Smartpay Jetzt testet auch Saturn kassenloses Bezahlen

Lange Schlangen an der Kasse schrecken einige Kunden ab. Der Elektronikhändler Saturn will das Problem technisch lösen - und den Käufer zum Kassierer machen. Am Schalter kommt er aber trotzdem nicht vorbei.

Produkterfassung am digitalen Preisschild
Saturn

Produkterfassung am digitalen Preisschild

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Der Elektronikfachhändler Saturn testet die Zukunft des Bezahlens. Im eigenen Angaben zufolge weltgrößten Elektronikmarkt der Welt in Hamburg dürfen Kunden der Ceconomy-Tochter seit Mittwoch ihr eigener Kassierer sein. Das neue System Saturn Smartpay soll in einer dreimonatigen Testphase im Weihnachtsgeschäft ausprobiert werden.

Der Kunde scannt dabei nach der Registrierung in der speziellen App oder auf der mobilen Website den Barcode des gewünschten Artikels. Alternativ kann auch das digitale Preisschild mit einem NFC-fähigen Smartphone berührt werden.

Dann wählt der Kunde die Zahlungsart aus und bezahlt damit direkt den Artikel. Zum Start stehen Kredit- oder Debitkarte sowie GooglePay als Zahlmöglichkeiten zur Verfügung. Nach dem bald erwarteten Deutschlandstart soll auch Apple Pay folgen.

Am Schalter kommt der Kunde nicht vorbei

Zum Schalter muss der Kunde am Schluss allerdings doch noch: Dort wird der Barcode gescannt, den der Käufer nach dem erfolgreichen Bezahlvorgang zugeschickt bekommt, und anschließend die Diebstahlssicherung entfernt.

Saturn will den Kunden durch Smartpay "ein besseres Shoppingerlebnis ermöglichen", wirbt das Unternehmen. "Niemand steht gerne an Kassen an", sagt Martin Wild, Innovationsverantwortlicher bei Saturn. Gleichzeitig werde das Smartphone immer mehr zur Fernbedienung des Lebens.

Besonders fortschrittlich ist Saturn nicht mit dem kassenlosen Bezahlen. Auch im Apple Store können Kunden bereits seit Jahren mit der entsprechenden Store-App einige Produkte scannen und über ihren iTunes-Account bezahlen. In den USA geht Amazon noch einen Schritt weiter. Dort gibt es in einigen Supermärkten überhaupt keine Kassen mehr. Kameras filmen, welche Artikel der Kunde in seinen Einkaufswagen legt, abgerechnet wird über das Amazon-Konto.

Umsatzverlust durch Kassenschlangen

Für Händler können lange Schlangen an den Kassen auch ein finanzielles Problem darstellen. Laut einem Report der Zahlungsplattform Adyen verzeichnete der europäische Handel in den vergangenen zwölf Monaten Umsatzeinbußen von rund 34 Milliarden Euro, nur weil Kunden wegen zu langer Warteschlangen den Kauf abgebrochen haben, davon allein 6,7 Milliarden In Deutschland

"Wir wollen das beste Erlebnis beim Onlinekauf auch auf den Einkauf im Laden übertragen", wirbt Mustafa Khanwala, Chef und Mitgründer des Dienstleister MishiPay, mit dem Saturn bei dem Pilotprojekt kooperiert. Beim Kauf im Internet könnten Artikel nicht angefasst und ausprobiert werden, dafür sei der Bezahlvorgang schnell und einfach. Im Geschäft dagegen könnten Produkte in die Hand genommen werden. Das anschließende Warten an der Kasse könne aber Kunden abschrecken.

Saturn arbeitete auch schon bei einem anderen Projekt mit MishiPay zusammen: In Innsbruck konnten Kunden in einem Pop-up-Testmarkt komplett kassenlos bezahlen. Dort wurden die Waren mit einem RFID-Chip versehen, der nach dem Bezahlen deaktiviert wurde. Das sei in Hamburg mit einem Sortiment von mehr als 100.000 Produkten im Testbetrieb nicht möglich gewesen. "Wir hätten alle Produkte mit einem Chip ausstatten müssen", sagt Wild.

Unterschiedliche Methoden

Saturn probiere unterschiedliche Methoden aus. "Wir wollen herausfinden, wie die neue Zahlungsart angenommen wird", sagt Wild. In Hamburg lassen sich auch nicht alle Artikel des Sortiments per Smartpay bezahlen. Elektrogroßgeräte sind beispielsweise davon ausgenommen, genau wie Waren, die wie Smartphones oder Tablets mit Seriennummer registriert werden müssen, Gutscheine oder Artikel, die eine Altersfreigabe ab 18 Jahren haben. "Etwa 85 Prozent können per Smartpay bezahlt werden", sagt Wild.

Und wenn ein Kunde sich auf dem Weg zum Smartpay-Schalter doch noch umentscheidet? "Dann kann er das Produkt am Schalter zurückgeben", sagt MishiPay-Mitgründer Khanwala. So könnten letztlich doch wieder Schlangen entstehen. Rund zwei Stunden nach Start des Testbetriebs waren in dem Saturn-Markt dafür allerdings keine Anzeichen zu sehen - laut einer Verkäuferin hätten bis dahin erst zwei Kunden mit Smartpay bezahlt.

insgesamt 36 Beiträge
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next 05.12.2018
1.
"...dürfen Kunden .... seit Mittwoch ihr eigener Kassierer sein" Das im weiteren Text beschriebene Verfahren dürfte eher für längere Schlangen sorgen. Aber der Trend ist erkennbar: Personalabbau.
frenchie3 05.12.2018
2. Letztens beim M. Markt in Freiburg
Eine Schlange, fünf Kassen offen, sobald eine bereit ist wird die Nummer aufgerufen. Zack durch, null Frust daß man, gefühlt wie immer, genau an der falschen Kasse ansteht. Im Supermarkt kann man ebenfalls schon selber scannen, auch da ist man höchstens sein eigenes Hindernis. Ich schlage vor daß wirklich jeder Artikel ein RFID-Implantat bekommt, am Ende durch eine Schleuse und Geld runter vom Konto. Nicht schlecht gegen Ladendiebe. Aber ehrlich, muß heute alles bereits gestern erledigt sein? Wem die Kasse zu mühsam ist der kann sich den Kram auch schicken lassen. Dann hat er es der Kasse aber gegeben wenn er statt langen 15 Minuten anstehen nur einen Tag warten muß bis er die Ware in der Hand hat
p-touch 05.12.2018
3. Das wird Saturn
auch nichts nützen. Viele Leute die ich kenne gehen nur noch für größere Anschaffungen, wie z.B. eine Waschmaschine, in die Geschäfte. Kleinere Artikel kann man sich bequemer zuhause im Internet heraussuchen, vergleichen und bestellen. Ob ich jetzt 5,- für den Versand bezahle oder für´s Parken in der Stadt ausgebe ist egal. Über kurz oder lang sind die klassischen Ladengeschäfte Geschichte.
spon-facebook-10000239462 05.12.2018
4. Umsatzeinbußen
Komischerweise kommt niemand auf die Idee, mehr Kassen hin- und Personal einzustellen. Wenn die Umsatzeinbußen so schrecklich hoch sind, könnte das vielleicht helfen. In diesem Fall würde das Geld aber zum Teil in die Taschen der Belegschaft wandern und nicht den Konzerngewinn mehren, was unsere Konzerne natürlich mit allen Mitteln verhindern müssen. Da lassen sie die Arbeit dann doch lieber kostenlos von den Kunden erledigen. Das Ganze ist nichts weiter als eine bodenlose Unverschämtheit. Pfui!
Einhorn 05.12.2018
5.
Wahnsinn. Jetzt wird es dem Kunden schon als Vorteil verkauft, wenn er - fürs gleiche Geld - den Job der Kassierer mit erledigt. Und gleichzeitig verschwindet ein Job, den jeder lernen kann, egal welchen Schulabschluss er hat. Ist es das, was wir wollen?
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