zum Thema empfehle ich folgende Doku: The Big Fix - BP Deepwater Horizon Oil Spill Cover up - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=_KgFBciS_X0) Da RWE diese Doku sicher nicht in ihre "aktive Information" aufnehmen wird, sollen sich die vom "direkten Kontakt" zu RWE heimgesuchten Bürger das Video schon vorher anschauen, bevor sie von RWE in deren "ideologiefreier Diskussion" über den Tisch gezogen werden.
Ich finde es gut, dass Sie, ganz anders als das RWE, die Diskussion um unsere Energieversorgung so offen und konstruktiv gestalten. Insbesondere Ihren zahlreichen Vorschläge zu den alternativen Möglichkeiten finde ich außerordentlich interessant. Diese sehr sachliche und auch ungewöhnlich differenzierte Betrachtungsweise ist beispielgebend, um das komplexe Thema umfassend und ohne jede ideologische Verzerrung zu diskutieren. Da ich in unmittelbarer Nähe des Hambacher Forst wohne, möchte ich noch ergänzend hinzufügen, dass der Abraum des Hambacher Forst zur sog. 'Sophienhöhe' aufgeschüttet wird, die als Naherholungsgebiet gestaltet wird und auf der bereits ein Biotop entstanden ist, dass in seiner Artenvielfalt den alten Hambacher Forst um Längen übertrifft. Das wußten Sie bestimmt auch, haben aber leider, leider vergessen, es zu erwähnen.
walter.m 06.08.2013
5. Verdienst oder Leiden?
Ich glaube, daß es den Ölförderern gut geht, sollte oberste Maxime sein. Was bringt so ein Säugefisch volkswirtschaftlich an Gewinn und Steuern ein? Wir sollten außerdem bedenken, daß diese Firmen Gelder der öffentlichen Hand beanspruchen können, daß das also eigentlich öffentliche Förderquellen sind mit privatwirtschaftlicher Gewinnabschöpfung, weil Politiker, wenn es denn mal Geld gibt, sogenannte So-Da-Bauten erstellen lassen. So umgehen kluge Politiker, die staatliche Fördergelder geben und dafür keine Gewinne wollen, die Notwendigkeit Geld für Blödsinn auszugeben, klug, nicht wahr? Wenn Politiker dies wieder erlauben, dann muß zwingend Geld abgeschöpft werden, weil das Öl allen in Deutschland lebenden Menschen gehört, soll heißen, nur Steuern zu zahlen, reicht nicht aus. Das erzielte Geld muß den Einwohnern Deutschlands zur Verfügung gestellt werden, natürlich abzüglich der entstehenden Kosten und eines Gewinns von etwa 5%, das dann RWE zusteht. Davon werden noch umweltreinigende Maßnahmen abgezogen, sollten diese anfallen. Außerdem müssen Manager, die davon profitieren, an den Ort der Arbeiten ziehen, damit sie eventuellen Umweltschäden direkt ausgesetzt sind, natürlich mitsamt der Familie, weil meistens keine Umweltschäden auftreten, wenn doch, diese keine gesundheitlichen Schäden auslösen können. Das Gleiche muß gelten bei Flughäfen, wer als Politiker oder Gutachter sagt, das alles sei nicht gesundheitsschädlich muß mitsamt der Familie genau unter eine Flugschneise ziehen. Auch bei neuen Autobahntrassen oder Änderungen des Schienenverlaufs entstehen solche nicht gesundheitsschädigende Dinge, die dem Gemeinwohl zuträglich sind. Also Hauptforderung: Genehmiger und finanzielle Nutznießer ziehen an der Ort, der geschädigt wird.
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