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11. September 2018, 13:28 Uhr

Billigflieger

Ryanair droht streikenden Piloten mit Stellenabbau

Deutsche Ryanair-Piloten wollen erneut streiken, die irische Billigfluglinie reagiert mit derselben Drohung wie in der Heimat: Bei anhaltendem Arbeitskampf werde man Jobs ins Ausland verlagern. Gewerkschafter zeigen sich dennoch kämpferisch.

Die irische Billigfluglinie Ryanair hat erneut ihre harte Linie gegenüber Gewerkschaften deutlich gemacht. Ryanair drohte mit einem Stellenabbau in Deutschland, sollte es weitere Pilotenstreiks geben. Solche Arbeitskampfmaßnahmen würden zur Streichung von Standorten und Stellen für Piloten und Flugbegleiter führen, teilte das Unternehmen mit. Die Gewerkschaften Vereinigung Cockpit und Ver.di hatten zuvor zu einem 24-Stunden-Streik ab Mittwoch aufgerufen.

Ryanair bezeichnete dies als unnötig und inakzeptabel und forderte seine Beschäftigten auf, am Mittwoch zur Arbeit zu erscheinen. Man habe bereits örtliche Verträge und eine verbesserte Bezahlung angeboten, daher gebe es keine Rechtfertigung für die "Störungen". Die Airline bezog sich in ihrer Mitteilung auf die angekündigten Pilotenstreiks, übertrug die möglichen Konsequenzen eines Jobabbaus aber auch auf das Kabinenpersonal.

Ryanair schrieb nach eigenen Angaben am Dienstagmorgen seine Passagiere an und versprach, alles für die Einhaltung der für Mittwoch angesetzten Flüge zu tun. Zugleich bot die Fluggesellschaft kostenlose Umbuchungen auf andere Tage an.

Im Juli hatte Ryanair bereits seinen Beschäftigten in Irland mit einer Verlagerung in Niedriglohnländer gedroht. So solle die Flotte in Irland verkleinert werden - zugunsten von Arbeitsplätzen in Polen, hieß es. Die Airline begründete die Entscheidung unter anderem mit rückläufigen Buchungen wegen der Pilotenstreiks in Irland.

Die Arbeitnehmerseite zeigte sich kämpferisch. "Es wird für Ryanair am Mittwoch sehr schwierig, noch Flugzeuge aus Deutschland zu bewegen", sagte der Sprecher der Vereinigung Cockpit (VC), Markus Wahl. Ver.di will weitere Streiks folgen lassen, wenn Ryanair kein Entgegenkommen zeigt. "Das ist ein erster Warnstreik. Wie es weitergeht, hängt vom Verhandlungsverlauf ab", sagte Ver.di-Vorstandsmitglied Christine Behle.

Die Gewerkschaft rechnet damit, dass 300 bis 350 Flüge betroffen sein könnten. Ryanair habe an den zwölf Basen in Deutschland rund tausend Flugbegleiter, davon seien 700 Leiharbeitnehmer, so Ver.di-Verhandlungsführerin Mira Neumaier. "Der größte Teil von ihnen ist inzwischen bei uns organisiert."

Bruttogehälter um die 1000 Euro

Neumaier nannte das Tarifangebot für die Flugbegleiter nach zwei Verhandlungsrunden völlig unzureichend. Es habe nur "sehr wenig Bewegung in nur kleinen Einzelpunkten gegeben". Das Basisgehalt solle nach dem Ryanair-Angebot über drei Jahre um nur einen Euro angehoben werden. Für vollzeitbeschäftigte Ryanair-Flugbegleiter liege es derzeit zwischen 800 und 1200 Euro brutto monatlich. Mit Flugstundenvergütung und Zuschlägen kämen sie auf etwa 1800 Euro, die Crewleiter auf 2700 Euro. Das Niveau liege um etwa tausend Euro unter vergleichbaren Billigfliegern wie Easyjet .

Der größte europäische Billigflieger hat an elf deutschen Flughäfen mehr als 40 Flugzeuge stationiert, rund ein Zehntel seiner Flotte. An den deutschen Basen sind rund 400 Piloten und tausend Flugbegleiter beschäftigt. Unter den Piloten gibt es nach VC-Einschätzung etwa ein Drittel, das nicht direkt bei Ryanair angestellt ist und daher nicht mitstreiken kann. Für Ver.di ist es der erste Streik bei Ryanair.

Nach Angaben von Ver.di haben alle Kabinenbeschäftigten irische Arbeitsverträge. Diese sicherten zum Beispiel keine Entgeltfortzahlung bei Krankheit ab und erlaubten eine kurzfristige Versetzung an jeden anderen Ryanair-Standort in Europa.

Bei der ersten Streikwelle am 10. August hatten die deutschen Piloten gemeinsam mit Kollegen aus den Niederlanden, Belgien und Schweden die Arbeit niedergelegt. Die Airline hatte in der Folge rund 400 Verbindungen abgesagt, rund ein Sechstel des für diesen Tag geplanten Europa-Programms. Betroffen waren damals rund 55.000 Passagiere.

dab/ele/dpa/AFP

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