Aufruf an Aktionäre Ryanair-Piloten wollen O'Leary loswerden

Die deutschen Piloten der irischen Billigfluglinie Ryanair haben kein Vertrauen mehr in die Unternehmensführung. Sie fordern die Aktionäre der Gesellschaft auf, das Management zu entlassen.

Ryanair-Maschine (Archiv)
DPA

Ryanair-Maschine (Archiv)


Der Tarifstreit bei der irischen Billigfluglinie Ryanair eskaliert. Die Tarifkommission der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) ruft die Aktionäre des Unternehmens auf, die Unternehmensführung auszutauschen. Die Hauptversammlung findet am Donnerstag statt.

Das Verhältnis zwischen dem Ryanair-Management und den Beschäftigten sei so stark beschädigt, dass es den weiteren Unternehmenserfolg gefährde, heißt es in der Mitteilung der Tarifkommission. "Wir als Piloten haben das Vertrauen in das derzeitige Management verloren."

Die verfehlte Personalpolitik und Führungskultur habe zum vorübergehenden Zusammenbruch des Flugbetriebs im September vergangenen Jahres geführt und verantworte auch die vielen Streiks in ganz Europa, schreibt die Tarifkommission weiter.

"Wir als Beschäftigtengruppe fordern die Ryanair-Aktionäre auf, die derzeitige Unternehmensführung auszutauschen." In der Mitteilung wird der Name von Unternehmenschef Michael O'Leary nicht explizit erwähnt. Auch die British Airline Pilots Association (Balpa) teilte mit, O'Leary und der Vorsitzende des Verwaltungsrats, David Bonderman, müssten gehen.

Unterstützung aus Brüssel

Rynair liegt derzeit mit seinen Mitarbeitern in mehreren europäischen Ländern im Streit über Löhne und Arbeitsbedingungen. In Deutschland hatten in der vergangenen Woche Piloten zusammen mit Flugbegleitern gestreikt. Die Airline strich 150 der etwa 400 geplanten Verbindungen von und nach Deutschland.

Die Piloten und Flugbegleiter bekommen in dem Tarifstreit inzwischen auch Unterstützung aus Brüssel. Das Unternehmen müsse das in den einzelnen Mitgliedstaaten geltende nationale Arbeitsrecht anwenden und die in der EU gültigen Sozialstandards beachten, sagte EU-Sozialkommissarin Marianne Thyssen der "Welt".

"Ausschlaggebend für das anwendbare Recht ist nicht die Flagge des Flugzeugs. Entscheidend ist vielmehr der Ort, von dem aus ein Arbeitnehmer morgens abfährt und am Abend heimkehrt, ohne dass der Arbeitgeber seine Ausgaben decken muss", sagte Thyssen. Die europäischen Vorgaben für die Anwendung des korrekten Arbeitsrechts auf Arbeitsverträge seien eindeutig.

Ryanair habe der EU-Kommission zwar am Dienstag in einem Schreiben Bereitschaft signalisiert, in Deutschland und anderen EU-Staaten zu lokalen Verträgen zu wechseln, sagte EU-Kommissarin Thyssen. Das sei ein Schritt in die richtige Richtung. "Aber die Einhaltung von Gesetzen ist nichts, worüber die Arbeitnehmer verhandeln sollten." Daher rufe sie das Management von Ryanair auf, "die vollständige Einhaltung aller geltenden EU-Vorschriften sicherzustellen".

Deutschen Piloten Festanstellung angeboten

Am Mittwoch bot die Fluggesellschaft ihren hierzulande stationierten Piloten eine Festanstellung an. "Bis Weihnachten sind alle Piloten, die in Deutschland ihre Basis haben, direkt bei uns angestellt", sagte Ryanair-Manager Peter Bellew der Wochenzeitung "Die Zeit". Das Unternehmen werde künftig zudem zum großen Teil die Ausbildungskosten für eine Flugschule übernehmen.

Die VC und die Gewerkschaft Ver.di fordern für die Piloten und Flugbegleiter bessere Arbeitsbedingungen sowie mehr Gehalt. Verhandlungen zwischen den Tarifparteien brachten in den vergangenen Wochen keine Einigung.

Bellew kritisierte: "Streiks scheinen Teil des Dramas zu sein, um am Ende ein Ergebnis zu haben." Über Ryanair sagte er der "Zeit": "Wir beißen niemandem die Hand ab, wir sind doch ganz normale Menschen".

brt/AFP

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