Neuer Microsoft-Chef Satya Nadella Ein Nerd übernimmt das Kommando

Mit Satya Nadella besinnt sich Microsoft auf seine Wurzeln. Nach dem laut polternden Steve Ballmer wird wieder ein Hardcore-Techie Konzernchef. Dessen Motto: Demut und ständiges Dazulernen. Aber reicht das, um den Software-Pionier in die Post-PC-Ära zu führen?

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Manager Nadella: Aufbruch in die Wolke
REUTERS/ Microsoft

Manager Nadella: Aufbruch in die Wolke


Hamburg - Was für einen Platz in der Welt er Microsoft beimesse, wurde Satya Nadella einmal gefragt. Er frage sich das auch oft, antwortete er. Vor allem frage er sich, wie diese große, faszinierende Firma "Teil des Gewebes wird, das bei der Digitalisierung von allem" helfe.

Nun beginnt der schwierige Part für Nadella. Nun, wo der 46-Jährige nach dem schillernden Bill Gates und dem ruppigen Steve Ballmer zum dritten Microsoft-Boss in der Firmengeschichte ernannt worden ist, wird er selbst Antworten auf solche Fragen finden müssen. Wird den großen IT-Pionier der neunziger Jahre strategisch neu aufstellen müssen, dem Konkurrenten wie Google Chart zeigen, Apple Chart zeigen und Amazon Chart zeigen in vielen Bereichen davongezogen sind.

Wer also ist der Mann, der einen neuen Platz für Microsoft in der Post-PC-Ära finden soll?

Nadella, geboren in der indischen Stadt Hyderabad, ist ein hochversierter Techniker. Einer, dessen Überzeugung es ist, dass die Produkte seines Unternehmens die Welt verbessern werden. Ein Nerd. Nach Ballmer, dem Verkäufer und Ex-Produktmanager von Procter & Gamble, steht damit wieder ein Mann in der Tradition von Bill Gates an der Spitze.

Seinen Bachelor-Abschluss machte Nadella als Elektroingenieur, seinen Master-Abschluss in Computerwissenschaften. Bei Microsoft war er maßgeblich an der Entwicklung der Suchmaschine Bing und des Bürosoftwarepakets Office beteiligt und führte das Server-Geschäft. Seit 2013 verantwortete er das für Microsoft immer wichtigere Cloud-Geschäft, die Auslagerung von Programmen, Daten, ganzen IT-Infrastrukturen auf die Server eines externen Dienstleisters. "Satya ist ein bewährter Anführer mit Hardcore-Ingenieur-Know-how", lobt Firmengründer und Ex-Chef Bill Gates seinen Nach-Nachfolger.

Hardcore-Ingenieur - aber auch Geschäftsmann?

Als knallharter Geschäftsmann ist Nadella bislang kaum aufgefallen, obwohl er neben seinen Tech-Abschlüssen auch noch einen Master in Betriebswirtschaft an der Universität von Chicago gemacht hat. Womöglich solle ihn deshalb der geschäftlich versierte Konzernmanager John Thompson im Dialog mit Investoren und Kunden unterstützen, berichten mehrere US-Zeitungen.

Die Probleme, denen sich Microsoft stellen muss, sind jedenfalls groß. Weil Ballmer viele Entwicklungen über Jahre verschlafen hat, drängt die Zeit. Das PC-Geschäft schrumpft, in dem das Unternehmen mit seinem Windows-Betriebssystem eine zentrale Rolle spielt. Im Internet-Geschäft konnte der Konzern trotz großer Anstrengungen bisher nicht mit Google mithalten. Auch Smartphones und Tablets mit Microsoft-Software haben bisher geringe Marktanteile.

Microsoft versucht, mit seiner Spielekonsole Xbox One und der Übernahme des Handy-Geschäfts von Nokia verstärkt zu einem Anbieter von Geräten und Datendiensten zu werden. Und dann ist da noch die Cloud.

Microsofts zentrale Cloud-Plattform Azure hat sich etwas an den Konkurrenten Amazon herangepirscht. Auch das Geschäft mit sogenannten SQL-Servern und anderen Unaussprechlichkeiten der IT-Welt hat angezogen. Den Endkunden, der auf seinem Smartphone E-Mails checkt oder Doodle Jump spielt, mag das nicht interessieren. Doch waren diese Geschäftsbereiche einer der wichtigsten Gründe, warum Microsoft trotz schrumpfendem PC-Geschäft und bislang recht erfolglosen Smartphone-Verkäufen zuletzt robuste Quartalsergebnisse veröffentlichte.

Microsofts Umbau zur Geräte- und Service-Firma sei die große Vision, sagte Nadella im Dezember dem Technologie-Dienst "Quartz". Schon damals galt er als großer Favorit für den Chefposten. Auch unabhängige Experten attestieren ihm gute Arbeit. "Er hat eine Passion für Veränderung", sagt Ted Schadler, Analyst beim Marktforschungsunternehmen Forrester Research. "Und er weiß, was es braucht, um Veränderung in Microsofts Firmenkultur voranzutreiben."

Ähnlich euphorisch wurde einst allerdings auch Ballmer gelobt, als er die Nachfolge von Bill Gates antrat. Vielleicht ist es deshalb nicht nur Bescheidenheit, wenn Nadella zu seinem Dienstantritt schreibt: "Heute ist ein demutgebietender Tag für mich." Immerhin: Diesen Satz hätte Ballmer so eher nicht gesagt.

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insgesamt 87 Beiträge
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Seite 1
mikeklatt 04.02.2014
1. Micro..
Eben Micro...soft - klein, weich und im Grunde nicht mehr zu gebrauchen. Die haben gegen Apple und Samsung keine Chance mehr..so einfach ist das. Egal wer da noch da oben hockt. Die Zeit von Microsoft ist vorbei und ich find das gut.
chrimirk 04.02.2014
2. Viel Glück!
Zitat von sysopREUTERS/ MicrosoftMit Satya Nadella besinnt sich Microsoft auf seine Wurzeln. Nach dem laut polternden Steve Ballmer wird wieder ein Hardcore-Techie Konzernchef. Dessen Motto: Demut und ständiges Dazulernen. Aber reicht das, um den Software-Pionier in die Post-PC-Ära zu führen? http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/satya-nadella-portraet-des-neuen-microsoft-chefs-a-951487.html
Es wird Zeit, dass MS wieder die Spitze übernimmt und nicht hinter so Lully Buden, wie Facebook, Twitter & Co hinterher trottelt!
Kaiserp 04.02.2014
3. Mein Tip
Windows 7 für PCs weiterentwickeln und Windows 8 für Smartphones und Tablets voranbringen. Bitte trennt die Betriebssystem und zwingt die PC-Benutzer nicht auf Windows. Eine zuverlässige Synchronisierung aller Windowsandwendungen, egal auf welchem System, sollten das oberste Ziel sein.
monolithos 04.02.2014
4. Der Franziskus von Microsoft!
Na, mal sehen, was ein Techie aus Windows und MS Office macht. Ich betrachte es aus der Ferne. Die NSA hat mich zum Linuxoiden gemacht und ich weiß nicht, ob die Kleinweich AG aus Redmont gewillt und geduldet ist, der Stasi 2.0 die Datenlieferanten zu entziehen.
Steuerzahler0815 04.02.2014
5.
Kaum ist mal kein BWLer an der Macht wird er als Nerd diffamiert
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