Streit um unbezahlte Rechnungen Weltgrößte Segeljacht "A" in Gibraltar festgesetzt

Streit um die Segeljacht "A" des russischen Milliardärs Melnitschenko: Die deutsche Werft Nobiskrug verlangt die Begleichung offener Rechnungen in Höhe von 15 Millionen Euro - und hat das Schiff in Gibraltar festsetzen lassen.

imago/TheYachtPhoto.com

Eigentlich sollte es nur ein kurzer Zwischenstopp werden, doch nun hängt die weltgrößte Segeljacht "A" in Gibraltar fest. Grund ist eine angeblich offene Rechnung in Deutschland: Die Kieler Werft Nobiskrug, die das Schiff gebaut hat, verlangt vom Auftraggeber insgesamt 15,3 Millionen Euro - und hat deshalb einen vorläufigen Arrest bewirkt. Das berichtet die Zeitung "Gibraltar Chronicle" in ihrer Internetausgabe. Ein Sprecher der "Sailing Yacht A" bestätigte den Vorgang auf Anfrage des SPIEGEL. Ein Sprecher der Werft sagte, man dürfe sich aufgrund vertraglicher Vertraulichkeitsvereinbarungen nicht zu einem laufenden Verfahren äußern.

Auf der Seite Marinetraffic.com ist zu sehen, dass die Jacht tatsächlich seit vergangenen Mittwoch im Hafen von Gibraltar dümpelt. Sie bewegt sich mit sehr niedriger Geschwindigkeit im Kreis.

Die Jacht ist ein Schiff der Superlative: Entworfen vom Designer Philippe Starck kommt es auf eine Länge von knapp 143 Metern und eine Breite von 25 Metern. Die Segelfläche bemisst 3700 Quadratmeter. Offizielle Angaben über den Preis gibt es nicht. Berichten zufolge sollen es rund 400 Millionen Euro sein.

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"Sailing Yacht A": Luxusschiff in Gibraltar festgesetzt

Erst Anfang Februar hatte die Luxusjacht ihren Kieler Heimathafen verlassen. Offiziell soll sie erst im Frühjahr an den Auftraggeber, den russischen Milliardär Andrej Melnitschenko, übergeben werden. Doch nun gibt es Ärger. Nobiskrug hat beim Supreme Court in Gibraltar den Arrest für das Schiff bewirkt. Der Grund: Vertragsbruch.

Dabei geht es dem Bericht zufolge um drei offene Posten: 9,8 Millionen Euro fordert die Werft vom registrierten Besitzer, der Firma Valla Yachts Limited auf den Bermudas, die das Schiff für Melnitschenko betreiben soll. Das Geld sei am 27. Januar fällig gewesen, aber nicht gezahlt worden, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Gerichtsdokumente. Darüber hinaus sollen zwei Posten über 2,9 und 2,6 Millionen Euro ebenfalls noch offen sein. Dabei geht es angeblich um Rechnungen von Subunternehmern während der Bauphase.

Ein Sprecher der "Sailing Yacht A" teilte auf SPIEGEL-Anfrage mit, die Summe von mehr als neun Millionen Euro sei Teil einer andauernden Auseinandersetzung mit der Werft. Das Vorgehen von Nobiskrug sei "ein erstaunlicher Akt für einen Schiffbauer mit dem Ruf von Nobiskrug". Man habe angenommen, man bewege sich auf eine Lösung zu, als die Werft das Schiff Anfang Februar an das Projektteam des Besitzers übergeben habe, um in Spanien weitere Arbeiten ausführen zu lassen. Das Geld sei bereits am Folgetag auf einem Treuhandkonto hinterlegt worden, bis die Sache geklärt sei.

Am Dienstag sollen beide Parteien vom Supreme Court gehört werden. Dass die Auseinandersetzung in Gibraltar stattfindet, ist kein Zufall: Das britische Überseegebiet ist eine bekannte Adresse für Verkäufe, Pfändungen und Arreste von Schiffen aller Art.

Der Sprecher der "Sailing Yacht A" gab sich am Sonntagabend dennoch optimistisch: "Wir sind zuversichtlich, dass der Arrest in den kommenden Tagen aufgehoben und diese unglückliche Episode vorbei sein wird."

stk

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