Billigflieger Ryanair setzt angeblich kranke Piloten unter Druck

Werden Ryanair-Piloten für Krankmeldungen bestraft? Einem Bericht zufolge hält die Fluglinie unangenehme "Sick Meetings" ab. Auch der Dienstplan wird vermeintlich als Machtmittel genutzt.

Maschinen der Fluglinie Ryanair: Klima der Angst?
REUTERS

Maschinen der Fluglinie Ryanair: Klima der Angst?


In einem Beitrag des NDR berichtet ein Ryanair-Pilot anonym von sogenannten Sick-Meetings, bei denen sich Piloten angeblich für ihre Krankmeldungen rechtfertigen müssen.

"Aufgrund dieses Einschüchterungscharakters hat man da eigentlich nicht das Gefühl, dass es darum geht, Hilfestellung zu geben, sondern um die Leute davon abzuhalten, sich nochmal krank zu melden", so der Pilot. "Man versucht einfach, sich so wenig wie möglich auffällig zu verhalten".

Erst vor Kurzem wurden Ermittlungen gegen eine Partnerfirma von Ryanair wegen Steuerhinterziehung und Sozialversicherungsbetrug bekannt. Nun gibt es erneut Vorwürfe gegen die Fluglinie: Die Arbeitsbedingungen für Piloten sollen sich über die vergangenen Jahre verschlechtert haben - es herrsche ein "Klima der Angst", heißt es in dem NDR-Bericht.

Evert van Zwol von der Interessenvertretung Ryanair Pilot Group bestätigt die Vorwürfe. Es bestehe der Verdacht, dass bei diesen Treffen Druck auf die Piloten ausgeübt werde. Ryanair dementierte umgehend: Piloten würden nur in seltenen Fällen einbestellt, wenn sie sich wiederholt krank melden. Laut Ryanair muss in solchen Fällen ein Betriebsarzt aufgesucht werden - eine angeblich gängige Praxis bei größeren Fluglinien.

Doch auch anderweitig wird angeblich Druck auf die Piloten ausgeübt. Für Ryanair-Piloten, die über Personaldienstleister angestellt sind, bestehe regelmäßig die Gefahr, keine Flugstunden zugewiesen zu bekommen. Laut Pilotenvertreter van Zwol gefährdet dies massiv die Unabhängigkeit der Flugzeugführer.

Laut Ryanair ist diese Kritik "vollkommen unzutreffend und frei erfunden". Die Fluglinie betont gegenüber dem NDR ihre Beliebtheit als Arbeitgeber: Es gäbe eine Warteliste von 3000 Piloten, die gerne für Ryanair arbeiten würden.

amt



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