Tarifstreit beim Billigflieger Ryanair drohen Streiks zu Ostern

Ryanair will "den lächerlichen Forderungen" der Piloten nicht nachgeben: Airline-Chef O'Leary richtet sich auf Arbeitskampf ein - für Passagiere könnte das unangenehm werden.

Ryanair-Maschine in London
REUTERS

Ryanair-Maschine in London


Ryanair macht sich nach dem Streit der vergangenen Monate auf weitere Konflikte mit der Belegschaft gefasst. Sein Unternehmen werde den lächerlichen Forderungen der Piloten nicht nachgeben, sagte Konzernchef Michael O'Leary bei der Vorlage der jüngsten Quartalszahlen.

Zu Ostern drohten Streiks, sagte der Manager. Doch Ryanair Chart zeigen sei bereit, die damit verbundenen Beeinträchtigungen hinzunehmen. Kurz vor Weihnachten hatte Europas größte Billigfluglinie weitreichende Streiks noch in letzter Minute abwenden können.

Die Beschäftigten kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen und eine höhere Bezahlung und hielten 25 Maschinen Ende 2017 vorübergehend am Boden. Schließlich gab der Konzern dem Druck der Piloten aber nach und erkannte eine gewerkschaftliche Vertretung zumindest teilweise an. Unter anderem für die zehn Basen in Deutschland steht eine Einigung aber noch aus.

In der Vergangenheit hatte O'Leary jegliche Verhandlungen mit Gewerkschaften abgelehnt und stattdessen mit lokalen Pilotenvertretungen innerhalb des Unternehmens gesprochen.

Hoher Gewinn trotz Annullierungen und Streiks

Die aktuellen Ansprüche der Piloten stellte der Konzernchef als überholt dar. Ihre Forderungen stammten aus vergangenen Zeiten, als die Branche von Ineffizienz geprägt gewesen sei. Damit spielt er auf Verträge und Gehälter bei traditionellen Fluggesellschaften an, die gerade Ryanair seit Jahrzehnten angreift.

Die Piloten halten O'Leary entgegen, sie wollten nur dieselben Bedingungen, die anderen Billigfliegern wie Easyjet entsprechen. Einige Ryanair-Flugkapitäne hatten sich zuletzt über eine vergiftete Arbeitsatmosphäre und mangelndes Vertrauen zwischen Belegschaft und Konzernführung beschwert.

Auch abseits des Tarifstreits fiel die Billigfluglinie mit Problemen auf: Im Herbst musste das irische Unternehmen wegen Personalengpässen Tausende Flüge streichen. Die Fluggesellschaft begründete das mit "Schwierigkeiten mit der Planung des Jahresurlaubs" der Piloten.

BBC-Dokumentation: Kampf der Billigflieger - Ryanair vs. easyjet

Trotz aller Schwierigkeiten konnte Ryanair im vergangenen Quartal seinen Nettogewinn um zwölf Prozent steigern. Zwischen Oktober und Dezember erwirtschaftete die Fluggesellschaft eigenen Angaben zufolge ein Plus von 106 Millionen Euro. Der Umsatz wuchs um vier Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Zudem kündigte Ryanair an, Aktien im Wert von 750 Millionen Euro zurückkaufen zu wollen.

O'Leary sprach von einem "sehr schwierigen dritten Quartal". Die Passagierzahlen wuchsen in dem Zeitraum um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr - insgesamt strebt die Fluggesellschaft für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr 130 Millionen Passagiere an. Das wäre ein Anstieg um acht Prozent im Vergleich zum vorherigen Geschäftsjahr.

Für das Sommergeschäft dämpfte Konzernchef O'Leary jedoch die Erwartungen: Ryanair teile nicht den Optimismus der Konkurrenz, dass es in der wichtigen Saison mit den Flugtarifen aufwärtsgehe. Ryanair-Papiere gaben daraufhin an der Börse nach. In Europa waren die Ticketpreise zuletzt unter anderem wegen der Pleite von Air Berlin gestiegen.

apr/Reuters/AFP/dpa



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