Fördermittel-Skandal bei Solarfirma: Q-Cells-Millionär erklärt Rücktritt

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Manager von der Osten: "Nicht verboten, solche Beteiligungen einzugehen" Zur Großansicht
Goodvent

Manager von der Osten: "Nicht verboten, solche Beteiligungen einzugehen"

Einer der obersten Wirtschaftsförderer Sachsen-Anhalts hat privat Millionen an der vom Land subventionierten Firma Q-Cells verdient. Im Interview verkündet von der Osten seinen Rücktritt - und berichtet von weiteren geförderten Unternehmen, an denen er sich beteiligt hat.

Hamburg - Dinnies Johannes von der Osten, 51, verwaltet seit dem 13. November 1998 millionenschwere Fördergelder der Landesregierung Sachsen-Anhalts - bis 2007 als Chef des staatlichen Fördervehikels IBG Beteiligungsgesellschaft Sachsen-Anhalt mbH, danach über seine Firma Goodvent Beteiligungsmanagement GmbH & Co. KG.

In dieser Zeit hat er sich privat am Solarzellenbauer Q-Cells beteiligt und damit später einen zweistelligen Millionenbetrag verdient. Seit das am Dienstag bekannt wurde, steht von der Osten im Kreuzfeuer der Kritik.

Im Interview mit SPIEGEL ONLINE äußert sich der Manager erstmals umfassend zu den Vorwürfen - und räumt noch weitere Beteiligungen an geförderten Firmen ein.

SPIEGEL ONLINE: Herr von der Osten, am Dienstag wurde bekannt, dass Sie als oberster Wirtschaftsförderer von Sachsen Anhalt das Solarunternehmen Q-Cells mit über vier Millionen Euro unterstützt haben - und gleichzeitig privat über einen Mittelsmann Q-Cells-Aktien gehalten haben. Ein ziemlich krasser Interessenkonflikt, oder?

Von der Osten: Im Rückblick mag das vielleicht seltsam aussehen. Aber mein Vertrag als Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft IBG hat es mir nicht verboten, solche Beteiligungen einzugehen, und mich auch nicht verpflichtet, sie offenzulegen. Zumal ich in den Gremien, die über die Q-Cells-Beteiligung entschieden haben, weder Sitz noch Stimme hatte.

SPIEGEL ONLINE: Als Geschäftsführer mussten Sie die Beteiligung aber absegnen. Zudem gibt es außer dem Arbeitsvertrag normalerweise eine Vielzahl von anderen Gelegenheiten, bei denen Interessenskonflikte abgefragt werden: im Fragebogen des Wirtschaftsprüfers zum Beispiel, der einmal pro Jahr beantwortet werden muss.

Von der Osten: Nein, eine solche Übung wurde nicht abgehalten.

SPIEGEL ONLINE: Hat der Aufsichtsrat der IBG Sie je nach Interessenskonflikten gefragt?

Von der Osten: Nein.

SPIEGEL ONLINE: Was ist mit der Compliance-Erklärung, die Geschäftsführer in gutgeführten Kapitalgesellschaften regelmäßig unterschreiben müssen? Auch in dieser müssen Interessenskonflikte normalerweise ausgeschlossen werden.

Von der Osten: Nein, da war nichts. Ich wurde auch nie nach entsprechenden Beteiligungen gefragt.

SPIEGEL ONLINE: Das wäre ein krasses Kontrollversagen der Landesregierung Sachsen Anhalt, oder?

Von der Osten: Das Land Sachsen-Anhalt hat auf der Grundlage der bestehenden Regelungen seine Aufsichtspflichten umfassend erfüllt.

SPIEGEL ONLINE: Waren dann vielleicht die Regelungen schlecht?

Von der Osten: Das kann ich nicht beurteilen, ich habe die Regeln nicht gemacht.

SPIEGEL ONLINE: Stimmt, die hat das Land Sachsen-Anhalt gemacht. Dessen aktueller Wirtschaftsminister, Hartmut Möllring (CDU), kritisiert Ihre Beteiligung an Q-Cells inzwischen scharf. Zu Recht?

Von der Osten: Mit Blick auf die Berichterstattung der vergangenen Tage kann ich schon verstehen, dass sich manche Menschen vor den Kopf gestoßen fühlen.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind auch heute noch für das komplette Beteiligungsgeschäft des Landes Sachsen-Anhalt zuständig. Werden Sie diese Tätigkeit fortsetzen?

Von der Osten: Ich habe der Landesregierung heute angeboten, die Verträge zwischen der Goodvent und dem Land im gegenseitigen Einvernehmen aufzulösen.

SPIEGEL ONLINE: Kommt dieser Rücktritt freiwillig? Oder gab es Druck von der Landesregierung?

Von der Osten: Ich habe dies mit der vom Land Sachsen-Anhalt beauftragten Rechtsanwaltskanzlei so besprochen.

SPIEGEL ONLINE: Was uns seltsam erscheint: Wenn doch alles legal war, was Sie bei Q-Cells getrieben haben, warum haben Sie die Q-Cells-Aktien dann über einen Treuhänder gehalten und sind nicht offen als Aktionär aufgetreten?

Von der Osten: Ich wollte meine Privatsphäre schützen.

SPIEGEL ONLINE: Spätestens nach dem erfolgreichen Verkauf der Q-Cells-Aktien haben Sie doch bestimmt mal jemandem aus der Landesregierung von Ihrer Beteiligung erzählt, oder? Sie haben an dem Verkauf der Aktien immerhin einen zweistelligen Millionenbetrag verdient. Über solche gute Geschäfte redet man doch mal.

Von der Osten: Nein, das habe ich nie getan.

SPIEGEL ONLINE: War der Fall Q-Cells der einzige Fall, in dem Sie sich privat an einem Unternehmen beteiligt haben, das gleichzeitig vom Land gefördert wurde?

Von der Osten: Nein. Als ich mich mit der Firma Goodvent in einem europaweiten Ausschreibungsverfahren um das Management der Beteiligungsfonds des Landes Sachsen-Anhalt bewarb, lautete eine Auflage: Man muss einen Privatkapitalfonds mitbringen, der zeitgleich Geld in die vom Land geförderten Firmen investiert. Um diese Auflage zu erfüllen, haben ich und meine Geschäftspartner einen eigenen Fonds gegründet: den Cedrus Private Equity Fonds, an dem ich etwa zu einem Drittel beteiligt bin.

SPIEGEL ONLINE: Wusste das Land Sachsen-Anhalt, dass Sie Anteileigner des Fonds sind?

Von der Osten: Nein. Es gab keine Offenlegungspflicht, wer die Teilhaber des Privatkapitalfonds sind.

SPIEGEL ONLINE: Wie viel Geld hat der Cedrus-Fonds in Firmen investiert, die auch das Land Sachsen-Anhalt fördert?

Von der Osten: Einen zweistelligen Millionenbetrag.

SPIEGEL ONLINE: Und wie viel hat das Land Sachsen-Anhalt über Ihre Firma Goodvent investiert?

Von der Osten: Grob in einer ähnlichen Größenordnung wie der Cedrus-Fonds.

SPIEGEL ONLINE: Gab es für Sie noch weitere spektakuläre Gewinne wie bei Q-Cells?

Von der Osten: Nein.

SPIEGEL ONLINE: Wie heißen die vom Land geförderten Firmen, in die Sie auch privat Geld investiert haben?

Von der Osten: Derzeit aktive Firmen sind unter anderem die Capsulution Pharma AG, die Fast Forward AG und die Probiodrug AG. Dazu hatte unser Privatfonds unter anderem in die Firma Crystalline Silicon on Glass investiert. Diese bescherte uns aber einen großen Verlust.

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insgesamt 77 Beiträge
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1.
Newspeak 18.07.2013
Von der Osten: Im Rückblick mag das vielleicht seltsam aussehen. Aber mein Vertrag als Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft IBG hat es mir nicht verboten, solche Beteiligungen einzugehen und mich auch nicht verpflichtet, sie offen zu legen. Zumal ich in den Gremien, die über die Q-Cells-Beteiligung entschieden haben, weder Sitz noch Stimme hatte. Es ist absolut widerlich, was in diesem Land passiert. Ich wünsche mir echt französische Verhältnisse. Die von 1789.
2. Aalglatt das Gesicht aalglatt die Auskünfte...
M_Veritatis 18.07.2013
Hier haben wir das Paradebeispiel dafür, wo es hinführt wenn alles was nicht verboten ist getan wird. Juristisch ist der Mann fein raus. Ein Unrechtsbewußtsein hat er auch nicht. - Na dann prosit!
3. Leider nichts Neues - in Ostdeutschland eher die Regel
tsaag 18.07.2013
Diese Verflechtungen sind leider in Ostdeutschland leider eher die Regel als die Ausnahme. Gerade durch die politisch eingesetzten Geschäftsführer wurde der Kontrollmechanismus ausgehebelt oder glaubt jemend im Ernst dass ein Geschäftsführer einer Landesgesellschaft durch die Politiker, die ihn bestellt haben richtig geprüft wird? Auch wenn , wie in diesem Fall, meistens rechtlich nichts vorzuwerfen ist, die Votrteilsnahmemöglichkeiten sind vielfälltig, denn bei Empfängen und anderen Smaltalk-Möglichkeiten werden massenhaft Insiderinformationen ausgetauscht. Am Ende zahlt's der Steuerzahler, denn meistens geht's um die Ausschöpfungsmöglichkeiten bei Subventionen. Ich möchte nicht wissen wie groß der Anteil der Unterstützung durch Herrn von der Osten bei der "Subventionsgestaltung" für Q-Cells war. Vielleicht sollten sich wirtschaftskundige Journalisten einmal in diesem gigantischen Sumpf von Subventionen und Subventionsgewährungen umsehen, das gäbe sehr abwechslungsreichen Lesestoff über Jahre.
4. ..sehr schön
blue72 18.07.2013
..immer wieder zu sehen wie Aufsichtsräte und vorstände "kooperieren"..da bleibt für beide genügend übrig. Unsere previligierten Eliten mit Fielmann Brille und intregrem Reklame Lächeln.machen doch nichts unrechtes..und wenn juristisches unklar..sitzen wir das doch aus..die paar millionen müssen wir ehh nicht zurückzahlen
5. Harmlos oder ?
Kalle Bond 18.07.2013
Ein harmloser Bürger, ein tüchtiger Manager. Falls es einmal vor Gericht gehen sollte, wird der Richter sicher gleich sein Taschentuch zücken und abwinken, kein Handlungsbedarf. Oder darf ich hoffen - auf dich, du augenverhüllte Justitia?
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