Streiks bei Ryanair Schluss mit dem Billig-Wahn!

An diesem Freitag legen Ryanair-Mitarbeiter Hunderte Flüge lahm. Der Ausstand wird den Billigflieger endlich dazu zwingen, seine Beschäftigten besser zu behandeln - und vielleicht sogar den Chef von Bord zu schicken.

SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Ryanair-Chef Michael O'Leary ist für seine deftigen Sprüche bekannt. Doch was er vergangenen September den eigenen Mitarbeitern entgegenschleuderte, war selbst für ihn starker Tobak. Eher werde die "Hölle zufrieren", drohte er, als dass unter seiner Ägide Tarifverträge mit Gewerkschaften abgeschlossen würden.

O'Leary sollte sich schon mal warm anziehen. Denn etwas anderes, als die verhassten Vereinbarungen mit Arbeitnehmervertretern einzugehen, dürfte ihm nach der Streikwelle seiner Piloten in gleich vier europäischen Ländern an diesem Freitag kaum übrigbleiben.

Der Ausstand ist eine tiefe Zäsur, nicht nur für das Unternehmen, sondern für die gesamte europäische Luftfahrtbranche. Es war O'Leary, der mit seiner zynischen und teilweise menschenverachtenden Dumpingpolitik und Kostendrückerei in den vergangenen Jahrzehnten den Kurs der Branche bestimmte. Billig, billiger, am billigsten hieß der Schlachtruf, mit dem auch noch die letzten Stubenhocker in die blau-gelben Röhren der irischen Fluglinie gelockt wurden. Wenn dieser Schlachtruf durch den Streik verstummen würde, wäre das eine gute Nachricht.

Wettbewerbsvorteil zu Lasten der Mitarbeiter

Ryanair-Chef O'Leary
REUTERS

Ryanair-Chef O'Leary

Lange mussten Konkurrenten wie Lufthansa oder Air France den Preisen von Ryanair hinterherhecheln und selbst Billigableger gründen. So tief wie bei Ryanair konnten die Löhne bei ihnen allerdings nie sinken, weil sie an der europäischen Tradition festhielten, dass Gewerkschaften und gewählte Belegschaftsvertreter bei Gehältern, Arbeitszeit und der Festlegung von Mindeststandards bei den Arbeitsbedingungen mitreden.

Nicht mehr und nicht weniger verlangen nun auch die Ryanair-Piloten und -flugbegleiter - zu Recht. Indem O'Leary und seine Manager sich so lange davor gedrückt haben, haben sie ihrer Firma einen Wettbewerbsvorteil verschafft - zu Lasten der eigenen Mitarbeiter. Die dadurch erwirtschafteten Sondergewinne landeten auf den Konten der Aktionäre.

Damit dürfte nun bald Schluss sein. Piloten sind im Moment rar und begehrt. Sie zu verprellen käme am Ende noch teurer. Ryanair muss also wohl oder übel einlenken - ob mit oder ohne O'Leary. Der kokettierte früher häufig mit der Idee, als Ryanair-Chef auszusteigen, war dann aber doch immer wieder geblieben. Nun könnte der Zeitpunkt für seinen Abschied tatsächlich gekommen sein.

Im besten Fall kann dieser Streik ein Wendepunkt für die Branche sein: Weg von der Devise, immer billiger fliegen zu wollen, hin zu mehr Respekt für die Mitarbeiter - und damit am Ende auch für die Kunden.



insgesamt 143 Beiträge
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Fräulein P. 10.08.2018
1. Zwei Herzen, ach...
Auf der einen Seite verstehe ich natürlich die Anliegen der Angestellten und wünsche ihnen Erfolg. Auf der anderen Seite habe ich als nicht wohlhabender Mensch von diesem "Billiger billiger" sehr profitiert, ich hätte mit meinen Kindern nie soviel von der Welt entdecken können, gäbe es die Billigflieger nicht. Dann wird wohl in Zukunft die Fliegerei wieder etwas für die Besserverdienenden werden, die Zahl der Flüge wird abnehmen, was ja ökologisch gut ist. Trotzdem gibt es auch ein kleines Bedauern bei mir.
butzibart13 10.08.2018
2. Billig bis zur Schmerzgrenze
Durchhalten, Michael O´Leary. Irgendwann kommt wie bei den Autos das selbstfliegende Flugzeug und dann kann man auf die "Taxifahrer der Lüfte, die man wie Zitronen auspressen kann" verzichten. Im Ernst, was Ryanair mit seinen Piloten macht, ist Ausbeutung der der übelsten Art. Zudem gab es oft irgendwelche Vorfälle technischer Art bei Ryanair, die diese Fluglinie nicht gut aussehen ließ. Es ist ein Rätsel, dass auch aufgrund der Ausfälle durch Streik und der sonstigen aufgetretenen Ungereimtheiten, auch evtl. angefallenen, aber nicht gezahlten Rückerstattungsansprüchen, so viele Leute noch mit dieser Fluglinie fliegen wollen. Ich hätte bei deren Bedingungen ein äußerst mulmiges Gefühl, in den Flieger einzusteigen.
gluonball 10.08.2018
3. Ja, ja die alte Leier
Aber Menschen die nicht diese Streikmacht haben werden weiter ausgebeutet. Zweiklassengesellschaft eben.
berlinger22 10.08.2018
4. Scheinselbstständige Piloten
Interessant ist ja das Beschäftigungsmodell: Viele Piloten bei Ryanair sind scheinselbstständig, arbeiten gegen Rechnung. Deutsche Behörden bringen jeden deutschen Kleinspediteur gnadenlos vor Gericht und lassen ihn aburteilen (und die Sozialabgaben bis zum Offenbarungseid nachbezahlen), wenn ernur eine handvoll Fahrer als Selbstständige beschäftigt – an den irischen Groß-Spediteur wagen sie sich aber nicht heran. Ich verbeiße mir weitere Kommentare.
frankfurtbeat 10.08.2018
5. es ist ...
es ist schon der Wahnsinn wenn man für unter 100 € eine europäische Hauptstadt anfliegen kann und das auch noch gut findet. Gleichzeitig wundert man sich über zunehmende Umweltschäden oder der Fluglärm nervt ... die extreme Mobilität ist mit der Auslöser für viele Probleme des Planeten und die deutsche Industrie liefert dazu seit Jahrzehnten ihren Beitrag.
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