Saturn und Media Markt Metro-Tochter greift Kundendaten ab

Der Metro-Konzern steigt nach seiner Aufspaltung ins Online-Werbegeschäft ein. Eine Tochter sammelt künftig Daten von Kunden bei Media Markt und Saturn. Es wartet ein einträgliches Geschäft.

Kunden bei Saturn in Düsseldorf
DPA

Kunden bei Saturn in Düsseldorf


Metro-Konzernchef Olaf Koch steht kurz davor, seinen wichtigsten Coup zu landen. Kommenden Montag sollen die Aktionäre des Konsumgüterkonzerns die Teilung des Unternehmens durchwinken. Sie geben dann den Startschuss zu einem neuen, lukrativen Geschäftsplan. Wenn die Elektronikmärkte Media Markt und Saturn abgespalten werden, soll eine neue Firmentochter die Fülle an Kundendaten sammeln und vermarkten.

Künftig soll unter dem Namen Metro der Großhandel und die Marktkette Real firmieren, das Elektronikgeschäft des Konzerns wird unter dem Firmensignet Ceconomy geführt. Dort sollen die Kundendaten künftig vergoldet werden. Vergangenes Jahr gründete Metro die Retail Media Group (RMG), deren Zweck nun offenbart wird: Sie soll auf Daten unter anderem von Media Saturn zurückgreifen, damit RMG-Kunden Online-Werbekampagnen passgenau auf Verbraucher zuschneiden können. Das teilte RMG mit.

RMG wertet dabei anonymisierte Besucher- und Kaufdaten der Elektronikhändler Media Markt und Saturn, der Supermarktkette Real, Metro sowie der Media-Saturn-Onlinetochter Redcoon aus. Diese verzeichnen auf ihren Onlineseiten täglich über bis zu zehn Millionen Kundenkontakte.

Onlinevermarkter offen für weitere Händler

"Wir Händler besitzen riesige Datenschätze, die wir heben müssen", sagte Media-Saturn-Chef Pieter Haas. "Wenn wir uns dabei branchenübergreifend zusammentun, wird die Kombination dieser Besucher- und Transaktionsdaten zusätzliche Erlösquellen sichern." RMG ist damit offen auch für andere Händler.

Chef der RMG ist Richy Ugwu, der 29-Jährige kommt von der Konzernmutter Metro. RMG könne es Firmen ermöglichen, bestimmte Verbraucher für ihre Produkte anzusprechen und ihre Werbung auf diese abzustimmen - etwa Kundengruppen, die sich für gute Rotweine, trendige Musik und teure Smartphones interessiert haben.

Onlinevermarkter wie RMG nutzen dabei, dass Kunden auch im Kaufprozess noch direkt angesprochen werden können - wenn sie besonders empfänglich für Werbebotschaften sind. Längst ist dies ein einträgliches Geschäft auch bei anderen Unternehmen.

Akzeptieren die Metro-Aktionäre die Pläne zur Teilung des Konzerns, entsteht ein Lebensmittelhändler mit rund 37 Milliarden Euro Jahresumsatz und mehr als 150.000 Mitarbeitern in 35 Ländern. Die heutigen Aktionäre sollen künftig zusammen 90 Prozent an dieser "neuen" Metro halten. Zehn Prozent verbleiben im Konzernteil Ceconomy mit Europas größter Elektronikhandelskette Media Saturn. Diese Holding kommt auf einen Jahresumsatz von rund 22 Milliarden Euro mit 65.000 Mitarbeitern.

kig/Reuters



insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
verbal_akrobat 02.02.2017
1. Jeder Stammkunde bei MM & Saturn
...hat seine persönlichen Daten im dortigen jeweiligen Hauseigenen System hinterlegt. Zur einfacheren Belegerstellung über die Jahre... Bei der erstmaligen Erfassung der Daten, wird allerdings der Kunde bis dato darauf hingewiesen, dass ja keine personlisierte Werbung verschickt wird aus den beiden Unternehmen! (Soweit mir bekannt kein Pasus in den AGB`s, keine Unterschrift zur weiteren Genehmigung seitens des Kunden) Frage an die Forumsgemeinde, dürfte mit Hilfe dieser seit Jahren hinterlegten Millionendatensätze, diese versandt - sprich, durch geführt werden?!
spon_3139848 02.02.2017
2.
Danke für diesen Artikel, dann weiss ich ja, wo ich Online bestimmt nicht einkaufen werde!
wll 02.02.2017
3. Kein Titel
Wieder ein Grund mehr, Firmen dieser Unternehmensgruppe zu meiden. Und wie soll es bitte funktionieren, Kunden "gezielt anzusprechen", wenn die Daten angeblich "anonymisiert ausgewertet" werden? Passt irgendwie nicht zusammen, nicht wahr? Entweder die werten die Daten der Schwesterunternehmen anonymisiert aus, dann dürfte das Kontaktieren der Kunden schwierig werden. Oder die haben die kompletten Kundendaten einschließlich Kundenstamm, dann kann man aber wohl schwerlich von anonymisierten Daten sprechen. Und was sagt eigentlich das Bundesdatenschutzgesetz dazu, fremden Unternehmen Zugang zu den eigenen Kundendaten zu gewähren? Ich glaube kaum, dass die Kunden von Saturn, Media Markt oder Redcoon dem zugestimmt haben...
themistokles 02.02.2017
4.
Zitat von verbal_akrobat...hat seine persönlichen Daten im dortigen jeweiligen Hauseigenen System hinterlegt. Zur einfacheren Belegerstellung über die Jahre... Bei der erstmaligen Erfassung der Daten, wird allerdings der Kunde bis dato darauf hingewiesen, dass ja keine personlisierte Werbung verschickt wird aus den beiden Unternehmen! (Soweit mir bekannt kein Pasus in den AGB`s, keine Unterschrift zur weiteren Genehmigung seitens des Kunden) Frage an die Forumsgemeinde, dürfte mit Hilfe dieser seit Jahren hinterlegten Millionendatensätze, diese versandt - sprich, durch geführt werden?!
Einfache Antwort: Ja. Zwischen diesen Kunden und der MSH besteht eine Geschäftsbeziehung. Die beiden Häuser dürfen ihre Kunden problemslos anschreiben. Etwas anderes ist die Weitergabe der Daten und die Verarbeitung zu Werbezwecken. Dieses Metier ist aber leider seit Jahren schon eine rechtliche Grauzone. Hier klaffen teilweise erhebliche Lücken in der Gesetzgebung, welche die Firmen auch rege ausnutzen.
mantrid 02.02.2017
5. Meine Zielgruppendefinition
Ich will vor allen Dingen nicht mit Werbung zugepflastert werden Im Extremfall kaufe ich sogar Produkte deshalb nicht, weil mir deren Bewerbung auf den Sender geht. Und wer meinen Briefkasten, egal ob elektronisch oder real, übermäßig mit Werbung zumüllt, ist mich garanteirt als Kunden los.
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