Billigfluglinie Ryanair EuGH verbietet Trickserei beim Arbeitsrecht

Die Billigfluglinie Ryanair muss künftig akzeptieren, dass Mitarbeiter in ihrem jeweiligen Land für ihre Arbeitsrechte vor Gericht ziehen. Die Bedingungen für die deutsche Belegschaft könnten sich dadurch verbessern.

Ryanair-Maschine
AFP

Ryanair-Maschine


Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat Ryanair dazu verurteilt, Klagen von Mitarbeitern in deren jeweiligen Land zu akzeptieren, anstatt solche Streits vor irischen Gerichten auszutragen.

Hintergrund ist, dass im Jahr 2011 sechs Arbeitnehmer in Belgien vor Gericht für ihre Rechte kämpften. Ryanair ist eine Gesellschaft irischen Rechts mit Sitz in Irland. Bislang wollte das Unternehmen Rechtsstreits mit Mitarbeitern aus anderen EU-Ländern in Irland ausfechten. Der EuGH hat das nun unterbunden - was auch Folgen für deutsche Mitarbeiter der Fluglinie haben könnte.

"Dies ist ein guter Tag für Europas Passagierluftfahrt und ihre Beschäftigten", sagte Ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. Damit könne in Zukunft auch das deutsche Arbeitsrecht nicht mehr unterlaufen werden.

Dass Ryanair heute die größte Fluglinie Europas sei, basiere unter anderem auf der Scheinselbstständigkeit von Piloten sowie auf schlechten Arbeitsbedingungen und schlechter Bezahlung der Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter, sagte Behle.

Die Aktien der Fluglinie verloren nach Verkündigung des Urteils bis zu 4,4 Prozent an Wert. Analysten rechnen mit Kostensteigerungen. Firmenchef Michael O'Leary beteuerte dagegen vor Journalisten, die Arbeitskosten würden durch das Urteil um "keinen Cent" steigen.

Das Unternehmen teilte mit, dass der EuGH lediglich zusätzliche Richtlinien dazu erlassen habe, in welchen Landesgerichten Streitigkeiten über international arbeitendes Flugpersonal angehört werden. Das habe keinerlei Auswirkung auf die Regeln bezüglich dessen, welche länderspezifischen Arbeitsgesetze Anwendung finden.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß, das EuGH-Urteil zwinge Ryanair nationale Arbeitsgesetze zu akzeptieren. Tatsächlich geht es darum, Gerichtsprozesse in den jeweiligen Ländern zu führen. Wir haben den Fehler korrigiert.

ssu



insgesamt 18 Beiträge
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brooklyner 14.09.2017
1.
Sehr zu begrüßendes Urteil. Interessant auch, dass das Urteil der Lufthansa zeitlich perfekt ins Konzept gepasst hätte, wäre ryanair nicht im bieterstreit um airberlin ausgestiegen. Es bleibt spannend...
reisender2013 14.09.2017
2. Da kennt er
das deutsche Arbeitsrecht wohl nicht. Oder er stellt nur noch Piloten ein, die ihren Wohnsitz in Irland nehmen.
quark2@mailinator.com 14.09.2017
3.
Der Effekt dürften eher abstruse Arbeitswege sein. Jeden früh einmal von Warschau nach DE ...
malcom1 14.09.2017
4.
Dieses Urteil sehr zu begrüßen. Vielleicht auch ein erster Schritt zu einer gerechten Versteuerung von Amazon, Starbucks, usw.
gammoncrack 14.09.2017
5. Michael O'Leary hat sicherlich schon eine Idee,
wie er dieses Urteil umgehen kann. Anders kann seine Aussage "keine steigenden Arbeitskosten" kaum verstanden werden. Das fliegene Personal mit deutschem Wohnsitz müssen vielleicht nur ihren Hauptwohnsitz in Irland in einer Massenunterkunft haben. In Deutschland nur ihren Zweitwohnsitz, den sie maximal an 179 Tagen im Jahr nutzen dürfen. Das bekommt er schon über die Flugpläne geregelt. Man darf durchaus gespannt sein.
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