Flugausfälle befürchtet Ryanair-Mitarbeiter wollen in der Ferienzeit streiken

Im Streit über bessere Arbeitsbedingungen und faire Löhne haben einige Piloten und Bordcrews von Ryanair Streiks angekündigt - mitten in der Urlaubszeit. Die Fluggesellschaft reagierte mit Unverständnis.

Ryanair-Chef Michael O'Leary (Archivbild)
REUTERS

Ryanair-Chef Michael O'Leary (Archivbild)


Passagiere des Billigfliegers Ryanair müssen sich in den kommenden Wochen auf Streiks einstellen. Irische Piloten hatten am Dienstag angekündigt, am Donnerstag, den 12. Juli die Arbeit niederlegen zu wollen.

Nun haben sich Flugbegleiter aus Spanien, Portugal, Italien und Belgien ebenfalls entschlossen zu streiken - wie bereits Ende Mai angekündigt. Die Daten für die koordinierte Arbeitsniederlegung sollen an diesem Donnerstag bekannt gegeben werden, sagte ein Mitarbeiter der spanischen Gewerkschaft SITCPLA.

Der Streik der irischen Piloten sei in einer Urabstimmung mit einer Mehrheit von 99 Prozent beschlossen worden und würde 24 Stunden dauern, teilte die irische Pilotenvertretung IALPA, die zur Gewerkschaft Forsa gehört, am Dienstag mit. Der Streik könnte viele Sommerurlauber treffen. Ryanair fliegt von Irland aus auch mehrere deutsche Flughäfen an.

Die Airline äußerte sich auf Twitter enttäuscht und schrieb, dass die Abstimmung nur im Namen einiger Hundert irischer Piloten gewesen sei. Ryanair habe aber mehr als 4000 Piloten. Man wolle am kommenden Dienstag alle Flugpassagiere aus Irland darüber informieren, ob sie von diesem "unnötigen Streik" betroffen seien. Viele Kunden reagierten empört über das knappe Zeitfenster von zwei Tagen.

Zuletzt teilte Ryanair ebenfalls über Twitter mit, dass die Fluggesellschaft Forsa bereits ein Angebot unterbreitet habe und forderte die Gewerkschaft auf, den geplanten Streik abzusagen. "Wieso will sich Forsa nicht mit uns treffen, wenn die anderen Gewerkschaften das schon getan haben", hieß es.

Streik könnte auch deutsche Standorte betreffen

Auch die an zehn deutschen Basen stationierten Ryanair-Piloten sollen darüber abstimmen, ob sie für ihre Forderungen nach höherer Bezahlung und besseren Arbeitsbedingungen notfalls in einen unbefristeten Ausstand treten würden. Mit dem Ergebnis ist der deutschen Vereinigung Cockpit (VC) zufolge nicht vor Ende Juli zu rechnen.

Ryanair ist mit rund 430 Flugzeugen, 130 Millionen Passagieren pro Jahr und mehr als 4000 Piloten der größte Anbieter von innereuropäischen Flügen. Wichtige Basen in Deutschland sind unter anderem Berlin-Schönefeld, Frankfurt/Main, Weeze und der Hunsrück-Flughafen Hahn.

Die Airline hatte im vergangenen Herbst aus Pilotenmangel erhebliche Probleme und musste rund 20.000 Verbindungen streichen. Ryanair-Chef Michael O'Leary gab damals einen Kurswechsel bekannt und erklärte, dass man die bisher strikt antigewerkschaftliche Linie aufgebe und Verhandlungen für das gesamte fliegende Personal anstrebe.

ans/Reuters/dpa



insgesamt 12 Beiträge
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carlton68 04.07.2018
1. Ich habe für den Streik Verständnis
Ich habe für den Streik Verständnis. Bei den Arbeitsbedingungen für das Kabinenpersonal bleiben doch nur zwei Möglichkeiten. Wechseln oder streiken. Mich könnten die Streiks treffen, ich habe für August bei Ryanair gebucht.
ex_Kamikaze 04.07.2018
2. Genau die richtige Zeit
zum Streiken. Sonst lernt Ryanair das nie. Das ist eine der skrupellosesten und gefährlichsten Gesellschaften die überhaupt in Europa fliegen.
andneu 04.07.2018
3. Es wird noch viel zu wenig gestreikt
Arbeitgeber- und Aktionärsinteressen sollen immer das Maß aller Dinge sein, denen sich der Arbeitnehmer in vorauseilendem Gehorsam zu unterwerfen hat. Hier muss endlich ein deutliches Gegengewicht geschaffen werden. Ein gutes Vorbild für alle anderen Branchen.
zabadac 04.07.2018
4. manchester pur
an Ryanair kannn man wunderbar sehen wie der alte Manchester- kapitalismus funktionierte. drücken wir dem personal die daumen
Das dazu 04.07.2018
5. Lesen und verstehen
Zitat von carlton68Ich habe für den Streik Verständnis. Bei den Arbeitsbedingungen für das Kabinenpersonal bleiben doch nur zwei Möglichkeiten. Wechseln oder streiken. Mich könnten die Streiks treffen, ich habe für August bei Ryanair gebucht.
Da geht es nicht um Kabinenpersonal, sondern um die Piloten.
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