Start-up aus München Scalable Capital verwaltet Milliardensumme

Das Münchner Finanz-Start-up Scalable Capital verwaltet als erster deutscher Computer-Anlageberater mehr als eine Milliarde Euro. Insgesamt kommt der Markt aber nur schleppend in Fahrt.

Scalable-Manager Stefan Mittnik, Florian Prucker, Erik Podzuweit
Scalable Capital

Scalable-Manager Stefan Mittnik, Florian Prucker, Erik Podzuweit


Automatisierte Online-Geldanlage breitet sich allmählich in Deutschland aus: Scalable Capital verwaltet inzwischen mehr als eine Milliarde Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Damit gelingt dem Münchner Finanz-Start-up der Sprung in eine international relevante Größenordnung. Die Nummer zwei der Branche, die zur Online-Bank Comdirect gehörende Cominvest, kam Ende März auf nur rund 300 Millionen Euro.

Insgesamt ist der Markt für Roboter-Anlagen hierzulande aber mit einem Volumen von mehr als zwei Milliarden Euro klein, wie Zahlen der Analysefirma Barkow Consulting zeigen. Das Gesamtvolumen von über zwei Milliarden Euro entspreche nur 0,2 Prozent des Vermögens von Privatanlegern in Aktien, Anleihen und Fonds, sagt Barkow.

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Die erreichte Zahl zeige, "dass es echte Nachfrage nach digitaler Vermögensverwaltung gibt", sagte Scalable-Mitgründer Erik Podzuweit. Das Unternehmen war vor zweieinhalb Jahren an den Start gegangen und profitierte von Kooperationen, etwa mit der Direktbank Ing-Diba.

Bei Anlage-Robotern geben Sparer zunächst an, welche Anlagezeiträume und welche Risikoneigung sie haben. Danach wird das Geld über Fonds und mehrere Anlageklassen wie Aktien, Anleihen oder Immobilien investiert. Manche Anbieter passen das Portfolio automatisch an, wenn Börsenrisiken wachsen oder Sparziele verletzt werden könnten. Die Firmen versprechen langfristig meist vier bis sechs Prozent Rendite pro Jahr bei Gebühren von unter einem Prozent. Das Angebot ist damit um ein Vielfaches günstiger als klassische Bankprodukte.

Digitale Vermögensverwalter könnten sinnvoll sein für Anleger, die ihr Geld in ein Wertpapier-Portfolio investieren wollten, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Ihnen könnten sie bei der Auswahl helfen und das Geld im Idealfall breit und günstig anlegen. Als Alternative eigneten sich aber auch einfache Fonds-Sparpläne, die meist günstiger sind. Dann müssen Anleger ihre Portfolioverwaltung aber selbst in die Hand nehmen.

Online-Vermögensverwaltung gilt in Deutschland als zukunftsträchtig, kommt aber nur schleppend in Fahrt. Die meisten der gut 30 Firmen tun sich noch schwer, Sparer anzulocken. In den USA hingegen verwalten manche Anbieter schon mehr als 10 Milliarden Euro.

hej/dpa-AFX



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