Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Verletztes geistiges Eigentum: Ex-Mitarbeiter wirft SAP Klau bei Wettbewerbern vor

Von Christian Bergmann, und

SAP hat mit massiven Anschuldigungen zu kämpfen. Ein ehemaliger Firmenprüfer wirft Europas führendem Softwarehersteller vor, sich an geistigem Eigentum von Wettbewerbern vergriffen zu haben. Der Konzern bestreitet die Vorwürfe.

SAP-Zentrale in Walldorf: Gefährliche Vorwürfe für den vorbelasteten Konzern Zur Großansicht
DPA

SAP-Zentrale in Walldorf: Gefährliche Vorwürfe für den vorbelasteten Konzern

Zuletzt entwickelten sich die Geschäfte von Deutschlands einzigem Softwarehersteller von Weltrang, der aus Walldorf stammende SAP, positiv - auch dank des Erfolgs der Datenbanktechnologie Hana, die international rege Nachfrage findet. Schon mehr als 7200 Kunden weltweit nutzten die Technologie made in Germany in der ersten Jahreshälfte 2015 zur schnellen Datenanalyse, darunter Handelsketten wie Fressnapf, Logistik-Anbieter wie die Hamburger Port Authority und internationale Geheimdienste. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Hinter den Kulissen tobt um die Entwicklungsgeschichte des Erfolgsprodukts indes seit Jahren ein mit harten Bandagen geführter Streit, der mittlerweile auch Gerichte und Behörden in Deutschland und den USA beschäftigt.

Ausgerechnet ein Mitarbeiter der internen SAP-Revision, der mit einer Untersuchung ("Audit") über den Entwicklungsprozess von Hana befasst war, wirft dem Unternehmen vor, sich bei der Entwicklung eigener Produkte wie Hana am geistigen Eigentum von Wettbewerbern wie Oracle, IBM und Teradata bedient zu haben.

Der bislang unbekannte Vorgang geht aus internen SAP-Dokumenten sowie Gerichtsunterlagen hervor, die der SPIEGEL und das ARD-Magazin "Fakt" in einer gemeinsamen Recherche auswerten konnten.

Anschuldigungen eines Ex-Mitarbeiters

Der SAP-Auditor, ein promovierter Jurist, der seit Frühjahr 2011 bei dem Walldorfer Konzern arbeitete, war demnach neben dem Hana-Audit, für das er unter anderem einige der beteiligten SAP-Entwickler ausführlich interviewte, auch in weitere sensible Prüfvorgänge eingebunden und seit Dezember 2012 krankgeschrieben.

Sein Vater, ebenfalls Jurist und Spezialist für geistiges Eigentum, der seinen Sohn in der Sache anwaltlich vertrat, konfrontierte im Februar 2013 zunächst den damaligen Co-Vorstandsprecher Jim Hagemann Snabe und später die von diesem beauftragte SAP-Compliance-Beauftragte mit den massiven Anschuldigungen, die sich aus der Arbeit seines Sohnes ergeben hätten.

Neben den angeblichen Verstößen rund um die Entwicklung von Hana warf der Anwalt des Prüfers dem Unternehmen unter anderem vor, sein Sohn sei von Vorgesetzten aufgefordert worden, in vier seiner Revisionsberichte Tatsachen zu unterdrücken oder als weniger schwerwiegend darzustellen.

Für SAP sind die Vorwürfe gefährlich, denn das Unternehmen ist einschlägig vorbelastet. In den vergangenen Jahren musste es Wettbewerbern wie Oracle Chart zeigen bereits Hunderte Millionen Dollar an Schadensersatz überweisen. Sollten die Vorwürfe des Prüfers auch nur in Teilen zutreffen, könnten auf SAP weitere hohe Schadensersatzforderungen zukommen.

Summe von 25 Millionen Dollar verlangt

Über das Jahr 2013 hinweg verhandelten der Vater des Prüfers und die SAP-Compliance-Beauftragte über eine Einigung in dem schwelenden Konflikt. Von der SAP-Mitarbeiterin um Ideen für eine gütliche Lösung gebeten verlangte der Vater in einem "Vorschlag", das Unternehmen solle die aufgeworfenen Probleme lösen und seinem Sohn zusätzlich die Summe von mehr als 25 Millionen Dollar bezahlen.

Der Konzern lehnte dies ab. Der Prüfer bekräftigte seine Vorwürfe im Januar 2014 in Mails an den Vorstand und den gesamten SAP-Aufsichtsrat. Kurz darauf erhob SAP Strafanzeige gegen ihn und seinen Vater und sprach ihm die außerordentliche Kündigung aus.

Im Mai 2015 entschied ein deutsches Gericht auf einen Strafbefehl gegen den Vater, der die Geldforderung erhoben hatte. Zuvor hatte ein Arbeitsgericht bereits die Kündigung bestätigt. SAP zufolge geht der ehemalige Mitarbeiter inzwischen beim US-Arbeitsministerium dagegen vor.

Das Unternehmen bestreitet auf Anfrage alle Vorwürfe: "Wir haben den Sachverhalt sorgfältig geprüft und haben keine Belege dafür gefunden, dass SAP geistiges Eigentum verletzt hat." Im Übrigen habe das Unternehmen "Vertrauen in das deutsche und das amerikanische Rechtssystem". Der Prüfer und seine Anwälte wollten sich nicht äußern.

Aus Kreisen des SAP-Wettbewerbers Teradata heißt es, man sei "gerade dabei, diese Angelegenheit gründlich zu untersuchen".

Logo SPIEGEL

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

Den digitalen SPIEGEL finden Sie in den Apps für iPhone/iPad, Android, Windows 8, Windows Phone und als Web-App im Browser.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie im kostenlosen SPIEGEL-Newsletter.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
tomymind 05.09.2015
Erpressung und Verleumdung?
2. Neider und Kopierer bedienen sich schamlos ...
wibo2 05.09.2015
Destruktiver Neid von schwachen Denkern ist ein aggressives Gefühl von Missgunst. "Ich will unbedingt das haben, was der andere hat" und wenn ich es nicht haben kann, mache ich es kaputt. Im Geschäftsleben ärgert man sich über die Erfolge der Konkurrenten intrigiert hinter ihrem Rücken gegen sie und will ihnen das Leben so schwer wie möglich machen. Das ist auch eine schlimme Folge der Halbbildung. Falsche Bildungskonzepte nach Bologna. Viele schwache Wissensarbeiter wollen dann zu viel und sie können es einfach nicht. Der Niedergang von SAP kündigt sich systemisch an und damit einer der letzten großen deutschen Softwarefirmen. Was ist aus der deutschen IT Hard- und Software geworden? Der deutsche geistig-moralische Niedergang hat indes die deutsche Industrie schon lange erfasst. Da beißt die Maus keinen Faden ab!
3.
tomymind 05.09.2015
Erpressung und Verleumdung?
4. rechteckiges Schema mit abgerundeten Ecken
der_neue_Student 05.09.2015
Haben die vielleicht ein rechteckiges Schema mit abgerundeten Ecken in ihren Code eingearbeitet? Das Problem in diesem Umfeld sind die Juristen. Bedingt durch die Unwägsamkeiten des amerikanischen Rechtssystems können Anwälte richtig Kasse machen.
5. Vielleicht mal den Erfinder von HANA, den Herrn Vishal S. fragen
stranzjoseffrauss 05.09.2015
Aber der hat SAP Mitte 2014 überraschend Richtung Indien verlassen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: