SAP Aufsichtsratschef verlor Vertrauen in Apotheker

Harte Worte nach dem Blitz-Abgang: SAP-Aufsichtsratschef Hasso Plattner räumt gegenüber dem SPIEGEL ein, den Rausschmiss von Konzernlenker Léo Apotheker aktiv unterstützt zu haben. Er habe das Vertrauen in die Führungsqualitäten seines Vorstandsbosses verloren.

SAP-Mitgründer Plattner: "Vertrauenslücke schließen"
ddp

SAP-Mitgründer Plattner: "Vertrauenslücke schließen"


Hamburg - Hasso Plattner hat sich für den plötzlichen Rücktritt von SAP-Chef Léo Apotheker aktiv eingesetzt. Der Mitbegründer und heutige Aufsichtsratschef des IT-Konzerns begründet das vorzeitige Ausscheiden mit mangelndem Vertrauen in die Führungsqualitäten seines Vorstandsvorsitzenden.

"Ich habe mich nicht mehr in der Lage gesehen, die Vertrauenslücke zwischen der Führung und der Belegschaft von SAP, insbesondere in Deutschland, aber auch in Europa, zu schließen", sagte Plattner in einem Interview mit dem SPIEGEL. "Obwohl ich selbst intensiv versucht habe, Léo Apotheker zu helfen, zeigten unsere Mitarbeiterbefragungen, dass es dem Vorstand nicht gelungen ist, dieses dramatisch geschwundene Vertrauen zurückzuerobern", so Plattner.

Apotheker hatte am Sonntag überraschend seinen Rücktritt erklärt. SPIEGEL ONLINE hatte bereits am Montag aus dem Aufsichtsrat inoffiziell bestätigt bekommen, dass der SAP-Ex-Chef es "nicht hinreichend geschafft hat, das Vertrauen von Kunden und Mitarbeitern zu gewinnen". Der Aufsichtsrat hatte sich daher dazu entschlossen, Apothekers Vertrag, der im Dezember ausläuft, nicht zu verlängern. Der Manager habe den Beschluss als Misstrauensbeweis gewertet und seinen sofortigen Rücktritt erklärt.

Jetzt äußert sich Aufsichtsratchef Plattner erstmals offiziell zu den Gründen des Abgangs - und verteidigte dabei erneut die von Apotheker eingeleiteten Sparmaßnahmen. "Diese Schritte waren absolut richtig, sonst stünde das Unternehmen heute finanziell viel schlechter da", sagte er dem SPIEGEL.

Plattner machte deutlich, dass Apotheker auch bei den SAP-Kunden Vertrauen verloren habe. In einer Zeit, in der die gesamte IT-Branche vor einem gravierenden technischen Wandel stünde, gehöre auch das Vertrauen in den technologischen Kurs sowie die personellen Entscheidungen der Führung. Das gelte auch für die Kunden, denn die müssten sich darauf verlassen können, dass die SAP-Lösungen ihre Arbeit verbesserten. "Leider hat auch dieses Vertrauensverhältnis gelitten", so Plattner.

Der 66-Jährige will sich nun wieder stärker in die Geschicke des Konzerns einschalten. "Der Aufsichtsrat hat mich gebeten, in dieser Phase der Veränderung meine Rollen vielleicht noch etwas verstärkt weiter zu führen", so Plattner. Er wolle sich aber nicht ins Tagesgeschäft einmischen. "Ich erfülle nur meine Pflicht als Aufsichtsratsvorsitzender. Ansonsten gebe ich Ratschläge. Das ist doch erlaubt und ausdrücklich erwünscht."

ssu



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