Halbleiter- und LCD-Fertigung Samsung entschuldigt sich für Krebsfälle bei Fabrikarbeitern

Hunderte Mitarbeiter krank, Dutzende gestorben: Der südkoreanische Elektronikriese Samsung hat erstmals eingeräumt, dass er mit Gesundheitsrisiken nicht richtig umgegangen ist - und sich formal entschuldigt.

Samsung-Chef Kim Ki Nam
AFP

Samsung-Chef Kim Ki Nam


Der südkoreanische Elektronikriese Samsung hat sich für Krebsfälle bei Arbeitern seiner Halbleiter- und LCD-Bildschirmfabriken entschuldigt. "Wir entschuldigen uns aufrichtig bei den erkrankten Arbeitern und ihren Familien", erklärte Samsungs Co-Präsident Kim Ki Nam am Freitag. Der Konzern sei nicht richtig mit "Gesundheitsrisiken" in seinen Halbleiter- oder LCD-Fabriken umgegangen.

Aktivsten zufolge erkrankten über die Jahre rund 240 Menschen wegen ihrer Arbeit in Samsung-Fabriken. Mehr als Hundert sollen an Leukämie und anderen Krebsarten gestorben sein. Familienangehörige hatten ausgesagt, dass Dutzende der früheren Arbeiter in den südkoreanischen Chipfabriken in Kontakt mit krebserregenden Chemikalien gekommen seien.

Der Skandal war 2007 publik geworden. Laut einer kürzlich bekannt gegebenen Vereinbarung wird Samsung betroffenen Mitarbeitern Entschädigungen von umgerechnet bis zu 116.000 Euro pro Fall zahlen. Abgedeckt werden 16 Krebsarten und andere Krankheiten.

Samsung hatte sich bereits im Mai 2014 wegen der Krankheitsfälle entschuldigt und 2015 einen Entschädigungsfonds eingerichtet. Damals hatte der Konzern aber noch betont, Samsung erkenne keinen Zusammenhang zwischen den Erkrankungen und der Arbeit in den Fabriken an.

Ins Rollen gebracht hatte die Aufarbeitung der gefährlichen Arbeitsbedingungen 2007 ein Taxifahrer namens Hwang Sang Gi, der sich mit den Erklärungen des Konzerns für den Tod seiner Tochter nicht zufriedengeben wollte. Die 23-Jährige hatte bei Samsung gearbeitet und war an Leukämie gestorben.

"Angesichts der Täuschungsmanöver und Demütigungen, die wir in den letzten elf Jahren erfahren haben, angesichts des Schmerzes über den Verlust unserer Liebsten, kann keine Entschuldigung jemals genügen", sagte Hwang auf einer Pressekonferenz nach dem offiziellen Mea culpa der Konzernleitung. "Aber ich akzeptiere die heutige Entschuldigung von Samsung Electronics als Versprechen: dass der Konzern die Sicherheit an seinen Arbeitsplätzen verbessert."

oka/AFP



insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
janne2109 23.11.2018
1. kann
kann man sich für die Krankheit Krebs entschuldigen die man an seinem Arbeitsplatz bekommen hat? Das kann gar nicht entschuldbar sein
volki1969 23.11.2018
2. Kein Einzelfall
Das ist die Spitze des Eisbergs. Nicht alle Länder haben Arbeitsschutzgesetzte wie wir. Da fallen mir z.B. asiatische Leder-, Elektronik- oder Batterieproduktionen ein. Vor allem die Wanderarbeiter sehe ich kritisch. Wenn die später schwer krank werden, kann niemand mehr nachvollziehen wo sie wie lange welchen Belastungen ausgesetzt waren. Da muss sich dann erst gar niemand entschuldigen, denn keiner will gewesen sein.
claus7447 23.11.2018
3. Nicht verwunderlich
Vielleicht etwas, aber nicht wirklich. Ok, es ist ja schon knapp 18 Jahre her, dass ich das Land verlassen habe. Die Auswirkungen sind eben jetzt zu Tage getreten. In vielen Fabrikhallen gab es weder Kühlung noch Heizung. Dabei liegt S Korea klimatisch im Sommer wie Südostasien und im Winter mit bis zu minus 20 Grad in nördlichen Regionen. Geheizt wurde meist mit offenen Öltonnen. Umwelt oder Umgang mit Chemie war etwas, was man nur in Auslands-Firmen Werken sehen konnte (eine fabrik eines ddutschen herstellers von Mechanische komponeten könnte nach Schließung wegen Verlagerung an eine Pharmazie Firma verkauft werden, Reinraum!), Aber ich prognostizierte grössere Auswirkungen noch in China.... dort ist und war es deutlich schlimmer.
epidemik 23.11.2018
4. Statistisch signifikant?
Verschwiegen wird hier, um wieviel Arbeiter es sich handelt und was einer "normalen" Krankheitsrate entspräche. Bei vielen tausenden Beschäftigten werden über die Jahre in jedem Fall einige Krebsfälle auftreten. Laut "Cancer Mortality and Incidence in Korean Semiconductor Workers (2011)" gibt es jedenfalls keine erhöhte Inzidenz für die meisten Krebsarten. Selbst in den Fällen, die statistisch signifikant abweichen ist kein Zusammenhang mit Fabrikarbeit erkennbar, die Fallzahlen sind hierfür zu gering.
gertner27 23.11.2018
5.
Bei Samsung arbeiten Hundertausende. Wenn davon 240 an Krebs erkranken, dann liegt das innerhalb der natürlich vorkommenden Zahl, vielleicht sogar geringer. Wenn Samsung sich dafür entschuldigt, dann nur der schlechten Presse wegen, aber sicher nicht, weil es da einen Zusammenhang mit den Arbeitsbedingungen gibt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.