Satter Gewinn Hedgefonds verdient halbe Milliarde Dollar an Lehman-Pleite

Zuerst profitierte er vom Absturz des Finanzsystems - nun von dessen Erholung: Gut 550 Millionen Dollar soll Hedgefonds-Manager John Paulson mit Anleihen der zusammengebrochenen Investmentbank Lehman Brothers verdient haben. Er hatte die Papiere gekauft, als die Bank pleiteging.

Hedgefonds-Manager John Paulson: 2010 soll er fünf Milliarden Dollar verdient haben
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Hedgefonds-Manager John Paulson: 2010 soll er fünf Milliarden Dollar verdient haben


Hamburg - John Paulson wird seinem Ruf als eiskalter Zocker gerecht. Wie die britische Zeitung "Financial Times" berichtet, hat sein Hedgefonds Paulson & Co insgesamt 554 Millionen Dollar an der Erholung der 2008 pleitegegangen US-Investmentbank Lehman Brothers Chart zeigen verdient - und damit weit bessere Geschäfte gemacht als die Konkurrenz.

Hedgefonds sammeln Geld von Anlegern ein und können es weitgehend frei investieren. Anders als normale Investmentfonds sind sie kaum an Regeln gebunden. Paulsons Hedgefonds ist mit 38 Milliarden Dollar der drittgrößte der Welt. Er hatte schon am Tag der Lehman-Pleite, dem 15. September 2008, begonnen, Anleihen zu kaufen - also Schuldpapiere, die die insolvente Bank nicht mehr bedienen konnte.

Im Schnitt bezahlte Paulson & Co dafür 7,3 Cent pro Dollar Ursprungswert. Für eine Anleihe im Wert von 1000 Dollar hatte der Hedgefonds also nur 73 Dollar ausgegeben. Im nun ausgehandelten Insolvenzplan ist vorgesehen, dass die Bank ihren Gläubigern 21,1 Cent pro Dollar zurückerstattet. Aus der Differenz ergibt sich der Gewinn für Paulson und Co.

Der Hedgefonds hatte in den vergangenen Monaten gemeinsam mit anderen Lehman-Gläubigern für hohe Entschädigungsraten gekämpft - und war damit erfolgreich. Ursprünglich hatte Lehman Brothers nur 17,4 Cent pro Dollar zahlen wollen.

Paulson war berühmt geworden, weil er frühzeitig auf den Zusammenbruch des amerikanischen Immobilienmarktes gewettet und damit Milliarden verdient hatte. Die Pleite von Lehman Brothers war eine Folge dieses Zusammenbruchs - und der Auslöser für die schwerste Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg.

Fortan galt Paulson als erfolgreichster Hedgefonds-Manager der Welt. Allein 2010 soll er laut "Wall Street Journal" fünf Milliarden Dollar verdient haben. Zuletzt musste Paulson jedoch Rückschläge hinnehmen. So bescherte ihm sein Investment in einen chinesischen Forstkonzern Verluste in dreistelliger Millionenhöhe. Den Erfolg mit den Lehman-Anleihen, kann Paulson also gut gebrauchen.

stk



insgesamt 73 Beiträge
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Seite 1
bielefelder73 05.07.2011
1. Solche Gewinne ....
sollten abgeschöpft oder zumindest mal sehr satt besteuert werden !
Satiro, 05.07.2011
2. Wo`s Verlierer gibt, da gibt auch Gewinner
Zitat von sysopZuerst profitierte er vom Absturz des Finanzsystems - nun von dessen Erholung: Gut 550 Millionen Dollar soll Hedgefonds-Manager John Paulson mit Anleihen der zusammengebrochenen Investmentbank Lehman Brothers verdient haben. Er hatte die Papiere gekauft, als die Bank pleiteging. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,772458,00.html
Er hatte halt mehr Durchblick als die meisten anderen, welche jede Menge Geld verloren haben . Vorneweg die staatlichen deutschen Finanzinstitute ( Landesbanken )beaufsichtigt von "verdienten" Politikern und anderen Bonzen Spielt hier jemand Lotto ? :-)
hasenfuss27 05.07.2011
3. ...
fein, der Herr hats richtig gemacht... der entsprechende Staat möge es nun ebenfalls richtig tun, und den Gewinn mit 99% besteuern- danke...
flötrolf 05.07.2011
4. Das absolute Problem ist die Vernetzung unter den Banken!
Zitat von sysopZuerst profitierte er vom Absturz des Finanzsystems - nun von dessen Erholung: Gut 550 Millionen Dollar soll Hedgefonds-Manager John Paulson mit Anleihen der zusammengebrochenen Investmentbank Lehman Brothers verdient haben. Er hatte die Papiere gekauft, als die Bank pleiteging. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,772458,00.html
Wegen dieser 38 Milliarden an Anlegergeldern wird er auch aus allem herausgehalten und entschädigt, herausgekauft oder vorrangig besichert. Es sind die schier unglaublichen Mengen an Anlagergledern, die durch Notaktionen auf die Allgemeinheit für den Totalausfall verlagert werden. Geschehen ist in diesem Regelbereich noch nichts! Ich meine, man sollte bei den Kreditausfallversicherungen für Leerverkäufe ansetzen. Und diese verbieten. D.h. das volle Risiko geht auf den Hedgefonds, ergo an die Anleger! Das zum Allgemeinen, im speziellen hat dieser Hedge-Fonds klar spekuliert und gewonnen! Glückwunsch!
pax, 05.07.2011
5. Der Sündenbock
Zitat von hasenfuss27fein, der Herr hats richtig gemacht... der entsprechende Staat möge es nun ebenfalls richtig tun, und den Gewinn mit 99% besteuern- danke...
Dann wird beim nächsten mal niemand die ramsch-anleihen eines Pleiteunternehmens aufkaufen und stabilisieren. Eigentlich können die Spekulanten machen was sie wollen, sie sind sowieso schuld. Wenn sie wie im Fall Griechenland Pleite-Anleihen nicht mehr kaufen spekulieren sie "gegen die Bürger". Kaufen sie aber Pleite-Anleihen auf und vermindern so die Gesamtverluste einer Insolvenz und wollen, dass diese Anleihen anschließend wenigstens zu einem Teil bedient werden, dann spekulieren sie natürlich auch "gegen die Allgemeinheit".
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